Henkel, Lucke und die AfD

#1 von Hannelore Mohringer , 05.07.2015 19:19

Liebe Leser,

Herr Henkel bekannte bei seinem Beitritt zur AfD – damals ging es ja vorerst nur um EU und Euro -, er habe sich zwar für den Euro eingesetzt, erkenne aber nun, daß er eine irrige Entscheidung getroffen habe. Bravo, habe ich gedacht, immerhin gibt ein umtriebiger Politiker (denn als solcher muß Herr Henkel bezeichnet werden, obwohl sein Feld das der Wirtschaft ist) zu, daß er sich geirrt hat; das kann dem Aufbegehren gegen dieses Konstrukt nur dienlich sein. In meinem Hinterkopf war aber immer das Mißtrauen vorhanden, ob hier nicht einer kurz vor dem Zusammenstoß mit der Wirklichkeit abspringt und sich in Sicherheit bringt. Schließlich kann ein Ökonom und politischer Praktiker nicht dümmer sein, als ich – habe ich gedacht -, die ich mit ganz normalem Menschenverstand gewußt habe, daß eine gemeinsame Kasse von erfolgreichen und erfolglosen Ländern nur in der Katastrophe enden kann, und zwar für alle, weil sich die Erfolglosen natürlich von den Erfolgreichen aushalten lassen, nein, nehmen werden, was sie haben wollen.

Klaus Kinkel kann ein Lied von meinen Protesten und der anderer aufgebrachter FDP-Mitglieder singen und mit ihm Herr Chatzimarkakis, der in jener FDP-Versammlung in München neben ihm stumm auf dem Podium saß, als diese „Politik“ der „Euro-Befürworter“ in der FDP hunderte aufgebrachter Mitglieder aufzuhalten versuchten. Mag der Himmel wissen, was sich da im Hintergrund abgespielt hat: Es war gegen unser Land gerichtet, auch und vor allem von der FDP.

Zurück zu Herrn Henkel! Er war also mit von dieser Partie und sprang ab, als das Ende abzusehen war, und ich habe, wie gesagt, „Bravo!“ gedacht, weil ich von der Intelligenz der Leute im Räderwerk der in Deutschland herrschenden Macht ohnehin nicht viel halte. Nun fange ich an, an seinem Stehvermögen zu zweifeln , und das ist sehr zurückhaltend ausgedrückt. Schon wieder ein Irrtum, und diesmal mitten im Feuer? Er hatte sich schon wieder zum richtigen Zeitpunkt auf die vielversprechend scheinende Seite geschlagen, weil er dem Sturm derer nicht gewachsen ist, die ihre Felle davonschwimmen sehen: Politiker, Journalisten und alle, die unser Land um ihres persönlichen Fortkommens willen verraten.

Sehr geehrter Professor Meuthen,
Herr Olaf Henkel hat seine Chance, aufrecht in die Opposition zu gehen, verpaßt. Herr Lucke verdient trotz Mutlosigkeit zur letzten Konsequenz, unsere Achtung und Dankbarkeit dafür, daß er diese Alternative aufgebaut hat trotz kleinmütigen Aufgebens im Angesicht der internationalen Gefahren, denen wir nun ins Auge sehen müssen: Wie sagte Helmut Schmidt 1995: Wenn „die Mark“ den europäischen Kontinent beherrschen wird, falls keine gemeinsame Währung eingeführt werde, „würden sich die Nachbarstaaten gegen Deutschland verbünden“
FAZ vom 15.9.1995. Und das gilt genauso für die Einwanderungs- und „Klima“-Politik.

Diese Angst müssen wir den Nachbarstaaten auf andere Art und Weise nehmen, als uns von ihnen zugrunderichten zu lassen. Das wird unsere Aufgabe sein, zunächst die der AfD. Ich hoffe, daß die FDP dabeisein wird – der rechtsliberale Teil der FDP, zu dem ich mich rechne.

