Die gute Nachricht ist kleingedrukt

#1 von Hannelore Mohringer , 28.08.2015 10:50

Die gute Nachricht ist kleingedruckt

Aber sie steht sogar auf der ersten Seite des SÜDKURIER von heute, dem 28. August 2015!
Zitat: „Der Vorschlag von Aufnahmezentren in den Herkunftsländern (Hervorhebung von mir) weist daher in die richtige Richtung“. Zitatende
Von den Herkunftsländern der Flüchtlinge ist die Rede. Der Vorschlag soll dem Elend der Flucht ein Ende machen und den Schleppern das Handwerk legen. Ein großartiger Vorschlag – nicht nur im Interesse der Flüchtlinge. Auch das Gezänk der Länder um deren Aufnahme hätte genauso ein Ende, wie die Angst der Bevölkerungen in den Ankunftsländern vor Überfremdung. In Aufnahmezentren an Ort und Stelle könnte in Ruhe individuell geprüft werden, ob ein Aufgenommener wirklich fliehen mußte und warum, ob er eine Gefahr für das Land darstellt, das ihn aufnehmen soll und gegebenenfalls in welcher Weise, und die EU würde unmißverständlich erfahren, ob es überhaupt außer Deutschland Länder gibt, die Flüchtlinge aufnehmen würden.

Dieter Löffler, der Politikchef im SÜDKURIER, verrät nicht, wer diesen Vorschlag gemacht hat. Es muß wohl einer von „Europas Regierungschefs“ sein, die „in der feinen Wiener Hofburg diskutieren“ als „eine Horrornachricht in die Runde“, nämlich die vom grausigen Leichenfund im österreichischen Burgenland „platzt“, wie er schreibt. Das Frappierende an der Botschaft ist, daß es überhaupt möglich sein kann, in den „Herkunftsländern“ noch Raum für Fluchtburgen zu finden, nachdem die bisherige offizielle Berichterstattung den Eindruck erweckt hat, daß die Flucht nach Europa alternativlos ist. Das macht den Vorschlag erst richtig zum Hoffnungsschimmer in der Dunkelheit der Verzweiflung an der herrschenden Politik in Deutschland und verschafft der Klärung dieser Frage die notwendige Beleuchtung.

Der übrige Text der Zeitung, der summa summarum die üblichen Botschaften von der rechten Gefahr enthält, soll die gute Nachricht nicht trüben. Zu erwähnen wäre nur noch die gestrige spätabendliche Maybrit-Illner-Sendung im ZDF, in deren Verlauf ein Hahnenkammträger als besonders gefährlich hervorhob, daß die Opposition gegen die praktizierte Flüchtlingspolitik schon mit vollem Namen daherkommt. Die Menschen haben keine Angst mehr, ihre Bedenken anzumelden. Das muß doch Angst machen.

Hannelore Mohringer

Hannelore Mohringer  
Hannelore Mohringer
Beiträge: 826
Registriert am: 01.05.2015


RE: Die gute Nachricht ist kleingedrukt

#2 von Gelöschtes Mitglied , 28.08.2015 11:09

Einen Zeitungsartikel zu diesem Thema finden Sie bspw. hier:
http://www.sueddeutsche.de/politik/asylp...esung-1.2452953


Nicht die Einwanderungswelle ist das Problem - Berlin ist es!

#3 von kjschroeder , 28.08.2015 14:54

Weder die kleingedruckte Nachricht noch das Interview spiegeln für meine Begriffe die eigentliche Problematik wider. Es ist zwar nett, daß die Herrschaften sich jetzt langsam mal bequemen, zur Kenntnis zu nehmen, was sich in der Bevölkerung so tut. Und als Folge das "Dublin-Abkommen" erstmal ausgesetzt haben (=Regelung Erstaufnahme), und dafür von der EU auch noch Lob kassierten (das muß man sich auf der Zunge zergehen lassen: Die EU lobt ein Mitgliedsland für das Aussetzen eine ihrer Vereinbarungen - den Herrschaften in Brüssel und Berlin scheint wohl langsam die Düse zu gehen).

Aber das alles reicht natürlich nicht. Wir haben ein anderes Defizit, das ich mal in einem Szenario erläutern möchte:

Nehmen wir an,

- wir hätten Volksentscheide auf Bundeseebene nach Schweizer Vorbild
- der Staat wäre von unten nach oben aufgebaut, also dezentral (Gegensatz zum jetzigen Zustand) und die Bundesländer würden im Steuerwettbewerb stehen wie die Schweizer Kantone oder die US-Bundesstaaten (oder die australischen oder die kanadischen oder ...)
- Bürger und Staat würden sich nicht mehr mißtrauisch gegenseitig belauern
- der Staat würde sich an seine Gesetze auch selber halten - im Gegensatz zu heute (Steuer-CD-Hehlerei, Bruch der No-Bail-Out-Klausel)
- der Bürger würde wissen: Diesen Staat haben wir im Griff, er dient uns und nimmt unsere Interessen wahr
- wir hätten eine Einwanderungspoolitik mit entsprechenden Bestimmungen.

So. Und in dieser Situation werden wir mit einer Einwanderungswelle konfrontiert, die uns bis zum Jahresende geschätzte 800.000 Neuankömmlinge bescheren soll.

Was würde passieren? Meine Einschätzung:

Randale in geringerem Umfang würde es vermutlich leider immer noch geben; jede Gsellschaft hat nunmal ihre "Spackos", die nichts kapieren. Man würde sie schnell dingfest machen und vor Gericht stellen. (Nebenfrage: Was ist in dieser Sache bis jetzt passiert? - Eben.)

Die allgemeine Stimmung?
Nun, da der Bürger weiß: Dieses ist mein Staat, ich kann ihm trauen, denn wir haben hier die Macht - dieser Bürger würde sich dann sagen: okay, diese Leute wurden überprüft, bevor sie hier auf uns losgelassen wurden, die nicht Berechtigten sind erst gar nicht dabei, politische Lobbygruppen haben keinen Einfluß, und alles funktioniert hier nach dem Recht und dem Gesetz, dem wir per Referendum zugestimmt haben (bzw. nicht dagegengestimmt haben).
Ich garantiere Ihnen, daß die Stimmung DANN eine erheblich andere wäre: Die Ängste, Befürchtungen, Vorbehalte etc. würden sich schlicht und simpel elegant in Luft auflösen.

Was sagt uns das? Es sagt uns, wo das eigentliche Problem liegt. Dieses Problem steht im Titel dieses Beitrages. Und es züchtet die Nazis wegen dieses Demokratiedefizits immer wieder aufs Neue heran.

Gruß
Klaus


Aus gegebenem Anlaß:

Politik verdirbt nicht den Charakter - Politik testet ihn.

kjschroeder  
kjschroeder
Beiträge: 2.956
Registriert am: 27.12.2012

zuletzt bearbeitet 28.08.2015 | Top

RE: Nicht die Einwanderungswelle ist das Problem - Berlin ist es!

#4 von Gelöschtes Mitglied , 28.08.2015 16:22

Ein guter und sachlicher Beitrag zu diesem Thema. Danke.


   

Kollaborateure
Kalter Bürgerkrieg oder Neuwahlen

Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen