TV-Tipp - Die Verbrechen der Befreier

#1 von Robert Gruner , 05.05.2015 18:48

Heute am 05.05 um 20:15 im ZDF.

Eine Dokumentation, die aufzeigt, das Verbrechen an Zivilisten nicht nur von den Nazis und den "bösen Russen" sondern durchaus auch von den Amerikanern begangen wurden.

http://www.zdf.de/zdfzeit/verbrechen-der...r-38240014.html

Robert Gruner  
Robert Gruner
Beiträge: 11
Registriert am: 24.04.2015


RE: Vergleichen was nicht vergleichbar ist

#2 von Hannelore Mohringer , 07.05.2015 14:58

Medien und Politiker werden nicht müde, den Deutschen die Unvergleichbarkeit der Stalin- und Hitlerverbrechen einzuhämmern und gleichzeitig die Vergleichbarkeit des innerdeutschen Flüchtlingsdramas nach dem verlorenen Krieg mit den aktuellen Ereignissen der Massenflucht aus fremden Welten aus den unterschiedlichsten Gründen. Was die politischen Verbrechen anbetrifft, so spiegeln sie den militärischen Sieg des Kommunismus über den Nationalsozialismus wider, indem sie die Verbrechen des Nationalsozialismus' in ununterbrochener Erinnerung hält bei gleichzeitiger Verdrängung der Erinnerung an die des Kommunismus', mit der Begründung, nicht relativieren zu dürfen, was dann zwangsläufig umgekehrt geschieht: Die kommunistischen Verbrechen werden an denen des Nationalsozialismus relativiert, also abgeschwächt, in ihrer politischen Bedeutung verdrängt. So erleben wir gerade eine solche Flut von Gedenkfeiern, Zeitungsartikeln und Filmen, die das Grauen der Naziverbrechen allgegenwärtig macht, daß die Deutschen, und vielleicht sogar die Menschen in aller Welt sie aus dem Bewüßtsein verdrängen, sie zwar als Dauergeräusch vernehmen, aber nicht mehr eigentlich wahrnehmen oder gar ihrer überdrüssig werden. Hängenbleiben soll und wird die Einmaligkeit eines Monsterverbrechens, die keine Einmaligkeit ist. Es handelt sich also um einen politischen Akt der Manipulation.

Gleichzeitig wird Vergleichbarkeit der innerdeutschen Flüchtlinge mit Armuts- und Kriegsflüchtlingen aus fremden Welten beschworen. Es liegt nahe, daß diese Gleichzeitigkeit als nicht zufällig zu betrachten ist, der Verdacht also naheliegt, daß die unverhältnismäßige Aufnahmewilligkeit fremder Menschen politisch gewollt und weniger ein Akt der Barmherzigkeit ist, wie die offiziellen Appelle weismachen wollen.

Im SÜDKURIER steht heute wieder ein Artikel, der die im Alltag zutage tretenden Unterschiede entweder unbewußt ignoriert oder ihre Sprengkraft als hinzunehmen darstellt. Ein orientalischer Flüchtling kocht, weil er nichts anderes zu tun hat, Tag für Tag ein stark riechendes Essen aus Lammfleisch, dessen „fette Schwaden…dem Topf entsteigen als eine Mischung aus heißer Herdplatte, gesottenem Fleisch und altem Sofa“ so daß es beim Betreten des Hauses „irgendwie anders“ riecht. Vor vierzig Jahren erzählte mir eine Frau, daß ins Nebenhaus ihrer Wohnung Jugoslawen – man differenzierte sie damals noch nicht in Serben, Bosnier oder Kroaten – eingewiesen worden sind, die Abend für Abend in zahlreicher Gesellschaft fremdartige Kochgerüche verbreiten und bis in die späte Nacht hinein lärmen. Sie und ihr Mann könnten, beschwerte sie sich wütend, kein Fenster öffnen, könnten nicht schlafen und müßten doch morgens um sechs Uhr zur Arbeit. In ihrer Wut belegte sie diese Fremden mit einem Ausdruck aus der Fauna.

Herr Fricker, der Autor dieses SÜDKURIER-Artikels, muß damals ein Kind gewesen und abgeschirmt von solchen Niederungen der Wohnstätten aufgewachsen sein, sonst könnte er als Zeitberichter nicht so unbefangen über eine scheinbar nebensächliche Begleiterscheinung hinweggehen. Tatsächlich erscheint dergleichen ja auch bedeutungslos gegenüber Ereignissen wie kleinen und großen Straftaten, deren Häufung verdrängt wird. Er macht sich hingegen einer groben Täuschung schuldig, indem er Vertriebene aus Ostpreußen mit Armutseinwanderern und auch echten Flüchtlingen aus fremden Welten vergleicht. Sein Bericht ist eine Variante der Indoktrinierung des Verdiktes von der Gleichheit der Menschen, dieser Grundlage aller Fehlentscheidungen der aktuellen Politik, der wir ununterbrochen ausgesetzt werden.

Hannelore Mohringer

________________________________________

Hannelore Mohringer  
Hannelore Mohringer
Beiträge: 826
Registriert am: 01.05.2015


RE: Vergleichen was nicht vergleichbar ist

#3 von bonzenwatch , 16.05.2015 23:31

>Hängenbleiben soll und wird die Einmaligkeit eines Monsterverbrechens, die keine Einmaligkeit ist. Es handelt sich also um einen politischen Akt der Manipulation. <

Genau. Und das ist ja nun auch nichts Neues. Was mich an solchen Diskussionen - und auch TV-Beiträgen und -"Talkshows" - massiv stört, ist der Umstand, daß dadurch Denkmuster entstehen, die wieder genau dazu führen können, was diese Art "Aufbereitung" der Geschichte ja eigentlich und angeblich verhindern soll.

Was die Denkmuster angeht, da haben wir:

- die politische "Elite", die sich arrogant erdreistet, ihre Ernährer, das Volk, moralisch zu erpressen, um in diesem Windschatten "Politik" zu machen,
- die Relativerer, die - je nach Mentalität heulend oder aggressiv - darauf hinweisen, daß ja auch der Ami, und der Russe und Mao ... und überhaupt...
- die Deutschphobiker, für die blonde Haare und alles, was irgendwie deutsch sein könnte, verdächtig und "rechts" ist und igittpfuibäh
- die Unbelehrbaren, für die das alles damals noch heute in Ordnung geht
- die Antisemiten, die entweder dazu stehen oder aber neue Ausreden für das alte Übel erfinden, um sich und ihrer Umwelt besser einen vom Pferd erzählen zu können.
- schlußendlich der Teil der Bevölkerung - m.E. die große Mehrheit -, der das alles nicht mehr hören kann oder nur noch gleichgültig/abgestumpft wahrnimmt, sich aber nicht muckt, weil er entweder a)Angst vor Mobbing hat oder b) aus Verunsicherung sich kein Urteil erlaubt.

Wenn das die Bilanz nach 70 Jahren Vergangenheitsbewältigung sein soll - gute Bilanzen sehen für mich anders aus. Denn zielführend ist das alles nicht. Und mglw. soll es das auch gar nicht. Und darin läge dann der eigentlich Skandal.

Nein, statt zu relativieren, sich zu beklagen oder sich vom Kern des Problems sonstwie ablenken zu lassen, sollten wir - dies mein Vorschlag - das Problem "Vergangenheitsbewältigung" mit anderer Sichtweise herangehen - und eben nicht bei der "Erinnerung" und den damit verbundenen moralisch aufgebrezelten Sprücheklopfereien stehenbleiben. Wir sollten weiterführende Fragen stellen. Fragen an die Politik. Auch an den Wahlkreisabgeordneten.

