Sozusagen:"CO2-Tomaten

#1 von Hannelore Mohringer , 20.04.2016 16:29

Leipziger Volkszeitung, 8. April 2016

SACHSEN UND MITTELDEUTSCHLAND

Deutschlands größtes Gewächshaus lockt Kunden mit
Luther-Tomaten
300 mal 500 Meter: Riesige Anlage in Wittenberg soll noch einmal um Fläche von 56 Fußballfeldern wachsen

VON BERND LAHNE
WITTENBERG. Vor der Gewächshausan¬lage im Wittenberger Ortsteil Apollens¬dorf stehen die Menschen geduldig in der Schlange. Es ist früher Nachmittag und gerade öffnet die Werkverkaufsstelle an der Halle. „Die Tomatenernte hat hier begonnen, und weshalb soll man die Tomaten nicht vor Ort kaufen“, sagt Harald Großschulz, der aus dem nahen Reinsdorf mit dem Fahrrad nach Apol¬lensdorf gekommen ist, um ein paar der roten Früchte mit nach Hause zu nehmen. Genug davon sind jedenfalls da.

Denn in der neuen Saison wird in der riesigen Gewächshausanlage, die sich auf einer Fläche von 300 mal 500 Metern aus¬dehnt, im Ortsteü Apollensdorf mit einem Rekordergebnis gerechnet. „Zwölf Wochen haben die Früchte zum Reifen gebraucht. Erwartet wird ein Ertrag von knapp 6500 bis 7000 Tonnen“, berichtet Projektentwickler Helmut Rehhahn. Auf einer Fläche von 15 Hektar werden rund 600.000 Tomatenpflanzen gehegt und gepflegt. Sie stehen, überdacht von Spezialglas, mehr als vier Meter hoch, in lan-gen Reihen. Platz ist ausreichend vorhan¬den, ist die Anlage doch Deutschlands größtes geschlossenes Gewächshaus.

Hier ist alles beisammen.
Wärme, sauberes Kohlen¬dioxid
und die Lage zwischen großen Städten.

Helmut Rehhahn
Projektentwickler

Für die unter dem Label Wittenberg-Gemüse vermarkteten Produkte haben sich die Investoren den Namen Luther-Tomate schützen lassen. Rehhahn spricht von einem Alleinstellungsmerkmal; das Zeichen habe großen Wiedererkennungseffekt und werde die Nachfrage nach regionalen Produkten verstärken. Der gebürtige Wittenberger, Mitte der neunziger Jahre für die Sozialdemokra¬ten Sachsen-Anhalts Landwirtschaftsmi¬nister und seit dem Jahr 2004 Geschäfts¬führer und alleiniger Gesellschafter der Beratungsfirma UBMG mbH Magdeburg, hat drei niederländische Investoren für das Projekt begeistern können.

Pieter van Gog, Marion Leenders van Gog und Wichard Schrieks verfügen über langjährige Erfahrungen im Gewächs¬hausanbau in ihrem Heimatland und suchten bereits seit geraumer Zeit Mög¬lichkeiten, um in Deutschland zu produ¬zieren. „Hier ist alles beisammen. Wärme,
sauberes Kohlendioxid, eine riesige freie Fläche und die Lage zwischen mehreren großen Städten“, lobt Rehhahn den 2013 eröffneten Standort nahe dem Ammo¬niak-Werk Piesteritz.

Mittlerweile sind kritische Stimmen aus dem Umfeld verstummt. Bewertun¬gen durch Kunden und Fachleute klingen gut, den Tomaten aus Apollensdorf wird ein guter Geschmack bescheinigt. „Zu den Erfolgsrezepten zählt, sie reif zu ern¬ten und möglichst nicht sehr weit zu transportieren“, erzählt Betriebsleiter Hans Koopmans. „Die Produktion kommt ohne Pflanzenschutzmittel aus. Für die Bestäubung sorgen unsere Hummeln“, ergänzt Carolin Stempel, zuständig für das Qualitätsmanagement.

Das Unternehmen setzt nach den Wor¬ten von Verkaufschef Kevin van IJperen vor allem auf Regionalität. Viele Handels-Ketten in Mitteldeutschland haben die Tomaten bereits gelistet. Geliefert wird nicht nur nach Sachsen-Anhalt, sondern auch nach Leipzig und Dresden - dazu auch nach Thüringen, Brandenburg und Bayern.
In unmittelbarer Nachbarschaft der gegenwärtigen Tomaten-Gewächshäuser durchbricht Baulärm die Stille. Die Anla¬ge soll erweitert werden. Für eine Fläche groß wie 56 Fußballfelder haben Bagger begonnen, das Erdreich zu ebnen. Auch etliche Bäume müssen den landwirt¬schaftlichen Neubauten weichen. „Der Stadtrat hat grünes Licht für das Projekt gegeben, das auch eine entsprechende Wiederaufforstung beinhaltet“, berichtet Wittenbergs Rathaussprecherin Karina Austermann.

Zu den Erfolgsrezepten zählt,
die Tomaten möglichst nicht sehr weit
zu transportieren.

Hans Koopmans
Betriebsleiter

Lange war um den Bebauungsplan für die Erweiterung gestritten worden. Schließlich stimmte der Ortschaftsrat Apollensdorf zu - und der Stadtrat in Wit¬tenberg folgte mit seinem Votum. Die Ausgaben für das gesamte Projekt, mit insgesamt 40 Hektar unter Glas, ein¬schließlich eines weiteren Logistikgebäu¬des, hegen bei 40 Millionen Euro. Die Kosten je Hektar Gewächshausfläche werden sich mit der Erweiterung deutlich verringern, da die Infrastruktur wie Wär¬me und Kohlendioxid-Versorgung bereits für die Neubauten ausgelegt sind. „Ange¬baut werden möglicherweise Luther-Pap¬rika und Luther-Gurken. Wir orientieren uns am Markt und entscheiden, womit sich ein Markteintritt ergeben soll“, betont Rebhahn.

Geplant sind drei Bauabschnitte, sodass wahrscheinlich im Jahr 2020 die Baumaßnahmen abgeschlossen sind. Die Erweiterung wird nicht nur die Produkt¬palette vergrößern, sondern auch ganz¬jährige Arbeitsplätze schaffen. Wenn alles fertig ist, werden 400 Mitarbeiter an dem Standort tätig sein, so Prokurist van IJperen.

Man beachte:
In diesem Gewächshaus wird zur Verbesserung des Pflanzenwachstums Kohlendioxid zugeführt (eine jahrzehntealte Technik!)

Aber:
In der freien Natur ist dieses Gas wenn es zusätzlich in die Atmosphäre gelangt, ein „Schadgas“. Keiner der öffentlichkeitswirksam agierenden „Klimaexperten“ gibt zu, dass mehr Kohlendioxid zu besserem Pflanzenwachstum weltweit (nicht nur in Gewächshäusern!) und dadurch zur besseren Ernährung der Menschheit beiträgt!

„Rechtfertigungs“-Versuch:
Man könnte erklären, dass in diesem Gewächshaus eine Möglichkeit gefunden wurde, das „Schadgas“ Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre zu entfernen und damit die Luft zu „säubern“…
– D. U.
Dr. rer. oec., Ing. Dietmar Ufer
Grünewaldstr. 1
04103 Leipzig
E-Mail: Ufer-L@t-online.de

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RE: Sozusagen:"CO2-Tomaten

#2 von J_Holstermann , 21.04.2016 07:51

Zitat
Aber:
In der freien Natur ist dieses Gas wenn es zusätzlich in die Atmosphäre gelangt, ein „Schadgas“. Keiner der öffentlichkeitswirksam agierenden „Klimaexperten“ gibt zu, dass mehr Kohlendioxid zu besserem Pflanzenwachstum weltweit (nicht nur in Gewächshäusern!) und dadurch zur besseren Ernährung der Menschheit beiträgt!



http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur...n-a-694592.html


Interessant wäre zu erfahren, welche Temperaturdifferenzen in einem Gewächshaus mit zusätzlich zugefügten CO2 im Vergleich zu einem Gewächshaus mit normaler Luft bei ansonsten gleichen Bedingungen entstehen.
Ich habe keine Ahnung, ob es so einen Versuchsaufbau schon gab (man nehme 3 Gewächshäuser mit CO2-Konzentration von 300ppm, 400ppm und 500ppm und vergleicht die Temperaturen in ihnen bei gleichen sonstigen Rahmenbedingungen).
Das würde dann erklären, ob das Mehr an CO2 für die Klimaerwärmung verantwortlich ist oder eben nicht. Und zu klären wäre, ob der evtl. positive Aspekt der besseren Ernährung der Menschheit – sofern er überhaupt vorhanden ist, denn Pflanzen benötigen nicht nur CO2, sie brauchen auch Wasser und andere Nährstoffe – höher zu bewerten ist, als die negativen Auswirkungen des Klimawandels.

