UNGARN: Gedenktag für vertriebene Deutsche

#1 von weihrauch , 19.01.2013 04:11

Heute, am 19.Januar ist es das erste Mal, daß den vertriebenen Ungarndeutschen gedacht wird. Künftig wird dies jedes Jahr am 19.Januar sein.
Das war ein EINSTIMMIGER BESCHLUß des ungarischen Parlaments.

Der Wortlaut des Beschlusses:
"1. Das Ungarische Parlament erklärt den 19. Januar, den Jahrestag des Beginns der Vertreibung im Jahr 1946, zum Gedenktag der Verschleppung der Ungarndeutschen.

2. Das Ungarische Parlament
hält für erforderlich, dass der die Menschenrechte schwer verletzenden und unrechtmäßigten Verschleppung der Gemeinschaft der Deutschen in Ungarn, die - durch die Umsetzung des Beschlusses des Alliierten Kontrollrates vom 20. November 1945 - aufgrund des falschen Vorwurfs und des Grundsatzes der Kollektivschuld am Ende des 2. Weltkrieges und in der Zeit danach Verfolgung und Beraubung ihrer Güter erleiden musste, würdig gedacht wird,
zollt allen Respekt, die Opfer der Demütigungen, Verschleppungen waren, insbesondere den kirchlichen bzw. weltlichen Personen, die die Verfolgung und sogar den Tod wegen ihres Verantwortungsbewusstseins und ihrer Solidarität für die ihnen anvertrauten Gemeinschaften häufig freiwillig akzeptiert haben,
unterstützt und betreibt die Organisation von Gedenkveranstaltungen, die von Unterrichtsmaterialien bezüglich der Verfolgung, Verschleppung und Vertreibung der Ungarndeutschen.

3. Dieser Beschluss tritt am Tag nach der Veröffentlichung in Kraft.“

Man sollte Ungarn für diesen Schritt dankbar sein und hoffen, daß auch Bundesregierung und Opposition diesen Beschluss würdigen.

http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/1982403/

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RE: UNGARN: Gedenktag für vertriebene Deutsche

#2 von kjschroeder , 19.01.2013 11:57

Das ist in der Tat interessant.

Ich bin Ihrem Link auf das Interview im Deutschland-Radio gefolgt und habe es mit großem Amüsement gelesen - insbesondere den Passus, wo Frau Führer vom Deutschlandradio fragt:

Führer: Ich habe so überlegt: Vielleicht liegt das ja auch daran, dass Ungarn, ganz anders als Polen oder die Tschechoslowakei, im Zweiten Weltkrieg ja zunächst an der Seite Deutschlands gegen die Sowjetunion gekämpft hat, sodass vielleicht auch dieser Gedenktag für die vertriebenen Deutschen auch eine Gelegenheit ist, an die eigene nazifreundliche Politik zu erinnern?

Ungváry: Nein, das denke ich eigentlich nicht, dass das damit in einem kausalen Zusammenhang steht. Was viel wichtiger ist: Ungarn sind ja auch von Vertreibungen betroffen gewesen, sie sind also sowohl Opfer als auch Täter der Vertreibungen gewesen. Diese Frage ist auch heute politisch absolut aktuell, weil ja die ungarischen Vertriebenen weder von Tschechien noch von der Slowakei oder von Rumänien entschädigt worden sind.

Führer: Entschuldigen Sie, Herr Ungváry, Sie sagen, Ungarn sind auch Opfer von Vertreibung geworden. In welchen Ländern?


Das kommt heraus, wenn man sich immer nur im eigenen Saft herumdreht: eine völlige Ignoranz dessen, was sich um einen herum abgespielt hat und abspielt. ;-)

Zitat
und hoffen, daß auch Bundesregierung und Opposition diesen Beschluss würdigen.


Die Reaktion Berlins deutet auf was ganz anderes hin: Das ist denen peinlich. Googeln Sie mal. Sie werden präzise eine Person finden, die das kommentiert. Nämlich ihn: der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Parlamentarischer Staatssekretär Dr. Christoph Bergner.

Das ist diplomatisch gesehen so niedrig wie möglich aufgehängt. Von "würdigen" kann da keine Rede sein; das ist einfach Pflichtprogramm. Und das wiederum hat m.E. mit der - wie üblich von der hiesigen linken - angeführten Diskussion um den hiesigen Gedenktag für Vertriebene zu tun: mit der alten Masche, durch Gedenken an alle Vertriebenen die deutschen möglichst auszublenden. Wie hier.

Ich schätze, in 20-30 Jahren wird man diese Art der Diskussion hoffentlich als das ansehen, was sie in meinen Augen ist: neurotisch.

Gruß
Klaus

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RE: UNGARN: Gedenktag für vertriebene Deutsche

#3 von weihrauch , 19.01.2013 14:52

In der Tat habe ich extra diesen Link verwendet - verbunden mit der Hoffnung, daß aufmerksame Reaktionen wie von Ihnen kommen.
Ich selber weiß nicht, ob ich wütend oder amüsiert sein soll.
Leider muß ich immer wieder daran denken, daß solche Personen wie Führer zu den bestbezahlten Angestellten der ÖR Sender sind.
Diese Frau hat keine klare Denkweise mehr. Die Hauptsache ist aber, daß dies auch viele andere so sehen.

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RE: UNGARN: Gedenktag für vertriebene Deutsche

#4 von kjschroeder , 19.01.2013 18:10

Zitat
In der Tat habe ich extra diesen Link verwendet - verbunden mit der Hoffnung, daß aufmerksame Reaktionen wie von Ihnen kommen.


Ich vermute, daß Sie zu diesem Thema nicht viel zu lesen kriegen werden. Nicht nur hier, sondern generell. Feinheiten wie "deutsche Minderheit in Ungarn" werden im Geschichtsbewußtsein von "Auschwitz" schlicht überrollt. Dann ist die ganze Geschichte (Vertriebene!) auch noch heikel, womit wir beim Thema Political Correctness wären und beim Nachbarthread voin huhngesicht.

Zitat
Ich selber weiß nicht, ob ich wütend oder amüsiert sein soll. Leider muß ich immer wieder daran denken, daß solche Personen wie Führer zu den bestbezahlten Angestellten der ÖR Sender sind.


Ich weiß auch nicht, wieso mir folgende tiefsinnige Betrachtung einfällt, aber sei's drum (wahrscheinlich wegen eigener Erfahrung): Wenn ich einen Tipp geben darf: Nutzen Sie Wut nur als Ventil. Dauerwut führt zu nichts. Höchstens zu Haß, und dann macht das Leben auch keinen Spaß mehr. ;-) Nein, solche Leute muß man aus dem Saal lachen. Mit Ironie, Witz und Humor - Broder z.B. ist ein Meister darin. Weswegen er ja auch immer wieder angegriffen wird. Weil es nämlich meist "sitzt", was er schreibt. Ein anderes Beispiel wäre Tucholsky. Noch ein anderes Beispiel wäre Heine. Kennen Sie seine "Harzreise"? Sehr süffisant geschrieben. ;-)

Ein solcher Umgang mit solchen Leuten ist nicht nur zielorientierter - man bewahrt sich auch die gute Laune. ;-)

Zitat
Diese Frau hat keine klare Denkweise mehr.


Es ist eine von freiwilligen Tabus, Auslassungen und Motiv-Verdächtigungen geprägte Denke. Die ist schon logisch - in sich. Bis zu einem gewissen Grad jedenfalls. Prpblematisch für solche Menschen wird es immer, wenn sie mit Realitäten konfrontiert werden, die gegen ihre Erwartung sich dann doch als Fakten und nicht als Verschwörung oder Agitation entpuppen (oder umgekehrt). Das Klimagedöns ist ein aktuelles Beispiel dafür. Der nächste Versuch wird der Fleischgenuß sein - einen "Fleischatlas" gibt es ja bereits, und mit entsprechendem Unterton wird auch schon fleißig im TV berichtet (auf rtl habe ich da kopfschüttelnd gestern was verfolgt; die hatten das in ihren "Nachrichten").

Zitat
Die Hauptsache ist aber, daß dies auch viele andere so sehen.


Es werden mehr, die auf diesen ganzen dogmatischen Heckmeck nicht mehr reinfallen. Und daraus beziehe ich meinen politischen Optimismus zumindest teilweise. Ob's zahlenmäßig für eine andere Politik reicht, steht auf einem anderen Blatt, und dann muß ja auch eine parteipolitische Alternative her.

Aber das führt jetzt weit vom Thema weg. ;-)

Gruß
Klaus


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zuletzt bearbeitet 19.01.2013 | Top

UNGARN: 10 Jahre deutschsprachige Universität

#5 von weihrauch , 19.01.2013 18:55

Noch ein Aspekt, der keine Beachtung fand:
Die deutschsprachige Universität in Budapest - ein paar winzige Lichtblicke in Bezug auf dieser armseligen Republik.
Die Gründungsväter der 2002 gegründeten Universität: Ministerpräsident Viktor Orban, Wolfgang Schüssel und Stoiber und Erwin Teufel, einer der beiden letzten deutschen Regierungschefs.
"Auf Traditionen aufgebaut, so der Rektor der Universität, Andras Masat, bildet sie eine einmalige Symbiose von deutscher Sprache, internationalen Milieu und europäischen Aspekt."
Der Namensvetter: Graf Gyula Andrassy, war von 1871 bis 1879 Außenminister der Doppelmonarchie und setzte sich stets für gute Beziehungen zum Deutschen Reich ein.
Es gibt ca. 200 Studenten aus 25 Ländern, Schwerpunkt: Deutschland, Österreich, Schweiz, Rumänien, Slowakei und Polen - ausgebildet für künftige Führungsaufgaben - Schwerpunkt: Diplomatischer Dienst.
Auch die Schweiz und Trentino-Südtirol beteiligen sich mittlerweilen am Projekt.
Eine deutschsprachige Elite-Universität, wie sie in Deutschland kaum noch zu finden ist.

http://de.wikipedia.org/wiki/Andr%C3%A1ssy_Universit%C3%A4t

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RE: UNGARN: 10 Jahre deutschsprachige Universität

#6 von kjschroeder , 19.01.2013 19:18

Ah, das wußte ich nicht - wieder was gelernt. ;-) Danke für den Tipp. Sie scheinen sich da ja gut auszukennen. Das einzig deutschsprachige, was ich aus der Ecke kenne, ist zum einen ein ehemaliger Arbeitskollege, den Pester Lloyd sowie diese blonde, dort wohl sehr populäre Popsängerin Kati Wolf (für meine Begriffe beim Eurovision Contest hoffnungslos unterbewertet). Und ich war einmal am Plattensee. ;-) Ach ja: Die Sprache klingt sehr schön.

Und das war's mit meinen Kenntnissen. ;-)

Gruß
Klaus

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