Wenn sich 1933-45 nicht wiederholen darf:

- warum dulden wir (bzw. Sie, Herr/Frau Abgeordnter/Minister) dann Leute in unseren Parlamenten, die von "Systemüberwindung" schwafeln und damit die Demokratie meinen, die sie "überwinden" wollen?
- warum haben wir dann ein Grundgesetz, das jederzeit ein sanftes Übergleiten in eine Diktatur ermöglicht? (ich verweise auf meine vergleichende Betrachtung von drei verschiedenen Verfassungen im Weblog -> https://kjschroeder.wordpress.com/2014/09/21/1339/
- warum wird das Volk innerhalb der vier Jahre einer Legislaturperiode vom Einmischen in die Politik (per Volksentscheid zB.) ausgesperrt, womit der Staat praktisch während dieser Zeit eine Art Blankoscheck hat - wie weiland die Nazis?
- warum bauen wir und strukturieren den Staat nicht möglichst freiheitlich (dezentral, effiziente, schlanke Verwaltung) um, um auf diese Weise so viele Gegenpole und Hindernisse zum Aufkommen einer potentiell erneuten Diktatur zu schaffen?
- warum räumen wir dann dem Staat immer mehr Macht in (jüngstes Bsp.: die Mindestlohnpolizei) statt weniger, wie es richtig wäre?
- warum bleiben wir beim "Erinnern" stehen und fragen uns nicht, wie ein Staat und wie Politik aussehen und organisiert sein soll, damit sich das nicht wiederholen kann?

Wovor hat die heutige Politik hier Angst bzw. zeigt Unwillen? Warum tut sie nichts in dieser Richtung? Warum wird es von Medien nicht eingefordert?

Ich hab darauf eine Antwort. Sie auch? Vielleicht sogar dieselbe? Wenn ja: Genau deswegen sollten wir, die Bürgerlich-Liberalen, hier einhaken.

Die o.a. Dinge sind jedenfalls m.E. die angesagten Fragestellungen zu dem Thema. Was meinen Sie?

Gruß
Klaus


bonzenwatch  
bonzenwatch
Beiträge: 15
Registriert am: 28.12.2012

zuletzt bearbeitet 17.05.2015 | Top

RE: Vergleichen was nicht vergleichbar ist

#4 von Thomas Gaertner , 16.08.2015 18:35

Zitat von Robert Gruner im Beitrag #1
Heute am 05.05 um 20:15 im ZDF.

Eine Dokumentation, die aufzeigt, das Verbrechen an Zivilisten nicht nur von den Nazis und den "bösen Russen" sondern durchaus auch von den Amerikanern begangen wurden.

http://www.zdf.de/zdfzeit/verbrechen-der...r-38240014.html


na, das ist ja eine Überraschung was Sie in Ihrem Beitrag schreiben: Verbrechen an Zivilisten gab es
auch von Russen und Amerikanern - nur nicht von Deutschen? Muß ein eigener Volksstamm sein,
diese Nazis...

Thomas Gärtner


Thomas Gaertner  
Thomas Gaertner
Beiträge: 151
Registriert am: 24.05.2015


RE: Vergleichen was nicht vergleichbar ist

#5 von Gelöschtes Mitglied , 17.08.2015 09:23

Zitat von Hannelore Mohringer im Beitrag #2
... Sein Bericht ist eine Variante der Indoktrinierung des Verdiktes von der Gleichheit der Menschen, dieser Grundlage aller Fehlentscheidungen der aktuellen Politik, der wir ununterbrochen ausgesetzt werden.

Hannelore Mohringer

________________________________________



Ich verstehe nicht, was Sie unter "Verdikt von der Gleichheit der Menschen" verstehen.

Ist ein im afrikanischen Busch geborenes schwarzes Baby anders, als ein in Deutschland geborenes weißes Baby, sieht man von den äußeren Merkmalen mal ab?


RE: Vergleichen was nicht vergleichbar ist

#6 von Thomas Gaertner , 17.08.2015 09:42

Zitat von Hannelore Mohringer im Beitrag #2
echten Flüchtlingen aus fremden Welten


was denn für fremde Welten? Ich dachte, wir alle würden auf dieser Welt, der Erde, leben.

Thomas Gärtner


Thomas Gaertner  
Thomas Gaertner
Beiträge: 151
Registriert am: 24.05.2015


RE: Vergleichen was nicht vergleichbar ist

#7 von Thomas Gaertner , 17.08.2015 09:51

Gute Stimmung herrschte gestern im Asylbewerberheim im Villinger Wohngebiet Erbsenlachen. Die Flüchtlinge haben für die ehrenamtlichen Helfer gekocht. Die gute Laune war bei allen Beteiligten zu spüren.

http://www.suedkurier.de/region/schwarzw...t372541,8076381


Schade daß Sie es regelmäßig vermeiden, die jeweiligen Originaltext des Südkuriers
zu verlinken. So ist man einmal mehr Ihrer Polit-Selektion ausgeliefert.

Thomas Gärtner


Thomas Gaertner  
Thomas Gaertner
Beiträge: 151
Registriert am: 24.05.2015


RE: Vergleichen was nicht vergleichbar istDas Jahr ist noch jung und schon besudelt von all dem Blutvergießen; Unsicherheit und

#8 von Thomas Gaertner , 17.08.2015 09:59

Zitat von Hannelore Mohringer im Beitrag #2


Gleichzeitig wird Vergleichbarkeit der innerdeutschen Flüchtlinge mit Armuts- und Kriegsflüchtlingen aus fremden Welten beschworen. Es liegt nahe, daß diese Gleichzeitigkeit als nicht zufällig zu betrachten ist, der Verdacht also naheliegt, daß die unverhältnismäßige Aufnahmewilligkeit fremder Menschen politisch gewollt und weniger ein Akt der Barmherzigkeit ist, wie die offiziellen Appelle weismachen wollen.




Das Jahr ist noch jung und schon besudelt von all dem Blutvergießen; Unsicherheit und Furcht vor Terrorismus dominieren die öffentliche Debatte, Angst und wirtschaftliche Unzufriedenheit schüren Extremismus jeglicher Art. Eine wachsende Anzahl von Menschen wenden sich Populisten und Fremdenhassern und – in einigen extremen Fällen – der Gewalt selbst zu.

Diese Entwicklung beeinträchtigt das Leben von Flüchtlingen und anderen gewaltsam Heimatvertriebenen in erheblichem Maße. Sie flüchten vor dem Trauma zuhause, und in ihren Exilorten erwartet sie Feindseligkeit: Sie sind die Sündenböcke für eine Reihe von Problemen, vom Terrorismus bis zur Wirtschaftskrise, und ihre Gastgeber empfinden sie als Bedrohung der eigenen Lebensweise, nennen sie illegale Migranten, Kriminelle oder Schlimmeres.

Bei all der aufkommenden Panik jedoch dürfen wir eines nicht vergessen: Die größte Gefahr sind nicht die Flüchtlinge, sondern die Flüchtlinge selbst sind in größter Gefahr. Menschen, denen Asyl gewährt wird, sind per Definition Überlebende grausamer Verfolgung und Gewalt. Viele von ihnen sind unter äußersten Strapazen und Gefahren in die Sicherheit geflüchtet – auf riskanten Nebenwegen durch Kriegsgebiete, gezwungen, sich in die Hände von Schmugglerringen zu begeben, um über Grenzen zu kommen, und Raubüberfällen von Banditen und Piraten ausgesetzt.

Im vergangenen Jahr flüchteten fast 220 000 Menschen in unsicheren Booten über das Mittelmeer – mehr als dreimal so viele Menschen wie während des libyschen Bürgerkriegs 2011. Deutliche Steigerungen waren auch im Golf von Aden, in Südostasien und in der Karibik zu verzeichnen, mit weltweit 360 000 Menschen, die über den Seeweg flüchteten.

Eine Folge dieser Entwicklung: Mehr als 4300 Menschen wurden im vergangenen Jahr auf See als tot oder vermisst gemeldet, die tatsächliche Zahl ist wahrscheinlich erheblich höher. Unzählige andere wurden von Schmugglern misshandelt und geschlagen, oder sie wurden gekidnappt und gezwungen, für Schmuggler-Ringe zu arbeiten. Und nun kämpfen Flüchtlinge mit der wachsenden Feindseligkeit in den Ländern, die sie für Schutzorte hielten.

