Die Schlachten der 70er Jahre - Ach du meine Güte!

#1 von Hannelore Mohringer , 24.09.2015 10:56

Ach du liebe Güte!
Hier werden die Schlachten der 70er Jahre geschlagen, für die in den Gymnasien literarisch schon der Boden in den 60ern bereitet wurde, wenn ich bedenke, daß „Kafka“ Unterprima-Lektüre von 1962 war. - Ich habe pflichtschuldigst sein „Urteil“ gelesen und im Kopf den Kampf zwischen Vater und Sohn behalten und die Parallelen dazu im Kampf der 68er gegen die Eltern. „Mein“ Buch ist übrigens eine Lizenzausgabe eines New Yorker Verlages, bei Fischer in Deutschland mit der ersten Auflage 1952 erschienen, die bisher letzte mit 380 000 !! Exemplaren im Juni 1962!!, von der mein armer Primaner also ein Exemplar lesen mußte. Man sollte alle diese Hintergrundinformationen im Kopf haben für das politische Bild, das aus ihnen hervorgeht.

Ernst Ulrich von Weizsäcker hat recht, wenn er das Niveau einer Auseinandersetzung tadelt, das tatsächlich Du, liebe Hanna, im Verein mit Dr. Kramm und neuerdings einem Herrn Hoffmann, der Runde aufgezwungen hast. Es ist das Niveau aus den Endsechziger- und siebziger Jahren, liebe Hanna, von dem Du nicht herunterkommst, auf dem gegen Personen gefochten wurde. Ernst Ulrich von Weizsäcker ist darum persönlich Dein Gegner; und das sollte endlich aufhören. Was er politisch tut, ist das Thema, und nicht seine Person.

Immerhin hat mich Deine Betrachtensweise „kafkaesker“ Schule offenbar sogar im Schlaf beschäftigt; denn heute Morgen wachte ich mit dem Thema im Kopf auf und sah im Geiste die Tage Anfang der Siebziger im Vlothoer Jugendhof mit Ernest Jouhy, dem Altkommunisten und Erziehungs- und Kulturwissenschaftler (was immer das sein soll) vor mir und das junge Volk ihm zu Füßen in anbetender Körpersprache, die mich schon damals erschauern ließ. Ich kannte ihn vorher nicht und hatte ihm in der Diskussion schon Ideologie vorgeworfen, die er später im Privatgespräch auf das deutlichste bestätigte, als er sich selbst als Kommunist bezeichnete. Persönlich war er ein hinreißender, damals schon alter Mann; und wir kennen das Elend mit den hinreißenden Männern ja – ich jedenfalls mit meiner Jugendbiographie! Es ging in der Diskussion um die Behauptung, der Mensch sei Ergebnis seiner Umwelt. Weil Jouhy den Umstand der Vererbung ausgelassen hatte, warf ich ihm Ideologie vor. Es war die Zeit der Abrechnung mit der nationalsozialistischen „Vererbungslehre“ und der Anklage der mörderischen „Beseitigung unwerten Lebens“. Es war eine moralisch aufgeheizte Debatte, die sich heute in der Umbenennung von Vererbung in Gen-Weitergabe nur mit Mühe bändigen läßt, weil eben die Verschiedenheit der Menschen noch? zu häufig und drastisch zutage tritt (und immer, trotz martialischer Bemühungen der Egalisierung, zutage treten wird).

Also, liebe Hanna, Du führst hier eine Geisterdebatte der 70er Jahre, und das ganz im Sinne und der Art, wie sie vor 45 Jahren geführt wurde. Das mag für Deine Absichten zielführend sein. Für unser Land ist sie es nicht. In die Realität der Gegenwart zurückgekehrt, will ich nur noch kurz auf die heutigen Schlagzeilen hinweisen, die ein Schlaglicht auf das werfen, dessen Ursprung ich gerade zu beschreiben versucht habe:

„Tiefe Gräben in Flüchtlingskrise“ (für die Formulierung kann ich nichts; es ist die Überschrift im heutigen SÜDKURIER auf Seite 1). „Deutschland wird gerügt wegen unzureichender Umsetzung der EU-Richtlinien zu Mindestnormen bei Asylverfahren“. (Ja, ja, blinder Eifer schadet nur. Aber, ich bin überzeugt, daß Angela Merkel durchaus nicht blind ist, sondern ihr Ziel verfolgt: Mögen ihr ihre Scheuklappen zum Verhängnis werden, so daß sie auf die Nase fällt!) „Im aktuellen Wahltrend büßt Merkel gleich drei Punkte … ein“. (epd/dpa)
Alexander Michel kommentiert gleich daneben die Zwei-Einigkeit von Obama und Papst Franziskus in der „gemeinsamen Werteordnung“: „ Franzikus versteht sich als ein Fürsprecher der Verlierer und Habenichtse“, was denn „diese Seelenverwandtschaft“ begründe. Ideologen waren ja schon immer in Vereinfachung und Beschränktheit Gefangene und eben darum Sympathieträger der breiten Masse!
Zum Schluß ein passendes Apercu: „Bayern - Schule will sich nach Udo Lindenberg nennen…Der Konrektor…habe den Panik-Rocker vorgeschlagen und dieser hat bereits seine Zustimmung gegeben“ (Seite 11, dpa). In der Schule ist sicherlich nichts mit Kafka, liebe Hanna. Also: Im „Spagat zwischen Kafka und Udo Lindenberg befinde ich mich im Aus 

Hannelore

Hannelore Mohringer  
Hannelore Mohringer
Beiträge: 826
Registriert am: 01.05.2015


   

Flüchtlinge fordern die Internationale
Weiße Milch und schwarze Menschen in Deutschland

Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen