Zeitung richtig lesen

#1 von Hannelore Mohringer , 17.12.2015 08:58

Zeitung richtig lesen

In diesen Tagen vor Weihnachten, in denen das Heer der Berufstätigen Familienväter und –mütter neben Berufsarbeit und Weihnachtsfestvorbereitung kaum Zeit für einen flüchtigen Blick in die Zeitung hat, ist es doppelt notwendig, die Zeitung richtig zu lesen. Das heißt, den Sinn hinter den Nachrichten zu erkennen. Beispiel von heute:

1. „Flüchtlinge sollen ab Januar einziehen …… Die Container befinden sich direkt neben der Flüchtlingsunterkunft, die erst vor einem Jahr neu gebaut wurde.“ (SÜDKURIER von heute, Seite 1) Vor einem Jahr? Da wußten wir doch noch gar nicht, welche Sturzflut von Flüchtlingen uns heimsuchen würde. Wieso wurden faktisch schon vor zwei Jahren Flüchtlingsunterkünfte gebaut – denn die brauchen schließlich auch Zeit zum Planen und Bauen? Es wird Zeit, nicht länger zu glauben, daß die Völkerwanderung überraschend über uns kam und einmal darüber nachzudenken, welchem geopolitischen Plan im allgemeinen und welchem nationalen im besonderen die Flüchtlinge nützen.
2. „Es geht darum, den Krieg zu beenden und zwar ohne Assad, sagte Merkel…“, sagte Merkel. Wieso ohne Assad? Was hat uns Assad getan? Im Gegenteil! Unter Assad lebten alle, die heute nach Deutschland strömen, zufrieden und glücklich in einer multireligiösen Gesellschaft dort. Es waren Sunniten, denen das nicht gefiel, weil sie den ganzen vorderasiatischen Raum als Gottesstaat beherrschen wollen. Und Millionen von Sunniten leben in Deutschland und sind mittlerweile Teil der politischen Herrschaftsklasse. Haben Sie einen Doppelpaß, Herr Özdemir? Der Doppelpaß galt einmal als Übeldoktrin in Deutschland und ist in den USA immer noch eine solche, wenn ich unseren stolzen Neu-Amerikaner in dieser E-Mail-Runde richtig verstanden habe, daß er seinen deutschen Paß in den USA abgeben mußte, als er US-Bürger werden wollte. Aber Frau Merkel will Assad bekämpfen, wie Obama auch Assad bekämpfen will. Genau so! Und sie will noch mehr mit ihm und seinem Land gemein haben: TTIP zum Beispiel und so weiter und so fort…(auch Seite 1 „Bundeswehr greift in Luftkrieg ein“ (( Wofür sind eigentlich die 50 Deutschen in Afghanistan gefallen – ich muß aufhören: Die Weihnachtsvorbereitungen, verstehen Sie?)) Nur noch schnell:
3. „Die neuen Datenschutzregeln, die wohl ab 2018 gelten sollen, sind endlich auf der Höhe der Zeit“. 2018, Susanne Ebner, die Sie das geschrieben haben (auch auf Seite 1) ist aller Lebenserfahrung mit dem Internet und der Politik ganz ‚was anderes auf der Höhe der Zeit, von der wir heute überhaupt keine Ahnung haben.
Ich muß aufhören – Weihnachtsbesorgungen machen.

Hannelore Mohringer

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RE: Zeitung richtig lesen

#2 von kjschroeder , 17.12.2015 12:56

Zitat
Vor einem Jahr? Da wußten wir doch noch gar nicht, welche Sturzflut von Flüchtlingen uns heimsuchen würde.



Sie vergessen, daß es lange vor dem 5. September (Wegfall Paßflicht) Migrantenströme gab. Genauer: seit 2010/2011. Deswegen wurde da was gebaut.

Zitat
Es wird Zeit, nicht länger zu glauben, daß die Völkerwanderung überraschend über uns kam und einmal darüber nachzudenken,



Wer glaubt das denn Ihrer Meinung nach? Ich kenne niemanden. Allen, die ich kenne, war klar, daß Merkel mit ihrer Entscheidung die ungarischen Flüchtlinge aufzunehmen, die Hütte fluten würde.

