Trump

#1 von kjschroeder , 28.04.2016 10:04

Donald Trump hatte am Dinstag in einer viel beachteten Rede seine Außenpolitik in Grundzügen vorgestellt. Auch in deutschen Medien wurde darüber berichtet - wie so häufig oft und meist negativ. Hier seien zwei Berichte verlinkt, die sachlich mit z.T. unterschiedlicher Fokussierung rüberkommen:
- im Focus: -> http://www.focus.de/politik/ausland/trum...id_5476994.html
- im britschen Dialy Telegraph: -> http://www.telegraph.co.uk/news/2016/04/...-policy-speech/


Fünf Punkte hatte er hervorgehoben:

1. Die gesamte Außenpolitik wird bei ihm unter den Vorbehalt gestellt, ob sie den USA nützt oder nicht.

2. Die NATO-Partner werden zu größerer Beteiligung an den Kosten aufgefordert, insbesondere zur Einhaltung ihrer Verpflichtung, zwei Prozent vom GDP für Verteidigung auszugeben (was gegenwärtig nur von vier Ländern erfüllt wird - soweit mir bekannt, NICHT von Deutschland). Außerde solle gelten: Wer die Kosten Amerikas für seine Verteidigung nicht aufbringen will, muß selber zusehen, wie er klarkommt.

3. Er kündigte ein "sehr, sehr rasches Verschwinden" von ISIS an unter seiner Präasidentschaft und will generell den militanten Islam wie auch die Migration stärker in den Fokus rücken und thematisieren,

4. Er will damit aufhören, westliche Werte als universell zu geltende Werte überall auf der Welt einzuführen.

5. Er will ein besseres Verhältnis zu Rußland und China aus der Position der Stärke. Seine Begründung: Beide Länder würden Stärke respektieren, die Obamasche Politik (der Führung aus dem Hintergrund) hingegen als Schwäche verachten.

Schlußfolgerung: Für die europäischen Eliten würde es unbequem: Mehr Geld für Militär ansonsten: Good bye, Europe! Nun glaube ich zwar nicht, daß Trumpo das in dieser Konsequenz umsetzen würde - schließlich ist die EU ein Projekt der USA (hierzu ein interessanter Artikel im Daily Telegraph ). Unbequem dürfte es dennoch werden, dazu zwingt schon der US-Haushalt, sprich: die Staatsschulden. Aber auch die Stimmung in weiten Teilen der Bevölkerung.

Der Vorteil freilich bestünde darin, daß unsere Pipi-Langstrumpf-Eliten wieder lernen, was Bodenständigkeit ist und was es bedeutet, sich um seine Sicherheit selber kümmern zu müssen. Das bedeutet auch eine Abkehr von dieser putzigen "Friedensdividenden"-Scheinwelt, die angeblich ja ein Abwracken des Militärs ermöglicht habe. Und eine Abkehr von Trittbrettfahrerei. Good-Bye, Leftists!

Ansonsten: ein Kandidat, der sich um sein Land kümmern will und keine Lust hat auf Weltenrettungsphantasien oder Moral-Imperialismus.

Eigentlich einen, den wir auch bräuchten.

Nun sehen das natürlich nicht alle so. Aber Kritiker Trumps hierzulande müssen, wie es scheint, zu Mitteln der Desinformation greifen, um ihre Gläubigen bei der Stange zu halten. Nehmn wir als Beispiel dafür einen Artikel von GMX über Trumps Rede -> http://www.gmx.net/magazine/politik/wahl...olitik-31524666

Dort macht der Korrespondent Widersprüch aus, wo es keine gibt und "Nationalismus", wo es keinen gibt. Z.B. schreibt er:
"Ich werde der größte Verteidiger Amerikas sein", sagt Trump. Hauptsache, wir zeigen Stärke, dann wird schon alles. Das ist Trumps nationalistisches Kalkül
Wer sich um sein Land kümmert, ist also für GMX ein "Nationalist". Eine interessante Sichtweise, die freilich mit der Realität nichts zu tun hat. Denn lexikalisch wird dieser Begriff so definiert, daß Nationalist der ist, der sich über andere erhebt. Das Herrenmenschendenken eben. Das ist ein Unterschied zu einem, der sich einfach "nur" um sein Land kümmert.

Es geht weiter mit der fahrigen Argumentation: Der Rest der Rede ist sehr, sehr fahrig. Trump wirft Obama vor, alte Verbündete verprellt zu haben und droht dann damit, die Nato-Partner der USA zu einem stärkeren finanziellen Engagement zu zwingen.
Hätte der Korrespondent hingehört, wüßte er, daß mit den "alten Verbündeten" in dem Zusamenhang Israel gemeint war (und der desaströse Iran-Deal), nicht NATO-Länder.

