RE: Hallo?

#26 von JoG , 27.01.2013 18:19

"""Schade, dass an dieser Stelle die Diskussion ins Leere läuft, aber ich kenne das."""

Ich hätte nicht gedacht, dass Sie ernsthaft auf so einen Beitrag ein Retour hätten haben wollen. Und wenn Sie solche Beiträge schreiben, müssen Sie erwarten, dass "an dieser Stelle die Diskussion ins Leere läuft", was offenbar Ihnen immer wieder widerfährt. Also qed.

Zum neuen Beitrag:

"""Es gibt immer Leute, die gerne Arbeitszeiten hätten wie im alten England, Aufsicht und Kontrollen wie in einer Kleidernäherei in Pakistan oder Bangladesh, Löhne wie in einem indischen Granitsteinbruch und so viele Urlaubstage wie in einer Ziegelei in China. Natürlich sei das allein dem Wettbewerb geschuldet und "wir" können "leider" nichts dagegen tun. Besser ein Leben in elender Arbeit als ins arbeitlosem Elend, frei nach dem Motto: Sozial ist, was Arbeit schafft.

Das gilt natürlich nicht für sich selbst, sondern nur für andere. Wo kämen"wir" sonst hin? Die, die sich so um "uns" kümmern, sitzen meist in öffentlichen Verwaltungen, sind Rentner oder Pensionäre, die früher in öffentlichen Verwaltungen saßen oder in anderen Verwaltungen oder Kanzleien saßen.

Was sie leider nicht sehen ist, dass in einer Gesellschaft, die übers Lohndumping funktionieren will, weder Ärzte noch Notare/Anwälte oder Ödies/Beamte oder gar Rentner und Pensionäre auch nur einen ähnlichen Lebensstandard erreichen wie in dekadenten Gesellschaften, in denen "wir" Arbeiter 20 oder 30 Urlaubstage, freie Samstage und ein Dutzend Feiertage zur Erholung haben.

Wie kommt das, JoG? Suchen Sie selbst eine Erklärung."""

Die kurze Antwort auf Ihre Frage ist: Qualitativ ist der heutige Zustand relativ einfach zu erklären und entwickelte sich aus den Umständen ziemlich genau wie man das aus der Theorie erwarten würde. Das bedeutet nicht, dass man zufrieden sein sollte oder wütend. Es bedeutet lediglich, dass man verstehen kann, wieso es so ist und an welchen Parametern man drehen könnte um zu versuchen die Welt in eine Richtung zu bewegen, die man lieber hätte.

Dabei ist wichtig zu verstehen, wie die Zahnräder ineinander greifen und welche Stellschrauben welche Wirkung haben. An dieser Stelle ist es zunächst noch relativ einfach, weil man noch wenig im Detail ist und generelle Gesetzmäßigkeiten relativ zuverlässige Aussagen zulassen. Es ist relativ einfach zu sagen, dass eine Erhöhung des Lohns zu einer Reallokation von Kapital führen wird. Wenn man allerdings genau wissen will, wo oder worin das Kapital reinvestiert wird, so ist der Prozess sehr komplex mit einer Myriade Faktoren und Parameter, die man berücksichtigen muss. So wäre zwar die Wahrscheinlichkeit äußerst hoch, dass Kapital aus dem betroffenen Produktionsprozess abfließt. Wie viel allerdings ins Ausland oder in Prozesse geht, die oO weniger des Faktors Arbeit benötigen oder in Substitute des Endprodukts ist da schon uU wichtig aber aus dem Stehgreiff kaum sinnvoll anzugehen.