Zitat
Im Gegenteil! Unter Assad lebten alle, die heute nach Deutschland strömen, zufrieden und glücklich in einer multireligiösen Gesellschaft dort.



Das ist nun schon Realitätsverweigerung in meinen Augen, sorry. Hier mal ein paar Bilder von Demos.

Zitat
Es waren Sunniten, denen das nicht gefiel,



Es gefiel auch anderen nicht; das Problem ist schon etwas komplexer, und Sie vergröbern bis zur Unkenntlichkeit.

Zitat
Der Doppelpaß galt einmal als Übeldoktrin in Deutschland und ist in den USA immer noch eine solche, wenn ich unseren stolzen Neu-Amerikaner in dieser E-Mail-Runde richtig verstanden habe, daß er seinen deutschen Paß in den USA abgeben mußte, als er US-Bürger werden wollte.



Falsch. Die USA haben noch nie ein Problem mit doppelter Staatsbürgerschaft gehabt. Abgeben muss(te) man den deutschen Pass an einen DEUTSCHEN Beamten eines DEUTSCHEN Konsulats oder der Botschaft in den USA.

Zitat
Aber Frau Merkel will Assad bekämpfen, wie Obama auch Assad bekämpfen will. Genau so!



Und?

Zitat
ich muß aufhören: Die Weihnachtsvorbereitungen, verstehen Sie?)) Nur noch schnell:



Was? Zeitung richtig lesen? ;-)

Gruß
Klaus


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Die richtigen Zeitungen lesen

#3 von kjschroeder , 17.12.2015 16:45

Zitat
Vor einem Jahr? Da wußten wir doch noch gar nicht, welche Sturzflut von Flüchtlingen uns heimsuchen würde.



Ich habe mich nochmal ein wenig kundig gemacht in dieser Frage. Hier die Zahlen der Asylbewerber:

2007: 19.164
2009: 27.649
2010: 41.332
2011: 45.741
2012: 64.539
2013: 127.023
2014: 202.834
2015 (bis Nov.): 425.035
(Die Zahlen sind zur jeweiligen Quelle verlinkt. Quellen sind entweder BMI oder Buindesamt für Migration)

Daraus geht hervor, daß der große Anstieg in 2013/2014 begann (und meine im Beitrag obendrüber genannte Jahresangabe 2010/2011 entsprechend zu korrigieren ist). Vorher war die Zahl signifikant geringer. Es lohnt sich also, einmal nachzuschauen, was sich in 2013/14 geändert hatte.

Ein Blick in die betreffenden Problemregionen ergibt: eigentlich nichts. Krieg, Chaos, Unruhen. So, wie vorher auch. Auf dem Balkan hatte sich die Situation sogar leicht verbessert. Was bedeutet, daß nicht Gründe, die Menschen zum Weggehen veranlassen - die so genannten Push-Faktoren - dafür verantwortlich sein können. Auch die Menschen selbst werden sich wohl kaum verändert haben und plötzlich Fernweh entdeckt haben.

Was bleibt, sind Pull-Faktoren. Denn tatsächlich hat sich in dieser Zeit die Politik von EU-Staaten verändert. Man nehme Ungarn als Beispiel, wo bis 2013 Flüchtlinge sich nicht komplett frei bewegen durften und konnten. Dies wurde auf Druck der EU geändert, weil es nicht EU-Recht entsprach.

Und damit nahm die Balkan-Route überhaupt erst richtig Fahrt auf.

Dann gab es auch in Deutschland mehr oder weniger diskret Änderungen: Offiziell hätten Asylbewerber bis März 2015 nur Sachleistungen kriegen sollen. Aber das war schon längst nicht mehr politisch gewollt. Und so hatten vorher mehr und mehr Bundesländer von Sach- auf Geldleistung umgestellt. Das war in 2012/2013. Die Folge war, daß seit 2013 das Sachleistungsprinzip von der Regel längst zur Ausnahme geworden war.

Wodurch Deutschland richtig attraktiv wurde. Diese Attraktivität wurde noch dadurch gesteigert, daß die Leistungen aufgestockt wurden.