Zitat
„Rechtfertigungs“-Versuch:
Man könnte erklären, dass in diesem Gewächshaus eine Möglichkeit gefunden wurde, das „Schadgas“ Kohlendioxid wieder aus der Atmosphäre zu entfernen und damit die Luft zu „säubern“…



Man könnte immerhin erklären, dass das CO2, das zusätzlich für das Heizen des Gewächshauses anfällt, für die CO2-Düngung der Pflanzen verwendet wird und so diese Pflanzen für die Außenluft "CO2-neutral" wachsen.


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RE: Sozusagen:"CO2-Tomaten

#3 von Hannelore Mohringer , 22.04.2016 09:50

Man könnte immerhin erklären, dass das CO2, das zusätzlich für das Heizen des Gewächshauses anfällt, für die CO2-Düngung der Pflanzen verwendet wird und so diese Pflanzen für die Außenluft "CO2-neutral" wachsen.

J_Holstermann

Zunächst, Herr Holstermann, geht es darum, festzustellen, daß CO2 gut für die Luft ist, weil gut für die Pflanzen, die Sauerstoff produzieren, das wir zum Atmen brauchen; daß CO2 auch gut für die Pflanzen ist, die wir und die Tiere zum Essen brauchen, die beide Grundlage unserer Nahrung sind; daß CO2 also nicht nur gut für uns Menschen ist, sondern Voraussetzung für unser Dasein.

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RE: Sozusagen:"CO2-Tomaten

#4 von J_Holstermann , 22.04.2016 16:01

Zitat
Zunächst, ..., geht es darum, festzustellen, daß CO2 gut für die Luft ist, weil gut für die Pflanzen, die Sauerstoff produzieren, das wir zum Atmen brauchen; daß CO2 auch gut für die Pflanzen ist, die wir und die Tiere zum Essen brauchen, die beide Grundlage unserer Nahrung sind; daß CO2 also nicht nur gut für uns Menschen ist, sondern Voraussetzung für unser Dasein.



Das ist trivial und wird der Komplexität des Themas Klimawandel nicht gerecht. Was wollen Sie damit eigentlich ausdrücken – dass jeglicher höherer CO2-Anteil in der Luft nur förderlich für uns Menschen sein kann und wir das in fossilen Brenn- und Baustoffen gespeicherte CO2 kontinuierlich in die Luft blasen sollen und damit die Ernährungsprobleme der Menschheit lösen?

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RE: Sozusagen:"CO2-Tomaten

#5 von kjschroeder , 22.04.2016 16:11

Zitat
Das ist trivial und wird der Komplexität des Themas Klimawandel nicht gerecht.



Das mag sein. Letzlich allerdings ist die Behauptung, eine SENKUNG von CO2 würde alle Probleme lösen, genauso trvial und wird der Komplexität genausowenig gerecht.

Klimawandel hat's immer gegeben, das ist nichts Neues.

Dieser CO2-Hype hingegen hat was ganz anderes zur Folge: die langsame Umgestaltung zur Planwirtschaft, die immer größere Kontrolle der Politik in immer weitere Lebensbereiche, in denen sie in einer Demokratie im Normalfall nichts zu suchen hat. Und - natürlich - Umverteilung.

Es hatte schon seinen Grund, daß genau diese Frage (CO2) irgendwann in den 60ern oder Anfang der 70er Thema auf einem KPDSU-Parteitag war - der Ihnen vermutlich bekannte Wissenschaftler Sacharow wurde damit in Verbindung gebracht. Jedenfalls war schon damals eine Intention damit verbunden, nämlich, die Überlegenheit der sowjetischen Planwirtschaft zu beweisen.