Dann: Er sagt, er wolle "raus aus dem Business", anderen Staaten die Demokratie beizubringen, um ein paar Sätze später zu betonen, wie wichtig es sei, in der Welt "für die Erfolge der westlichen Zivilisation" zu werben.
Wo soll da ein Widerspruch sein? Oder ist "Werbung" für den GMX-Korrespondenten gleich bedeutend mit Wirtschafts-, Kultur- und Moral-Imperialismus? Merke: "Werbung" kann auch bedeuten, daß etwas durch seine bloße Existenz für sich wirbt.

Und dann er hier: Trump will das Verhältnis zu den Chinesen verbessern, aber auch einen Handelskrieg mit ihnen anfangen.
Ein Heraufsetzen von kaum existierenden Importzöllen ist ein Handelskrieg? Geht's nicht noch 'ne Nummer größer?

Ganz lustig dann dieser Unfug: Er sagt: "Wenn Amerika kämpft, dann darf es das nur tun, wenn es auch siegt." Das ist an und für sich kein ganz uninteressanter Ansatz. Er ähnelt jenem von Ex-Außenminister Colin Powell. Krieg ist das letzte Mittel - aber wenn wir uns einmischen, dann richtig. So in etwa war dessen Doktrin.
Nein. So, wie Trump das formuliert hat, bedeutet es etwas anderes, nämlich: Man beginnt einen Krieg nur, wenn man auch weiß (und zwar VORHER), wie und wann man ihn beendet. Das ist ganz schlicht Clausewitz und sollte einem Korrespondenten eines derart großen Mailbox-Anbieters eigentlich bekannt sein.

Auch nett ist der hier: Zu Europa sagt Trump übrigens nicht viel.
In meinen Augen jedenfalls ist das schon mehr, als wir bislang von Hillary Clinton gehört haben.

Gruß
Klaus


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RE: Trump

#2 von J_Holstermann , 28.04.2016 14:33

Nun, ich hoffe, dass ich mir mit dieser Aussage nicht die nächste Einreise in die USA erschwere ;-) :
Beim Namen Trump zusammen mit "der nächste US-Präsident" stellen sich bei mir die Nackenhaare auf. Durch und durch unberechenbar. Eine skurrile Erscheinung.
Und so scheint er sogar in Teilen von der eigenen Partei und den republikanischen Mitbewerbern gesehen zu werden. Aberwitzig, was da gerade im Vorkampf passiert, republikanische Mitbewerber verzichten auf Vorwahlen in einzelnen Bundesstaaten, der aussichtsreichste republikanische Kandidat Michael Bloomberg tritt erst gar nicht an und das alles mit der Begründung, die Kandidatur bzw. die US-Präsidentschaft Trumps verhindern zu wollen.

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RE: Trump

#3 von kjschroeder , 29.04.2016 14:22

Zitat
Nun, ich hoffe, dass ich mir mit dieser Aussage nicht die nächste Einreise in die USA erschwere ;-) :



Ach, machen Sie sich DARÜBER mal keine Gedanken: Wenn Madame mit ihrer Politik so weitermacht, werden WIR ALLE demnächst solche Erschwernisse haben.

Zitat
Durch und durch unberechenbar. Eine skurrile Erscheinung.



Ja. Natürlich. Selbstverständlich wird an diesem Horrorgemälde immer verzweifelter und intensiver gemalt, je erfolgreicher Trumps Kampagne ist.

Stellen Sie sich einfach vor, Paul Kirchhoff hätte seinerzeit außer seiner Bierdeckel-Steueridee auch noch
1. das Charisma eins Volkstribuns
2. viel Geld zur wirksamen Platzierung seiner Idee sowie
3. Ehrgeiz für die Kanzlerschaft über den CDU-Parteivorsitz
gehabt.

Merkel und ihr Anhang hätten auf so einen wie aus dem Nichts auftauchenden Konkurrenten reagiert, indem sie ihn als berechenbar und normal bezeichnet hätten? Glauben Sie das wirklich?

Trump gehört nicht dem Establishment an und trifft durch diesen Umstand haargenau die Stimmung unter den Wählern. So, wie AfD und Pegida hierzulande. Weswegen die sich gern zum Establishment dazugehörig fühlende Journaille hier und dort ihn auch so madig zeichnet - das ist doch nun nicht schwer zu verstehen, oder?