Hannelore Mohringer

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RE: Henkel, Lucke und die AfD

#2 von Thomas Gaertner , 05.07.2015 19:56

Hallo, Frau Mohringer,

vielleicht hat sich ja nicht Herr Henkel sondern die AfD in eine andere Richtung entwickelt,
eine Richtung, die er nicht mit seiner Arbeit und Mitgliedschaft unterstützen will?

Meiner Beobachtung nach ist das so. Herr Henkel hat das treffend gesagt:
"eine NPD im Schafspelz".

Thomas Gärtner


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RE: Henkel, Lucke und die AfD

#3 von bonzenwatch , 05.07.2015 22:29

>Wie sagte Helmut Schmidt 1995: Wenn „die Mark“ den europäischen Kontinent beherrschen wird, falls keine gemeinsame Währung eingeführt werde, „würden sich die Nachbarstaaten gegen Deutschland verbünden“ FAZ vom 15.9.1995.
Und das gilt genauso für die Einwanderungs- und „Klima“-Politik.
Diese Angst müssen wir den Nachbarstaaten auf andere Art und Weise nehmen, als uns von ihnen zugrunderichten zu lassen. Das wird unsere Aufgabe sein, zunächst die der AfD.<

Ich halte diesen Aspekt für eminent wichtig. Und für zweifelhaft, ob die AFD ihn in der vollen Tragweite begreift.

Jedenfalls wird es m.E. in einer Zeit, in der das Scheitern des Euro immer offensichtlicher wird und längst auch die EU als Ganzes mehr und mehr in der Kritik steht, notwendig, sich daran zu erinnern, wie was warum zustande kam. Denn wie ich unsere wackeren Eliten kenne, werden sie es wieder nicht gebacken kriegen (nebenbei: auch andere EU-Länder richten sich zugrunde (z.B. Frankreich), nicht nur wir - dies im Hinterkopf zu behalten ist wichtig für eine korrekte Analyse, sonst nämlich ist die vermeintliche Lösung WIEDER nicht tragfähig).

So wie ich das sehe, haben uns unsere Politiker in eine vertrackte Zwickmühle manövriert. Beispielsweise soll deutsches Militär Luxemburg nicht ängstigen, gleichzeitig aber Putin Respekt einflößen. Daß beides nicht geht, sollte eigentlich sogar einem Politiker klar sein. Oder: unsere Rüstungsindustrie exportiert auch in Länder mit dubiosen Regimen. Das müßte sie nicht, wenn unsere Politiker an die Sicherheit unseres Landes denken würden mit entsprechend ausgerüsteten Streitkräften. Da paßt hinten und vorn nichts mehr zusammen.

Das iust das eine. Das andere freilich die Frage nach der Alternative:
Wie will man, wie wollen Sie, Nachbarstaaten diese Ängste nehmen? "Europa", sprich: EU, ist ja nun wohl für jedermann sichtbar für die Tonne. Weniger "Europa" wagen? Wäre auch aus anderen Gründen gut. Aber reicht das?

Gruß
Klaus


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RE: Henkel, Lucke und die AfD

#4 von Hannelore Mohringer , 05.07.2015 23:57

So wie ich das sehe, haben uns unsere Politiker in eine vertrackte Zwickmühle manövriert. Beispielsweise soll deutsches Militär Luxemburg nicht ängstigen, gleichzeitig aber Putin Respekt einflößen. Daß beides nicht geht, sollte eigentlich sogar einem Politiker klar sein. Oder: unsere Rüstungsindustrie exportiert auch in Länder mit dubiosen Regimen. Das müßte sie nicht, wenn unsere Politiker an die Sicherheit unseres Landes denken würden mit entsprechend ausgerüsteten Streitkräften. Da paßt hinten und vorn nichts mehr zusammen.

"Das iust das eine. Das andere freilich die Frage nach der Alternative:
Wie will man, wie wollen Sie, Nachbarstaaten diese Ängste nehmen? "Europa", sprich: EU, ist ja nun wohl für jedermann sichtbar für die Tonne. Weniger "Europa" wagen? Wäre auch aus anderen Gründen gut. Aber reicht das?

Gruß
Klaus"

bonzenwatch

Schnellschuß:

Die Erpressung umkehren, solange wir das noch können (Man denke an die Geldschmelze von Draghi und die Billionensculden, die auch wir haben). Endlich Bedingungen für unsere Zahlungen stellen und vor allem, die Situation, wie sie politisch ist, ungeschminkt darstellen (warum Kohl überhaupt mitgemacht hat bzw. mitmachen mußte). Das aber ist mit dem Linksblock unserer Parteien nicht möglich - solange Angela Merkel aus der CDU eine kommunistische Partei machen kann. Da ist die AfD, wie Frau Petri sie will, wohl der Hebel: Wenn einer anfängt, die politischen Hintergründe darzustellen, werden die anderen folgen. Schließlich sind Dinge geschehen, die, beim Namen genannt, jeden anständigen Menschen empören, angefangen vom EU- und Euro-Diktat, über ausländische Politiker in deutschen Parteien mit leitenden Posten (Türkin als Integrationsministerin), die Folgen der Einwanderung schon jetzt, pekuniär und sicherheitsrelevant, die moralischen Entgleisungen der Grünen mit ihrem Gender und - nicht zu vergessen - die ausbeuterische "Klima"politik. Man muß nur den Mut aufbringen, sich vom Ausländerhaß-Geschrei, dem Rechtspopulismus-Geschimpfe - was ist Rechtspopulismus überhaupt und gibt es auch Linkspopulismus -? - und sonstige Beschimpfungen unbeeindruckt zu zeigen und die wahren Gründe, nämlich Argumentenmangel, aufzuzeigen und welche Absichten dahinter stecken..

HM

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Seit 1977 ist bekannt: Währungsunion ohne Transferunion funktioniert nicht

#5 von bonzenwatch , 06.07.2015 00:56

Nette Liste schnell erstellt - Kompliment. :-)

Jetzt kommt mein "Aber":

>Die Erpressung umkehren, solange wir das noch können<

Es ist ja nicht einfach eine Erpressung. Ich vermute bei unseren wackeren Berliner Eliten auch noch allgemeine Orientierungslosigkeit - und noch einige andere "-losigkeiten": Wie etwa Prinzipienlosigkeit und Planlosigkeit. Und bei etlichen Politikern und Dschornalisten dürfte noch schlichte Ahnungslosigkeit und Bildungslosigkeit dazukommen, wenn ich mir in meinem Archiv angucke, welche Ahnung Politiker z.B. vom ESM hatten bei der schwerwiegenden Abstimmung. Oder vom Internet ("Neuland").

Und deswegen wird eine schlichte Umkehrung wohl nicht helfen. Wir müssen uns schon klar darüber werden, was wir eigentlich wollen. Ich vermute: DA liegt bei unseren tollen Eliten der Hund begraben. Sie wissen es schlicht nicht - außer Friede, Freude, Eierkuchen. Und: Alle Minderheiten sind toll, cool und geil.

>Endlich Bedingungen für unsere Zahlungen stellen<

Ich sehe es anders: Die Zahlungen an die EU sind einzustellen. Sofort. Warum? Dann lesen Sie mal folgenden Artikel: Seit 1977 konnten unsere Politiker wissen, daß Währungsunion ohne Transferunion (politisch verschönernde Umschreibung: "Fiskalunion") nicht funktionieren wird. Warum? Weil in der damaligen EG damals ein Bericht mit genau diesem Inhalt verfaßt worden war. Wie reagierte die Politik? Sie führte die Währungsunion ohne Transferunion ein - tolle Leistung!
Und hier steht der Artikel, natürlich nicht in einem deutschen Wahrheitsmedium, sondern einem angelsächsischen Normal-Medium: -> http://www.forbes.com/sites/timworstall/...s-40-years-ago/

