Flinten-Uschi und ihre Flinte

#1 von kjschroeder , 06.06.2016 20:01

Sieh mal an - jetzt merkt auch die Presse, daß von der Leyen herumstümpert.

Es geht um das G36. Und die "Welt" schreibt dazu:
Im Prozess um das Sturmgewehr G36 zeichnet sich ein Sieg von Hersteller Heckler & Koch ab. Es sei nie für den Kampfeinsatz vorgesehen gewesen - ein Versäumnis der Bundeswehr, meint der Richter.

Ein Gewehr, das nicht für den Kampfeinsatz vorgesehen ist? Wofür denn dann? Zum Posieren? Wochenendausflug? Tontaubenschießen? Wer hat bei der Ausschreibung denn damals so einen Mist verzapft? Schon hier liegt der Hund begraben.

Doch weiter:
Richter Ralph Volckmann macht klar, dass die Waffe seiner Meinung nach dem Ursprungsvertrag entspricht – auch wenn sie angesichts der neuen Aufgaben der Bundeswehr nicht mehr zeitgemäß ist. Daran ist seiner Meinung nach aber die Bundeswehr schuld. Sie habe es versäumt, dem Hersteller die etwa durch Auslandseinsätze entstandenen neuen Anforderungen zu melden, sagt er.

Im "Spiegel" heißt es dazu:
"Wenn sich die Anforderungen an das Gewehr geändert haben, dann hätten sie nachbessern müssen", sagte er in Richtung der drei Anwälte, die das Ministerium beim Koblenzer Prozess vertreten.

Was natürlich nicht geschah. Stattdessen wurde das Problem erst geleugnet, dann kleingeredet, dann wieder geleugnet - wie es halt gerade paßte für die jeweilige Regierung.

Ich kann mir schon vorstellen, was da passiert ist:

1996 wurde mit der G36-Produktion begonnen. 1996: Da war Deutschland erst ein paar Jahre vereinigt; die Regierung machte sich und unser Land klitzeklein, um Besorgnisse von Nachbarn über die neue Größe und potentielle Gefahr Deutschlands zu zerstreuen. Dann ein Sturmgewehr als Standardwaffe für die Bundeswehr zu bestelllen, das normalerweise natürlich für Kampfeinsätze geeignet ist (wofür auch sonst?) - sowas geht in deutscher Politiker-Logik natürlich gar nicht. Stattdessen wurde von Friedensdividende geschwafelt und zielgerichtet mit dem Abwracken der Bundeswehr begonnen. Und so kam dann, was auch kommen mußte.

Nun verzieht sich jede Waffe, die heißgeschossen wird. Die Frage ist: ab wann? Mal hier und da ein Schüßchen abgefeuert - das juckt keine Waffe (nebenbei: auch keinen Gegner). Und genau so haben sich das unsere Regierungspolitiker wohl damals vorgestellt.

Dann kam Afghanistan, und die ersten Berichte über mangelnde Präzision tauchten 2012 auf. Und zwar bei langen Gefechten, wo in mehreren Feuerstößen schon mal ein paar hundert Geschosse den Lauf verlassen. Nicht von deutschen Soldaten, wie anfangs immer wieder bemüht beteuert wurde. Klar, die haben Kampfeinsätze auf höhere Weisung vermieden so gut es ging. Ich vermute, die Berichte kamen vom britischen SAS, der damit schießt. Vielleicht auch von den Tschechen - das G36 wird in viele Länder exportiert, gilt dort als zuverlässig, und in Afghanistan standen einige nicht-deutsche Truppen, die damit ausgerüstet waren.

2012 war ein gewisser Thomas de Maiziere Verteidigungsminister. Er machte - nichts. An ihm aber wäre es damals gewesen, die damalige Ausschreibung zu korrigieren und den entsprechenden praktischen Anforderungen anzupassen. Es geschah nicht. Heute ist dieser Mann als Innenminister für unsere Sicherheit verantwortlich. Bei seiner Nachfolgerin von der Leyen geschah ebenfalls nichts. Im Gegenteil: Das G36 soll ausgemustert werden, ohne daß überhaupt klar ist, wie der Nachfolger aussehen soll - Chaos & Aktionismus are going Mainstream.

Und es wird für das Leyen-Ministerium auch nicht besser, daß die französische Regierung im März 2016 bekanntgab, ihre Anti-Terroreinheiten mit ebendieser Waffe auszurüsten. So schlecht kann das G36 also nicht sein, sofern es nicht längere Gefechte mit Dauerfeuer bestehen muß.

Dabei hat Heckler und Koch, folgt man den o.a. Berichten von "Welt" und "Spiegel", in diesem Bereich längst eine Nachbesserung angeboten, die pro Waffe gerade mal 600 Euro kosten würde (Tausch von Material an bestimmten Stellen der Waffe, welches Wärme besser absorbiert). Dafür ist dann auf Seiten von der Leyens kein Geld da (und ich vermute: Die Franzosen haben dieses Gewehr von Anfang an in der dauerfeuerfähigen Version geordert).

Die "Welt" hat mit ihrer Überschrift unrecht: Nicht von der Leyen hat ein Problem. Sondern die Bundeswehr hat eins, das von der Leyen heißt. Es war ein absehbares Problem in diesem Fall: Die Frau ist inkompetent, geltungssüchtig, aktionistisch, alles hat sich ihrem Selbstdarstellungsdrang unterzuordnen. Kennt noch jemand ihre "Stopp"-Schildnummer bei Pornoseiten? Spätestens ab da war ihre Inkompetenz eigentlich geklärt.

Normalerweise müßte man ja so ein Sicherheitsrisiko für Soldaten feuern. Aber ich fürchte, das bringt nicht viel: Wir haben eine Politikerkaste, bei der es eigentlich egal ist - der Nachfolger würde auch nicht mehr taugen.

Weitere Quellen:
- http://www.welt.de/politik/deutschland/a...em-Gefecht.html
- http://www.thefirearmblog.com/blog/2015/...found-with-g36/
- http://www.guns.com/2015/03/31/german-bu...rms-g36-issues/
- http://www.heckler-koch.com/de/presse/de...-neues-stu.html



Gruß
Klaus


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