Gruß
Klaus


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RE: Trump - Nachtrag

#4 von kjschroeder , 29.04.2016 18:58

Es gibt allerdings noch einen Trost für Sie, der Ihnen hoffentlich das Wochenende ein wenig versüßt ;-)

Und das ist der Umstand, daß Trump mglw. die Bestimmungen über die Delegierten und das ganze Kleingedruckte in der Satzung der Partei nicht sonderlich ernst- oder wahrgenommen hat - im Gegensatz zu Ted Cruz. Jedenfalls scheint er beim Wahlkonvent nur eine einzige Chance zu haben, da mit jedem weiteren Wahlgang immer mehr Delegierte von Vorgaben befreit sind. Es ist offenbar NICHT so, daß der automatisch gewinnt, der die Vorwahlen gewinnt. Die Neue Zürcher Zeitung hat das mal verständlich erklärt, wie es abläuft. Und es kann eng werden für Trump.

Der Link: -> http://www.nzz.ch/international/amerika/...ersuch-ld.16877

Gruß
Klaus


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RE: Trump - Nachtrag

#5 von J_Holstermann , 30.04.2016 10:46

Zitat
Es ist offenbar NICHT so, daß der automatisch gewinnt, der die Vorwahlen gewinnt.



Das war mir schon bekannt. Sofern Trump nicht die absolute Mehrheit der Republikaner-Delegierten in den Vorwahlen erreicht, kann genau das eintreten, was in dem NZZ-Artikel beschrieben ist.
Und noch einen wichtigen Aspekt bei der Wahl des US-Präsidenten gibt es: Erreicht keiner der Kandidaten bei der eigentlichen Wahl zum Präsidenten die absolute Mehrheit an Wahlmännerstimmen, dann wählt das US-Repräsentantenhaus den neuen US-Präsidenten (in dem die Republikaner derzeit die absolute Mehrheit stellen)
Das war u.a. einer der Gründe für M. Bloomberg nicht als unabhängiger Kandidat zur US-Präsidentschaftswahl anzutreten.


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Trump - Last Man Standing

#6 von kjschroeder , 04.05.2016 19:21

Zitat
rn Trump nicht die absolute Mehrheit der Republikaner-Delegierten in den Vorwahlen erreicht, kann genau das eintreten, was in dem NZZ-Artikel beschrieben ist.



Die Frage wird sein, wie realistisch dieses Szenario noch ist, nachdem mit Ted Cruz der aussichtsreichste Konkurrent nach der Wahlschlappe in Indiana aus dem Rennen stieg und Stunden später auch John Kasich. Damit ist Trump der einzige Kandidat der Grand Old Party. 1048 Delegierte hat er jetzt, 1237 braucht er. (Und Hillary Clinton verlor erneut gegen Bernie Sanders.)

So, wie ich das sehe, wird Trump die Kandidatur niemand mehr nehmen können. Wer sollte es denn auf dem Parteikonvent sonst werden?

Bei den Republikanern hat damit die Anti-Establishment-Bewegung gesiegt. Eine solche Bewegung gibt es zwar auch bei den Demokraten (eben die Sanders-Anhänger), aber die scheinen sich dort nicht durchzusetzen. Ich denke, dieser Umstand kann noch ganz interessant werden, wenn das Kandidatenpaar Trump/Clinton heißen sollte, wofür im Moment alles spricht. Ein Umstand, der in beide Richtungen eine Rolle spielen kann.

Lustig finde ich das Presseecho in unseren Hillary-Fanzines - SPON zum Beispiel. Liest sich für mich wie letzte Beschwörungen aus dem Führerbunker. ;-)

Gruß
Klaus


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Clintons Image auf 25-Jahres-Tief

#7 von kjschroeder , 31.08.2016 19:56

Da gestern in einem anderen thread von der US-Wahl die Rede war, habe ich mich heute nochmal damit beschäftigt - und bin gleich fündig gworden mit einer schlechten Nachricht für alle US-Demokraten und deutschen (sich selbst "Qualitätspresse" nennenden) Hillary-Fanzines: Clintons Image ist laut Umfrage auf einem Allzeit-Tief angelangt.

Und das schreibt nicht irgendwer, sondern die ihr eigentlich wohlgesonnene Washington Post. Nämlich hier -> https://www.washingtonpost.com/news/the-...illary-clinton/

Mal sehen, wann es der deutschen Presse beliebt ihre Leser darüber zu informieren. Im Spiegel z.B. findet sich dazu bislang - nichts.

Das ist das, was ich immer sage: Demokratie hat einen Preis: Wachsamkeit. Das heißt: Politikern auf die Finger schauen. Und bei Hillary gibt es offenbar viel zu finden.

DIESE Wahl ist noch längst nicht gelaufen.

Gruß
Klaus


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