Ja, ist ein Ami-Medium. Und da ich ja um den Antiamerikanismus in bestimmten Kreisen weiß, noch ein Hinweis: Dieser Bericht basiert auf einer EU-Quelle. Und das Schöne ist: Auch zu der EU-Quelle gibt es einen Link, der Artikel in "Forbes" ist tatsächlich verifizierbar. Was bedeutet: Jeder mit Internet-Anschluß hätte das wissen können. Naja, nicht unsere Politiker; für die ist das ja "Neuland". ;-)

Hier also der Bericht aus damaligen EG-Zeiten im Original in zwei Teilen:
Teil 1: -> http://www.cvce.eu/content/publication/2...lishable_en.pdf
Teil 2: -> http://www.cvce.eu/content/publication/2...lishable_en.pdf

Alles auf englisch. Ist daraus zu schließen, daß unsere Politiker kein Englisch können? Naja, kann ja eigentlich nicht sein nach den zahllosen Schul-"Reformen", die ja alles sooo viel besser gemacht und unser Bildungsniveau auf einsame Spitze gehoben haben. ;-)

Gruß
Klaus


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zuletzt bearbeitet 06.07.2015 | Top

RE: Seit 1977 ist bekannt: Währungsunion ohne Transferunion funktioniert nicht

#6 von Thomas Gaertner , 06.07.2015 11:13

Kompliment wofür? Für welche Liste?

Englisch? Ich denke, daß es Übersetzer für schwierige Texte gibt. Ich wäre
auch nicht bei derlei politischen Feinheiten verhandlungssicher, obwohl mir
Verträge in den USA oder Mexiko durchaus gelungen zu sein scheinen -
es kam jedenfalls danach nie zu Problemen.

Ich bin überdies der Meinung, daß der durchschnittliche Schüler heute im Durchschnitt
über eine bessere Bildung verfügt, besseres Wissen verfügt als z.B. die Schul-Jahrgänge Mohringer.

Auch interessant:
http://www.jugend-forscht.de/stiftung-ju...aatsaktion.html

Thomas Gärtner


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RE: an Klaus - Die große Linie ist die Interessenvertretung unseres Landes

#7 von Hannelore Mohringer , 06.07.2015 19:56

Wir müssen zuerst eine große Linie finden. Einzelheiten dürfen immer nur auf dieser Linie getroffen werden:

Das ganze Spektrum der Politik, die seit 1968 betrieben wird, ist die Beendigung der tausendjährigen Geschichte Deutschland als Land der Deutschen. Dazu gehören die Schaffung der Währungs- und politischen Union EU, die Einwanderungspolitik und das Instrument der Klimapolitik. Es ist also kontraproduktiv, sich ALLEIN an der EU-Politik abzuarbeiten. Das war von Anfang an mein Einwand gegenüber der Lucke-AfD. Wir müssen weiter zurückgreifen: Anstelle der Auflösungspolitik, die von dem gesamten Parteien-Linksblock im Parlament betrieben wird, müssen wir DIESE Politik anprangern und alle Entscheidungen der parlamentarischen Parteien aus dieser Perspektive sehen. Daraus ergibt sich dann ganz von selbst, was zu den einzelnen Entscheidungen zu sagen ist.

Nehmen wir Griechenland und dessen unendliche EU-Geschichte: Anstatt zu sagen, die wollen von uns Geld, also haben wir das Recht, die Bedingungen dafür zu stellen, diskutieren wir in Talkshows immer wieder, daß es dem Land doch so schlecht geht, und wir darum nicht das Unmögliche verlangen dürfen. Es geht dem Land darum schlecht, weil es mit dem Kredit Schindluder getrieben hat, was mit mit ein wenig Logik und Menschenkenntnis vorauszusehen war. Also müssen wir es wieder sich selbt überlassen und dabei Überbrückungshilfe leisten. Ich bin übrigens nach wie vor überzeugt, daß Griechenland um JEDEN PRREIS im Euro-Verbund gehelten werden wird. Die Politiker brauchen nur mehr Zeit, das Volk darauf vorzubereiten- Übrigens: Darüber entscheidet auch kein Parlament, sondern "Brüssel" nach dem ESM, mit dem die Regierung Merkel die Souveränität Deutschlands, über Rettungsschirme zu entscheiden, an Brüssel abgegeben hat. Also: Zahlungen einstellen, geht gar nicht!

Wir müssen unserem Volk die Einstellung zurückgeben, daß wir ein Volk von Patrioten sind, und daß die Egoismus-Klage zur Larmoyanz der Linken gehört, also zu ihrem heuchlerischen Gutmenschentum, hinter dem sich das Weltmachtstreben der Marxisten verbirgt.

In diesem Sinne auch die Einwanderungspolitik gehandhabt und die Klimapolitik, ergibt sich eine Rückkehr zur normalen Interessenvertretung unseres Landes, und die EU erscheint, gemessen an ihrem bisherigen Ergebnis, als das, was sie ist: Eine Fehlkonstruktion, errichtet von bestenfalls Gutmeinenden: Walter Hallstein habe sich geirrt, als er glaubte, die europäischen Länder wüchsen zusammen, hat Ralf Dahrendorf wenige Jahre vor seinem Tod erkannt. Es lebe die vielgepriesene Vielfalt!, diesmal die richtige, nämlich die der europäischen Völker.

HM


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RE: an Klaus - Die große Linie ist die Interessenvertretung unseres Landes

#8 von kjschroeder , 11.07.2015 16:47

Ja, selbstverständlich hat die Politik die Interessen derjenigen zu vertreten, von denen sie gewählt ist. Das Problem, vor dem wir stehen - und nicht nur wir, sondern auch der größte Teil Europas - ist, sicherzustellen, daß diese Interessensvertretung auch umgesetzt wird. Dazu fehlen uns die Werkzeuge der direkten Demokratie. Das ist auch anderswo in Europa so, und deswegen konnte den Völkern auch ein Elitenprojekt übergestülpt werden - mit den bekannten Folgen. Und dann wäre zu fragen, wie diese Interessensvertretung konkret auszusehen hat.

Nun ist dies nicht nur die Folge der 68er Politik. Diese konnte nur deswegen erfolgreich sein, weil die bürgerlichen Parteien in Europa ihre Werte preisgaben (so sie denn welche hatten). Die Linke hat hier keine Bastion gestürmt - vielmehr ist diese schlicht in sich zusammengefallen, und die Linke versucht nun, die so entstandene Lücke hektisch und schnell zu füllen mit ihren eigenen Werten. Daraus erklärt sich für mich auch die Intoleranz, das Anpöbeln, die Nazikeule und so manches andere: Es muß halt eben alles schnellschnell durchgehauen und reingehämmert werden - denn auf sicheren, gewachsenen Fundamenten ruht das alles nicht. Schauen Sie sich die Entwcklung der CDU an schon unter Kohl - und wie rasant diese Entwicklung an Fahrt aufnahm unter Merkel - und Sie wissen, was ich meine.

Die EU ist ja die Fortsetzung einer Veranstaltung, die es im wesentlichen nur wegen der deutsch-frz. "Erbfeindschaft" gibt, die sich nicht wiederholen soll. Und wegen des Versagens der deutschen Eliten, das lange zurückreicht und weit vor 1933 einsetzt. (Als ein Beispiel sei hier der Schlieffenplan von 1905 genannt, der aus einer richtigen Erkenntnis - keine geostrategische Tiefe + zu geringe Mannstärke = Undurchführbarkeit eines Zweifrontenkrieges - die falsche Schlußfolgerung zog, den Zeitpunkt eines Krieges selber zu bestimmen (Präventivkrieg!). Zweimal (!) wurde nach dem Grundmuster dieses Plans - Blitzsieg über Frankreich und finaler längerer Kampf gegen Rußland danach bei gleichzeitigem Raushalten Englands - verfahren, und beide Male mißlang er unter jeweils schlimmen Umständen mit schlimmen Folgen.)