Natürlich sollen die sicherheitsrelevanten Herausforderungen für die Asylländer nicht geleugnet werden, die die großen Flüchtlingsströme mit sich bringen, die wiederum der Gewalt und Unsicherheit andernorts geschuldet sind. Es gibt immer ein Risiko, und meine Organisation* achtet darauf sehr genau. Aber die Flüchtlinge suchen keine Konflikte, sie fliehen vor ihnen. Flüchtlinge wie eine Bedrohung zu behandeln anstatt sie als Menschen in Not zu sehen, ist unmenschlich, uneffektiv und kontraproduktiv. Menschen, die mit einer Flucht ihr Leben retten wollen, kann man nicht davon abhalten, ohne dass sich die Situation weiter zuspitzt.

Im heutigen Klima der Angst müssen wir uns auf die größten Bedrohungen konzentrieren - auf die Bedrohung von Flüchtlingen und deren Familien. Wenn wir verhindern wollen, dass sich diese Bedrohungen vermehren und ausbreiten, müssen wir die Vorausstzungen schaffen für eine friedliche Rückkehr in die Heimatländer. Das tun wir, indem wir Schutz und Unterstützung bereitstellen und indem wir Menschen helfen, nicht nur zu überleben, sondern sich entwickeln zu können.

Über 51 Millionen Menschen weltweit wurden aus ihrer Heimat vertrieben, mehr als je zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg. Immer mehr Konflikte, Menschenrechtsverletzungen und Heimatlosigkeit, dazu Klimawandel, Bevölkerungswachstum, Verstädterung in Kombination mit Arbeitslosigkeit und Ernährungs- und Wassergefährdung, haben ganze Gemeinwesen gegen ihren Willen entwurzelt. Dies ist mehr als eine unangenehme Statistik, es ist eine Herausforderung, die die Kapazitäten des humanitären Hilfssystems breits überschritten hat – und die allen Anzeichen nach immer größer wird.

Unsere Reaktion auf diese Herausforderung allerdings war bestenfalls mittelmäßig und im schlechtesten Fall jämmerlich unzureichend. Humanitäre Hilfsaktionen sind massiv unterfinanziert, sowohl im Bereich der Grundbedürfnisse als auch im Bereich der Vorsorge gegen die Abwanderung, wie zum Beispiel im Bereich der Bildung.

Manche Regierungen versuchen, ihre Grenzen dicht zu machen („lock up shop“) und investieren in Abschreckung, führen „Pushback-Operationen“ durch und verhaften automatisch die Asylsuchenden, darunter auch Kinder. Italiens großmütige Operation „Mare Nostrum“, bei der über 160 000 Menschen auf hoher See gerettet werden konnten, ist gerade ausgelaufen – und die EU plant keinen Ersatz zusätzlich zu den Grenzkontrollen, die im November 2014 im Rahmen der „Triton Operation“ eingeführt worden sind. Viele Menschen werden deshalb ihr Leben verlieren.

Die Konzentration auf Grenzkontrollen wird das Problem nicht lösen. Regierungen haben zwar die Pflicht, Einwanderung zu kontrollieren, aber die Politik muss sicherstellen, dass verlorene Menschenleben nicht zum „Kollateralschaden“ abgewertet werden.

Die Art und Weise, wie wir mit Bevölkerungsbewegungen umgehen, wird unser Jahrhundert grundlegend prägen, mit Auswirkungen auf die nächsten Generationen. Um diese Thematik zu bewältigen, muss Migration für die Menschen zu einer Option werden anstelle einer überlebenswichtigen Notwendigkeit. Wir müssen unser Augenmerk viel mehr auf die Ursachen von Vertreibung legen, müssen die Konfliktprävention forcieren und Entwicklungspolitik mit menschlicher Mobilität verlinken.

Und wir müssen die Erst-Antragsländer und die Transitstaaten unterstützen. Meist bleiben Menschen lieber näher an Zuhause, aber die Nachbarländer sind zunehmend überfordert und es mangelt ihnen an Handlungsmöglichkeiten. So ist es kein Wunder, dass Flüchtlinge immer weiter weg gehen.

Arme Staaten weltweit beherbergen im Moment fast 90 Prozent der Flüchtlinge – und leiden unter der Last. Mit dem Ergebnis, dass manche sich extremer Mitteln bedienen, um Flüchtlinge fernzuhalten – nicht aus fehlender Großzügigkeit, sondern weil sie den Notstand nicht länger alleine bewältigen können. Trotzdem werden ihre Hilferufe nicht gehört. Das ist nicht länger vertret- und hinnehmbar.

Genauso wichtig ist es, den Flüchtlingen Hoffnung für die Zukunft zu geben, die Möglichkeit, ihre Leben wieder aufzubauen und etwas zur Gemeinschaft beizusteuern. In einer Welt mit mehr als 50 Millionen Vertriebenen, von denen viele jahrelang weit weg von zuhause leben werden, reichen Zelte nicht aus. Menschen brauchen

die Möglichkeit zu lernen, Arbeit zu finden und sich in die Gesellschaft zu integrieren – sonst werden sie ausgeschlossen oder abhängig von Hilfe – oder sind der Ausbeutung, dem Missbrauch und der Versuchung einer Radikalisierung ausgesetzt.

Der wachsende und irrige Fokus auf die Bedrohung, die von Flüchtlingen ausgeht – anstelle der Bedrohung der Flüchtlinge selbst – hat enorm schädliche Auswirkungen. Diese Sichtweise verzögert die Rückkehr zu Frieden und Wohlstand in ihren Heimatländern, was wiederum die Rückkehr der Flüchtlinge möglich machen würde. Sie nährt die Angst und die Ressentiments – mit negativen Konsequenzen für alle. Und es besteht die Gefahr, dass diese Sichtweise eine „Self-fulfilling-Prophecy“ wird, die genau das Problem, das sie zu vermeiden sucht, erschafft, statt dessen Ursache zu bekämpfen.

Seit Jahrhunderten flüchten Menschen vor Unsicherheit: Der Zustand der Welt lässt keine Hoffnung zu, dass sich dies bald ändern wird. Wie Länder mit den Bedürfnissen jener umgehen, die innerhalb ihrer Grenzen Schutz suchen, ist ein Gradmesser der Kraft dieser Länder und wird eine entscheidende Rolle dabei spielen, wie dieses Jahrhundert, das so schlimm begonnen hat, ausgeht.

Bei komplexen Problemen ist es oft das Beste, zurückzugehen zu den Grundprinzipien: Leben schützen, Menschenrechte würdigen, Toleranz fördern und Vielfalt wertschätzen! Nach den niederträchtigen Anschlägen auf ein Satire-Magazin in Paris gingen Mitte Januar dieses Jahres Millionen von Menschen auf die Straße, um genau diese Ideale zu verteidigen. Ihnen müssen wir zuhören.

Die Sicherheit und den Wohlstand unserer Gesellschaften zu gewährleisten, steht nicht im Widerspruch zu diesen Prinzipien. Genau genommen bedingen sie sich gegenseitig. Wir dürfen denen, die Hass hegen, nicht erlauben, unsere Überzeugungen zu unterminieren.

Die Art, wie wir vertriebene Menschen behandeln, markiert die Frontlinie im Kampf der Ideale. Sie wird eine entscheidende Rolle spielen bei der Frage, ob wir nach den schrecklichen Tragödien der vergangenen Jahre eine Wende herbeiführen und anhaltenden Frieden schaffen können. Doch wir werden es nie schaffen, Konflikte zu beenden, wenn wir die Opfer dieser Konflikte als deren Ursache missverstehen.


Thomas Gärtner

(ich bin nicht der Autor dieses Artikels)


Thomas Gaertner  
Thomas Gaertner
Beiträge: 151
Registriert am: 24.05.2015


   

Bayern vor der Kommunalwahl

Xobor Einfach ein eigenes Xobor Forum erstellen