Das ist das Problem mit solchen Rundumschlägen, wie Sie ihn da machen. Es gibt zwar Grundregeln, die gelten. Will man aber im einzelnen wissen, wieso Ihr Job noch in Deutschland ist aber ein ähnlicher bereits in der Türkei? Tja, da muss man in eine andere Ebene des Details gehen. So ist es ganz sicherlich falsch als Beispiel zu sagen, dass Kinderarbeit schlecht ist oder, dass allgemeine Gesundheitsaufwendungen für die Bevölkerung von $ 6.000 PPP gut wäre. Wenn ein Verbot der Kinderarbeit dazu führt, dass Kinder nach der Geburt in den Jungel gesetzt oder erwürgt werden? Oder wenn $ 6.000 PPP das mittlere pro Kopf Einkommen übersteigt? Da muss man schon genauer hinschauen, als Ihre Fragen das oben tun.

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RE: Hallo?

#27 von kurt02 , 27.01.2013 19:29

Zitat von JoG im Beitrag #26
"...

Das ist das Problem mit solchen Rundumschlägen, wie Sie ihn da machen. Es gibt zwar Grundregeln, die gelten. Will man aber im einzelnen wissen, wieso Ihr Job noch in Deutschland ist aber ein ähnlicher bereits in der Türkei? Tja, da muss man in eine andere Ebene des Details gehen. So ist es ganz sicherlich falsch als Beispiel zu sagen, dass Kinderarbeit schlecht ist oder, dass allgemeine Gesundheitsaufwendungen für die Bevölkerung von $ 6.000 PPP gut wäre. Wenn ein Verbot der Kinderarbeit dazu führt, dass Kinder nach der Geburt in den Jungel gesetzt oder erwürgt werden? Oder wenn $ 6.000 PPP das mittlere pro Kopf Einkommen übersteigt? Da muss man schon genauer hinschauen, als Ihre Fragen das oben tun.



Sie scheinen ein Anhänger der Modellökonomie zu sein. Das erklärt Ihre Irrtümer hinreichend, denke ich. Auch den Irrtum, Ihre frühere Tätigkeit unterläge nicht diesem Preisdruck (was man durchaus als Überheblichkeit sehen könnte;-))

Die Einstiegsgeräte werden in Rumänien gebaut, aber das schrieb ich bereits. Dass die rote Zahlen schreiben,auch. Das ist aber leicht damit zu erklären, dass diese Geräte mit Geräten aus China konkurrieren, während die Premiumsachen, die wir schnitzen, den Premiummarkt bedienen, übrigens auch in China. Die rumänischen Sachen machen wir nur, um Einsteigergeräte zu haben, also um die Marke bei jungen Leuten und Erstkunden zu platzieren. In China könnten wir diese Geräte nicht produzieren, weil sie einfach die Qualität nicht bringen. Übrigens liegt das gerade an den Punkten, die Sie hier auf das Hochlohnland Deutschland anwenden. Wer nur auf Preis produziert, kann keine Qualität liefern, jedenfalls nicht für die Premiummarkt. Daher machen unsere Rumänen nicht nur einfache Geräte, sondern auch Teile für die Premiumsachen, die fehlertoleranter sind, während wir hier im Werk die Dinge produzieren, die auch für die einfachen Geräte auf den zehntel Millimeter passen müssen - auch der Kundendienst kostet Geld.

Wann findet diese einfache Wahrheit endlich Eingang in die Theorie von euch Modellökonomen, dass nämlich die Rendite austauschbarer Produkte gegen Null geht?

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RE: Hallo?

#28 von JoG , 28.01.2013 12:34

""""Die Einstiegsgeräte werden in Rumänien gebaut, aber das schrieb ich bereits. Dass die rote Zahlen schreiben,auch. Das ist aber leicht damit zu erklären, dass diese Geräte mit Geräten aus China konkurrieren, während die Premiumsachen, die wir schnitzen, den Premiummarkt bedienen, übrigens auch in China. Die rumänischen Sachen machen wir nur, um Einsteigergeräte zu haben, also um die Marke bei jungen Leuten und Erstkunden zu platzieren. In China könnten wir diese Geräte nicht produzieren, weil sie einfach die Qualität nicht bringen. Übrigens liegt das gerade an den Punkten, die Sie hier auf das Hochlohnland Deutschland anwenden. Wer nur auf Preis produziert, kann keine Qualität liefern, jedenfalls nicht für die Premiummarkt. Daher machen unsere Rumänen nicht nur einfache Geräte, sondern auch Teile für die Premiumsachen, die fehlertoleranter sind, während wir hier im Werk die Dinge produzieren, die auch für die einfachen Geräte auf den zehntel Millimeter passen müssen - auch der Kundendienst kostet Geld.