Was die Ernährungsprobleme angeht:

Da die Bodenfläche des Planeten Erde begrenzt ist, steht bei Bevölkerungswachstum pro Mensch immer weniger Bodenfläche für den Ackerbau und die Landwirtschaft zur Verfügung. Will man Menschen nicht in Hochhäuser sperren - mit all den sattsam bekannten sozialen Problemen - dann muß man zusehen, auf immer weniger Landfläche immer mehr zu produzieren, damit Alle satt werden.

Das wird nur mit Technik funktionieren, mit Gen-Technik zum Beispiel. Oder mit der Art Tomatenanbau, wie ihn die Holländer praktizieren. Und auch mit Wüstenbewässerung und -Urbarmachung, was die Chinesen hinkriegen, die Afrikaner komischerweise nicht bzw. erst jetzt in zarten Andeutungen.

Die extensive Landwirtschaft, wie sie die Grünen mit ihrem BIO-Zeugs propagieren, halte ich vor diesem Hintergrund jedenfalls für unverantwortlich.

Gruß
Klaus


Aus gegebenem Anlaß:

Politik verdirbt nicht den Charakter - Politik testet ihn.

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RE: Sozusagen:"CO2-Tomaten

#6 von J_Holstermann , 22.04.2016 17:49

Zitat
Das mag sein. Letzlich allerdings ist die Behauptung, eine SENKUNG von CO2 würde alle Probleme lösen, genauso trvial und wird der Komplexität genausowenig gerecht.



Von Senkung des CO2-Anteils in der Luft kann ja wohl kaum die Rede sein. Die Senkung bezieht sich wohl eher auf die weiterhin fleißig betriebene CO2-Emission aus fossilen Brennstoffen/-baustoffen. Ziel ist es m.W., den CO2-Anteil auf max. 560ppm zu begrenzen – das Doppelte des vorindustriellen Zeitalters – bei maximal globaler Erwärmung um durchschnittlich 2,0-2,5°C. Natürlich kann uns die Natur/unsere Erde bei diesem Ziel noch kräftig in die Suppe spucken, durch Vulkanausbrüche oder natürliche Methanquellen, die massenhaft im Permafrost oder an Kontinentalschelfs liegen. Oder die Sonne überlegt sich spontan, uns mit mehr Energie zu versorgen.
Das ändert aber nichts daran, dass die Menschen versuchen sollten, den eigenverursachten Anteil an dem Klimawandel zu minimieren, solange die globale Temperatur steigt. Zumindest ist das meine Meinung solange, bis Wissenschaftler (und ich meine nicht jene, die von BP, Exxon, den Koch-Brüdern o.a. gesponsert werden, Lobbyismus zu betreiben), mich davon überzeugen, dass CO2 kein Treibhausgas ist, keinen oder keinen nennenswerten Effekt auf die globale Temperatur hat.

Zitat
Was die Ernährungsprobleme angeht:

Da die Bodenfläche des Planeten Erde begrenzt ist, steht bei Bevölkerungswachstum pro Mensch immer weniger Bodenfläche für den Ackerbau und die Landwirtschaft zur Verfügung. Will man Menschen nicht in Hochhäuser sperren - mit all den sattsam bekannten sozialen Problemen - dann muß man zusehen, auf immer weniger Landfläche immer mehr zu produzieren, damit Alle satt werden.
Das wird nur mit Technik funktionieren, mit Gen-Technik zum Beispiel.



Es gibt genügend schnell wachsendes "tierisches Protein" als Nahrungsmittel. Nur haben wir uns mit dem Gedanken, z.B. Mehlwürmer oder andere Insekten zu essen, die sich von dem Abfall ernähren, den wir zuvor produzierten, noch nicht wirklich angefreundet.
Dabei sollen die Viecher sogar ganz gut schmecken ("nussig"), aber ich konnte mich auch noch nicht überwinden ;-)

Zitat
Oder mit der Art Tomatenanbau, wie ihn die Holländer praktizieren.


Tja, dann müssen die Holländer nur noch das Geschmacks-Gen in den Tomaten finden, denn diese Tomaten schmecken nach gar nichts.


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