Parteitage im allgemeinen und im besonderen

#1 von Hannelore Mohringer , 15.12.2015 09:50

Parteitage sind dazu da, Delegierte zu einer emotionalen Gemeinschaft zu vereinigen und nicht etwa, Klarheit oder gar Logik zu verbreiten. Diese Aufgabe meistert am vollkommensten, wer das kleine Einmaleins der Rhetorik beherrscht. Um dieses wiederum zu beherrschen, genügt nicht nur rednerisches Talent des Vortrags und irgendein guter Redenschreiber. Dazu ist eine entsprechende Schulung notwendig. In Demokratien übernehmen das Agenturen der freien Marktwirtschaft; in einer Diktatur hingegen gibt es nur eine Agentur, und sie ist die wichtigste aller staatlichen Einrichtungen, beherrscht die gesamte Öffentlichkeitsarbeit und kulminiert gelegentlich zu einer mitreißenden Rede, wenigstens die Funktionäre mitreißend, deren auch materielle Abhängigkeit der entscheidende Impetus ist. Sie, eine solche Agentur, funktioniert auch noch post mortem solange, wie gute Schüler noch leben und ihre Regeln beherrschen. So gut sie aber auch sein mag: Am Ende kann sie die Wirklichkeit nicht besiegen, sobald diese die Masse der Nicht-Funktionäre, also die Allgemeinheit, in ihrer ganzen Härte erreicht hat. Das ist die Erkenntnis - nicht nur - aus dem Karlsruher Parteitag der CDU, die auch minutenlanger Beifall und stehende Ovationen nicht aus der Welt schafft.

Unsere Wirklichkeit ist zuvörderst von den Strömen fremder Menschen geprägt, die unaufhörlich, mal anschwellend, mal abschwellend, unser Land heimsuchen, seitdem eins nach dem anderen der uns umgebenden Länder seine Grenzen wieder schließt. Auch die CDU wird trotz ihrer starken Kanzlerin über kurz oder lang allein daran scheitern. Die Deutschen haben doch auf den Straßen das Bild vor Augen, wie ganz Deutschland in naher Zukunft aussehen wird! Darüber täuschen auch die Bilder von den Hilfsbereiten nicht hinweg, deren Antrieb ein psychologisches Problem ist, das in einem gesonderten Beitrag zu analysieren sein wird, wenn erst wieder die Zeit dazu vorhanden ist. Selbst, wenn die Deutschen das augenblickliche Chaos, das im Moment nur die tüchtigen Bayern zu beherrschen scheinen, meistern, könnte die Erkenntnis nicht verhindert werden, daß die Deutschen in die Minderheit geraten und Deutschland damit in die Situation der Staaten fallen wird, aus der die unterentwickelten Habenichtse kommen, mit allen Folgen von geistiger Unterentwicklung, Armut und Terror.

Parteitage, wie der an sich erfolgreiche der CDU, und erst recht der ehrlichere, weil nicht erfolgreiche der SPD, ändern an dieser Logik nichts.

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RE: Parteitage im allgemeinen und im besonderen

#2 von kjschroeder , 15.12.2015 11:04

Zum Parteitag der CDU gibt es hier noch ein passendes Lied: -> https://www.youtube.com/watch?v=865Sn8JrMvY

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RE: Parteitage im allgemeinen und im besonderen

#3 von kjschroeder , 15.12.2015 12:12

Zitat
Sie, eine solche Agentur, funktioniert auch noch post mortem solange, wie gute Schüler noch leben und ihre Regeln beherrschen. So gut sie aber auch sein mag: Am Ende kann sie die Wirklichkeit nicht besiegen, sobald diese die Masse der Nicht-Funktionäre, also die Allgemeinheit, in ihrer ganzen Härte erreicht hat. Das ist die Erkenntnis - nicht nur - aus dem Karlsruher Parteitag der CDU, die auch minutenlanger Beifall und stehende Ovationen nicht aus der Welt schafft.



Dazu zwei Zitate:

"Ich kann das sagen, weil es zur Identität unseres Landes gehört, Größtes zu leisten."
(Angela Merkel auf dem jetzigen CDU-Bundesparteitag in Karlsruhe - Quelle: Die Zeit, dort das Video - NICHT die Überschrift, bei der aus "Größtes" "Großes" wurde )

"Wir Deutschen wollen, sollen und müssen, will mir scheinen, tapfer zu sein lernen gegenüber der Wahrheit, zumal auf einem Boden, der von den Exzessen menschlicher Feigheit gedüngt und verwüstet wurde....
Es ist kein Volk besser als das andere, es gibt in jedem solche und solche. Amerika ist nicht "God's own country", und der harmlose Emanuel Geibel hat einigen subalternen Unfug verursacht mit dem Wort, daß am deutschen Wesen noch einmal die Welt genesen werde."

(Bundespräsident Theodor Heuss , Gedenkrede im ehemaligen KZ Bergen-Belsen am 30. November 1952 - Quelle )


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RE: Parteitage im allgemeinen und im besonderen

#4 von Hannelore Mohringer , 16.12.2015 08:45

Vielen Dank für das Video!! Ich hatte es noch nie gehört, wußte nur, daß es existiert.

Und danke auch für das Zitat aus der Rede von Theodor Heuss auf dem Boden eines Nazi-KZ, das, wenn ich nicht irre, doch als kommunistisches KZ weiterbetrieben wurde???

Mit Geibel sollte man sich auch einmal beschäftigen - nur, um zu wissen, wer wie und wo (literarisch, philosophisch) einzuordnen ist! - Das Video von der Partei, die immer recht hat, werde ich einer guten Freundin weiterleiten. Mal schauen, ob die Freundschaft das aushält.

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RE: Parteitage im allgemeinen und im besonderen

#5 von kjschroeder , 16.12.2015 22:24

Zitat
Und danke auch für das Zitat aus der Rede von Theodor Heuss auf dem Boden eines Nazi-KZ, das, wenn ich nicht irre, doch als kommunistisches KZ weiterbetrieben wurde???



Nein, hier irren Sie. Das KZ Bergen-Belsen stand im Ortsteil Belsen der Gemeinde Bergen. Und die liegt im Landkreis Celle, bekanntlich Niedersachsen. Damals englisch besetzt. Und befreit von englischen Truppen im Rahmen eines bis dato einmaligen Vorganges - nämlich eines Stillhalteabkommens zwischen Wehrmacht und britischen Truppen, weil eine Fleckfieberepidemie eine Evakuierung nicht erlaubte, wie sie in anderen KZ ("Todesmärsche") durchgeführt worden war.

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RE: Parteitage im allgemeinen und im besonderen

#6 von Hannelore Mohringer , 16.12.2015 23:14

Mir waren schon beim Schreiben Zweifel gekommen. Was ich im Kopf hatte, wr Buchenwald, lt Google:

"Von 1945 bis 1950 wurde das ehemalige KZ Buchenwald als "Speziallager Nr. 2" vom sowjetischen Geheimdienst "Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten" (NKWD) zur Internierung von ehemaligen Funktionären des NS-Regimes, Wehrmachtsangehörigen und willkürlich denunzierten Personen benutzt. Von den nach Kriegsende insgesamt ca. 28.000 im Speziallager inhaftierten Frauen und Männern starben über 7.000 Menschen an den Folgen der Haftbedingungen."

Danke für den Hinweis.

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RE: Parteitage im allgemeinen und im besonderen

#7 von kjschroeder , 17.12.2015 10:33

Zitat
Was ich im Kopf hatte, wr Buchenwald



Okay. Nebenbei: Hätte auch Sachsenhausen sein können. Das war das andere KZ, das als "Speziallager" von den Sowjets weitergeführt worden war. Insgesamt gab es zehn Speziallager, meist in ehemaligen Kriegsgefangenenlagern (Stalag's) oder Gefängnissen - darunter eben auch in zwei ehemaligen KZ. Läßt sich als ersten Einstieg hier alles auf Wikipedia nachlesen.

Was ich nicht verstehe: Warum war Ihnen bei Heuss' Rede der Hinweis auf diesen Umstand so wichtig, daß Sie ihn erwähnten?

Gruß
Klaus


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RE: Parteitage im allgemeinen und im besonderen

#8 von Hannelore Mohringer , 17.12.2015 20:29

Zitat Heuss: "Wir Deutschen wollen, sollen und müssen, will mir scheinen, tapfer zu sein lernen gegenüber der Wahrheit, zumal auf einem Boden, der von den Exzessen menschlicher Feigheit gedüngt und verwüstet wurde....
Es ist kein Volk besser als das andere, es gibt in jedem solche und solche. Amerika ist nicht "God's own country", und der harmlose Emanuel Geibel hat einigen subalternen Unfug verursacht mit dem Wort, daß am deutschen Wesen noch einmal die Welt genesen werde."
(Bundespräsident Theodor Heuss , Gedenkrede im ehemaligen KZ Bergen-Belsen am 30. November 1952 - Quelle )

Sie fragten, warum ich das Zitat erwähnt habe:
Der erste Satz ist zweideutig: "Tapfer sein "gegenüber" der Wahrheit. Ich ging ja, wie gesagt, davon aus, daß die Sowjets gleich weitergemacht haben. Da das in diesem KZ nicht der Fall war, erscheint dieser Teil der Bemerkung sinnlos, ist es aber trotzdem nicht, weil es letzten Endes egal ist, daß hier nicht stattfand, was woanders sehr wohl stattgefunden hat.

Anders der nächste Satz. Es ist, finde ich bemerkenswert, daß Heuss damals, nämlich direkt nach dem Krieg, den Siegern damit faktisch ins Stammbuch schrieb, sie sollten sich an ihre eigene Nase fassen. Anders als Weizsäcker 40 Jahre später, der den Deutschen verordnete, "nicht zu relativieren", also die dunklen Flecke in der Geschichte der anderen zun vergessen, weil unsere Schuld einmalig in der Menschheitsgeschichte sei und folglich unvergleichlich, was natürlich barer Unsinn ist; denn Völkermord ist nicht einmalig - leider! An den beiden Zitaten kann man den Charakterverfall deutsche Politiker im Laufe von 45 Jahren seit 1968 erkennen.

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