Es soll ja Leute geben, die immer noch glauben, von Deutschland gehe keine Magnetwirkung aus. Ihnen sei gesagt: Die Push-Faktoren erklären zwar recht gut, warum Menschen ein Land verlassen. Aber nur die Pull-Faktoren liefern eine Erklärung, warum Menschen auf ihrer Flucht sich durch 5, 10 oder 20 - häufig nicht gerade arme und auch friedliche - Länder durchschlagen, um in ein ganz bestimmtes Land zu kommen. Und ich bin neugierig, wann es in Berlin auch der letzte begreift.

Nimmt man die Geldpolitik der Bundesregierung in der Eurokrise zum Maßstab, werden sie es in Berlin wohl auch in 5-10 Jahren noch nicht verstanden haben. Vielleicht nie.

So berechtigt Ihre Schelte, Frau Mohringer, hinsichtlich des Südkurier auch sein mag: Er ist noch nicht mal das Problem mit seiner regionalen Begrenzung. Er reit sich nur ein in eine Front, die andere definieren und aufbauen. Das Problem sind die Lückenmedien, offiziell Leitmedien genannt, die weglassen, was ihnen nicht in den ideologischen Kram paßt. Tatsächlich sind in Bezug auf die selbst herbeigeführte Staatskrise Regionalmedien oftmals lesenswerter. Denn nicht jede regional Tageszeitung macht beim Merkeln mit.

Apropos Merkel und der CDU-Parteitag: Hier gibt es ein schönes Interview mit einem richtigen englischen Lord, nämlich Lord Weidenfeld. Auszug aus dem Interview mit der "Welt":

Welt am Sonntag: Darum also herrscht gerade in Deutschland so eine moralische Euphorie gegenüber einer massenhaften Zuwanderung, die ja nach EU-Recht illegal war und ist?

Lord Weidenfeld: Und die nicht kontrolliert wird. Die Behörden schaffen es ja nicht einmal, die Identität und den Aufenthaltsort der Flüchtlinge aus Nahost festzustellen. Dafür freut sich dann die deutsche Öffentlichkeit, als könnte man damit die Schuld der Großeltern wieder tilgen. Hitler ausmerzen, indem die Deutschen endlich die Guten sind. Das ist Ignoranz. So nimmt man die Verbrechen von morgen hin, um die Verbrechen von gestern wiedergutzumachen.
....
Welt am Sonntag: Und wer nimmt nun diese christlichen Flüchtlinge aus Syrien auf?

Lord Weidenfeld: Ich bekomme mehr Resonanz aus Brasilien, Australien oder Kanada als aus Europa. Da funktionieren eigentlich nur unsere Kontakte nach Polen und Tschechien vorbildlich. In Deutschland finden sich kaum Kirchengemeinden, die unser Konzept gutheißen, und die Politik schon gar nicht. Wofür hat denn die CDU das große C im Namen? Warum hilft niemand den Christen aus Syrien? Mich macht diese Situation ganz wild.


So viel zum Thema CDU, Kirchen & christlich.

Gruß
Klaus


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RE: Die richtigen Zeitungen lesen

#4 von kjschroeder , 17.12.2015 19:47

Hier gibt es z.B. eine Zeitung, in der eine doch eigentlich sehr naheliegende Frage gestellt wird: -> http://www.welt.de/debatte/kommentare/ar...ahen-Osten.html

Und in diesem Weblog-Interview glaubt eine polnische Aktivistin die Antwort darauf zu kennen.

Gruß
Klaus


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Kölner "Express": War der Reker-Attentäter ein V-Mann ?

#5 von kjschroeder , 17.12.2015 20:21

Und hier gibt es eine Zeitung, die eine ganz andere Frage stellt. Die ist allerdings so heiß, daß ich mir jeden Kommentar verkneife -> http://www.express.de/news/politik-und-w...hrung--23234180

Gruß
Klaus


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RE: Kölner "Express": War der Reker-Attentäter ein V-Mann ?

#6 von Hannelore Mohringer , 17.12.2015 22:02

Zu #3

Zitat von kjschroeder im Beitrag #3
So berechtigt Ihre Schelte, Frau Mohringer, hinsichtlich des Südkurier auch sein mag: Er ist noch nicht mal das Problem mit seiner regionalen Begrenzung. Er reit sich nur ein in eine Front, die andere definieren und aufbauen. Das Problem sind die Lückenmedien, offiziell Leitmedien genannt, die weglassen, was ihnen nicht in den ideologischen Kram paßt. Tatsächlich sind in Bezug auf die selbst herbeigeführte Staatskrise Regionalmedien oftmals lesenswerter. Denn nicht jede regional Tageszeitung macht beim Merkeln mit.