Wann findet diese einfache Wahrheit endlich Eingang in die Theorie von euch Modellökonomen, dass nämlich die Rendite austauschbarer Produkte gegen Null geht?""""

Wieso Eingang? Das sind ein paar der Details, von denen ich schrieb. Natürlich gehen Qualitäten neben Menge oder Preis in die Theorien und Modelle ein. Die Betriebswirtschaft beschäftigt sich weitgehend mit den Einzelheiten solchen Fragen. Ich verstehe Ihren Einwand nicht.

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RE: Hallo?

#29 von kurt02 , 31.01.2013 12:01

Zitat von JoG im Beitrag #28
"....

Wieso Eingang? Das sind ein paar der Details, von denen ich schrieb. Natürlich gehen Qualitäten neben Menge oder Preis in die Theorien und Modelle ein. Die Betriebswirtschaft beschäftigt sich weitgehend mit den Einzelheiten solchen Fragen. Ich verstehe Ihren Einwand nicht.


Hmmm - Details? Sie sind/waren Volkswirt, nicht wahr? Auf der letzten Betriebsversammlung hat der neue Vertriebs- und Marketingvostand genau das gesagt, was ich Ihnen wiedergegeben habe, und hat es als einen Kernpunkt der Firmenpolitk beschrieben. Aber für Sie sind das nur Details, oder? Für mich ist das Realwirtschaft.

Aber vergessen wir das: Wir sind hier ja unter uns und da gibt es keine gehässigen Linken, und ich will ja von Ihnen lernen, also:

Aus den Posts von Ihnen wurde mir klar, dass ich a) zu wenig b) nicht hart genug c) zu teuer arbeite. Was fände denn vor Ihren Augen Gnade?
Welche Wochenarbeitszeit, welchen Jahresurlaub, welches monatliche Bruttoentgelt fänden Sie denn für einen Produktionshelfer in einem Fertigungsunternehmen, das im weltweiten Wettbewerb steht, für angemessen?

Nur Mut, ich kann mich gegebenenfalls schon wehren;-))

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RE: Hallo?

#30 von Rocco-Müller , 01.02.2013 18:34

Zitat von kurt02 im Beitrag #3
Ehrlich gesagt, auf so einen Angriff auf Bürgerrechte (auch Arbeitnehmer sind Bürger mit Rechten) ist der - wie Sie es nennen - klassenkämpferische Ansatz durchaus gerechtfertigt.




Der Kapitalismus, ist in sein letztes, imperialistisches, Stadium eingetreten und die verstärkte Ausbeutung der Arbeiterklasse mittels Video-Überwachung und Niederiglöhnen nimmt immer schlimmere Formen an.

Der Gegensatz zwischen gesellschaftlicher Produktion und privater Aneignung des hierbei produzierten Mehrwertes, wird früher oder später der Sargnagel dieses Ausbeutersystems sein und der Klassenkampf ist die geignete Antwort, auf die immer weiter verschärfte Ausbeutung der arbeitenden Menschen.

So wie Ihnen, wird über kurz oder lang, vielen der Ausgebeuteten, ein Licht aufgehen.

Rocco-Müller  
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RE: Hallo?

#31 von JoG , 01.02.2013 21:34

Ich glaube, Sie demonstrieren sehr schön mit der Frage nach einem spezifischen Lohn, die tiefe Ihres Ansatzes.

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