Für mich folgt daraus, daß wir uns ein gesundes Maß an Mißtrauen gegenüber jedweder deutschen Regierung erhalten müssen.

Für den 2. Punkt reicht ein simpler Blick auf die Chronologie:
Die EWG funktionierte, die EG funktionierte NOCH - und die EU funktioniert nicht mehr. Das Rad wurde überdreht.

Für mich folgt daraus, daß weniger EU mehr Lebensqualität in Europa bedeutet.

Allerdings werden wir um eine Zusammenarbeit jenseits einer Freihandelszone nicht herumkommen. Das geht schon bei den Flüchtlingen los: Unsere Bevölkerung schrumpft, und die weltweit am stärksten wachsende befindet sich just in Afrika. Nigeria z.B. hatte 1997 (Volkszählung) noch knapp 89 Mio Einwohner, keine zehn Jahre später (2006) waren es schon 140 Mio. Alles Menschen, die eine Arbeit suchen, die leben wollen. Ganz ähnlich sieht es in den anderen Staaten dieser Region aus. Glauben Sie, glaubt hier irgendjemand, die Regierungen dort bekommen das hin? In 2050 wird die Zahl der wanderungswilligen Afrikaner auf knapp eine Milliarde (!) geschätzt. Wenn unser Kontinent nicht afrikanisiert werden soll, werden wir schwierige Entscheidungen zu treffen haben. Und die haben nicht nur mit Wohlstand, sondern auch - und vielleicht zuerst - mit Sicherheit zu tun. Glauben Sie, daß wir das italienischen, spanischen und griechischen Behörden überlassen könnten und sollten? Ich nicht.

Insofern ergeben sich nicht alle Antworten automatisch. Und die Logik "Der Feind meins Feindes ist mein Freund" zeitigt in der Politik erfahrungsgemäß sehr merkwürdige und auch kontraproduktive Ergebnisse. Von dieser Logik ist daher abzuraten. Man muß schon positiv sich darüber im Klaren werden und formulieren, was man will statt darauf zu vertrauen, daß bei Ablehnung des Negativen sich das Richtige schon einstellen werde. Dem ist nicht so (wenngleich man es im Diskurs beim Kritisieren belassen kann; damit kommt man erfahrungsagemäß weiter. Aber für sich selbst muß man schon ein konkretes Ziel vor Augen haben).

Ich kenne Frau Merkels Motive nicht; vielleicht ist ihr jüngstes Herumeiern einfach nur die Angst, nicht als Sargträgerin des Euro dazustehen. Vielleicht sagt ihr mal einer, daß dieses Festhalten an einer Sache um des Prinzips willen a) eine typisch deutsche Blödheit ist und b) in diesem Fall eine Steilvorlage für Wutbürger-Parteien. Denn wenn wir NOCHMAL zahlen - und darauf läuft es wohl seit gestern hinaus - braucht sich hier niemand über Radikalisierungen zu wundern.

Und warum hat sich der Wind seit gestern gedreht? Frankreich und Italien haben sich plötzlich anders positioniert - natürlich aus nationalen Motiven, die es ja in der EU angeblich gar nicht mehr gibt, wie uns immer wieder vorgelogen wird. Ob Tsipras wirklich der Gewinner ist, weiß ich noch nicht. Aber der Verlierer steht schon fest: Merkel. Und damit wir.

Gruß
Klaus


Aus gegebenem Anlaß:

Politik verdirbt nicht den Charakter - Politik testet ihn.

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