Lieber Klaus,
betrachten Sie meine Beiträge einfach als Brocken, die ich serviere, damit Sie dieselben sezieren und ergänzen. Ich vertraue Ihrem Detailwissen und Ihren technischen Fähigkeiten im Umgang mit diesem Teufelsapparat, der Computer (Rechner) genannt wird und trotzdem mehr kann als Rechnen, nämlich mit Zahlen, ich glaube mit 1 und 0, alles aus einem imaginären Archiv des Wissens überhaupt das jeweils Richtige herausholen und dem liefern kann, der es herauszuholen versteht. Zum Beispiel und also hier, Sie. Was ich mir zutraue, ist, Gelesenes, Gehörtes und Gesehenes mehr oder manchmal auch weniger intuitiv zu erfassen. Abstrahieren wäre das passende Wort, denke ich. Soviel zum Thema "Richtig Zeitung-Lesen"

Ich komme zum SÜDKURIER. Ich habe es schon ein paar Mal gesagt. Das Blatt ist nichts weiter als Paradebeispiel. Vielleicht gibt es bessere Beispiele. Ich kenne nun mal dieses am besten und verwende es darum. Wenn ich in Nordrhein-Westfalen bin, lese ich dortige Regionalblätter und gewinne den Eindruck, daß die Unterschiede nicht groß sind, nur selbst das gemäßigtere noch ein bißchen intensiver rot ist als der SÜDKURIER. Auch das, was sie Lückenmedien nennen, können nicht geübter im Weglassen sein als der SÜDKURIER, wobei auch das Weglassen definiert werden muß: Ignoriert, also weggelassen werden generell alle Kommentare und Leserbriefe von außen, die der herrschenden Ideologie im Kern gefährlich werden können. Mehr oder weniger versteckt in kleinen Agenturnotizen werden Geschehnisse, die zwar der politischen Einheitslinie eine Delle zufügen, aber nicht übergangen werden können, damit darauf hingewiesen werden kann: Das haben wir doch gemeldet. Und groß aufgemacht und entsprechend gedeutet werden alle, die dem mainstream dienlich sind. Das gilt in mehr oder geringerer Ausprägung für alle Zeitungen, jedenfalls meiner bescheidenen Kenntnis nach. Ich kenne auch keine Zeitung, überhaupt kein Medium, das beim Merkeln ernstlich nicht mitmacht.

Ja, natürlich: Merkel "will die Hütte fluten", wie Sie passend formulierten, mit Menschen aus aller Welt. Sie will Deutschland entdeutschen, und es ist die Frage, ob sie als Migrantenkind aus Polen eine Rechnung mit Deutschland offen hat oder aber einfach der Erkenntnis folgt, daß ohne Deutschland kein Sieg des Kommunismus möglich ist: Der Umstand, der sie mit dieser Redakteur-Generation der 68er vebindet. Was immer der Grund für ihr Handeln ist: Es ist Landesverrat. Und jeder von uns, der das weiß, muß es weitersagen, so, wie er es am besten kann. Ich denke, das machen Sie und ich ganz gut.

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zuletzt bearbeitet 21.12.2015 | Top

RE: Kölner "Express": War der Reker-Attentäter ein V-Mann ?

#7 von kjschroeder , 21.12.2015 13:12

Zitat
Es ist Landesverrat. Und jeder von uns, der das weiß, muß es weitersagen, so, wie er es am besten kann. Ich denke, das machen Sie und ich ganz gut.



Das denke ich nicht. Denn von den 20.000-40.000 täglichen Zugriffen, die das Forum mal hatte, ist es gegenwärtig meilenweit und Lichtjahre entfernt. Und da ich nicht zu den Politikern gehöre, die sich gern schulterklopfend selber loben, stellt sich da natürlich die Frage, woran das liegt. Ein Punkt scheint mir jetzt schon klar: Das Niveau, an dem zu arbeiten ist.

Gruß
Klaus


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