RE: Meinungsfreiheit

#26 von huhngesicht , 09.01.2013 11:09

Zitatund beleidigen ihn weil leidenschaftlich (Charakter) das Duemmliche widerlegen wollend, ist dann die sachliche Schablone - weil voraussetzend - schlecht?


Es macht die sachliche Schiene unglaubwürdig oder schadet ihr zumindest, ganz einfach. Jemanden zu beleidigen ist keine Voraussetzung oder Bedingung, eine andere Meinung zu vertreten. Sondern einfach eine schlechte Angewohnheit.

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Mein Beispiel sollte kein Plaedoyer fuer Beleidigungen sein. Ich halte das ebenfalls fuer falsch, weil es Diskussionen ersticken kann. Ich wollte nur verdeutlichen, dass eine Beleidigung so harmlos ist, dass sie keinen Grund darstellt, die Meinungsfreiheit zB mittels Gesetzen zu beschneiden. Gleichzeitig duerfen falsche Meinungen in der Sache aber frei vertreten werden.
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ZitatWenn aber jemand freundlichst und mit serviler Semantik (Charakter) Bachblueten verkaufen will, sei es, weil er sie nur uebervorteilen will (nur Charakter) oder gar wirklich der Meinung ist, dass das ein wirksames Medizinprodukt ist (Intellekt,Sache) nicht viel schwerwiegender?


In Bezug worauf?

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Auf die potentiellen Konsequenzen. Mein Beispiel hier ist sogar ganz gut. Nehmen wir an, jemand ist an Krebs erkrankt und ein Wunderheiler erklaert ihm, er braeuchte keinen Arzt sondern nur Bachblueten. Dass das schwerwiegender sein kann als zB ein harmloses "Arschloch" ist selbsterklaerend.

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RE: Meinungsfreiheit

#27 von kjschroeder , 09.01.2013 23:36

Zitat
Vielleicht ist das daher, weil ich mit McLuhan darin folge, dass man das Medium von der Message nicht trennen kann. Beschneite ich also den Übertragungsweg, das -Instrument oder dessen Form, so beschränke ich unter Umständen sogar im Wesen die Inhalte.



Ich weiß nicht. Tut er das (ohne es einzugestehen) nicht selber mit seinem späteren, auf den Rezipienten bezogenen Hinweis auf "massage" statt "message"?

Ich bin ihm (ist ne Ewigkeit her ich mußte erst wieder nachgucken) in einigen Punkten gefolgt:
- "Global Village" als Umschreibung fürs Internet? Brillant. Den Charakter mit den sich damit verbindenden Möglichkeiten zutreffend erkannt.
- Jeder kann ein Star sein (für kurze Zeit). Yepp - Casting Shows und YouTube zeigen es.
- Menschen kehren ihre "Weichteile" nach außen. Auch das greift - sieht man an den Handytelefonaten über Beziehungsprobleme in der U-Bahn.

Aber er hat auch geirrt:
- Wir nehmen an allem teil, ob wir wollen oder nicht. Falsch. In Darfur z.B. sind Millionen Menschen verreckt, wen hat es aufgerüttelt, wer hat dran "Teil genommen" oder besser "Anteil genommen"? Viel zu wenige, hier in D. war Darfur kein Thema. Und warum? U.a., weil es für jeden Beobachter dort zu gefährlich war - Darfur fand im Netz schlicht keinen Niederschlag. Hier haben wir einen Schwachpunkt in seiner Argumentation weil er die Möglichkeit des BEWUSSTEN Auslassens von moderner Technik ausblendet. Ich befürchte aber, daß genau DAS das bestimmende Mittel sein wird, um unbequeme Wahrheiten zu verschweigen. Durch Weglassung. So, wie es eigentlich schon immer war.
- Seine Gegnerschaft (um es vorsichtig auszudrücken) zum Schrifttum, welches den Menschen seiner mysthischen Anlagen beraubt habe, die er durch moderne Technik wieder erlangt. Aber: Was machen wir hier im Forum? Wir schreiben. Schrift. Wir denken nach wie vor linear, nicht in patches oder Gedankenmosaiken.

Ich glaube, das Problem liegt in dem Wörtchen "Zweck". Welchen Zweck verfolge ich womit? Ein einfaches Beispiel: Man kann seine Thesen als "message" durchaus losgelöst von ihm als "Medium" sehen und auf ihre Logik, ihren Gehalt hin analysieren. Das geht. Wenn man nämlich dies zu dem Zweck tut, zu sehen, ob die Argumente tragen. Schnappe ich mir jedoch seine Thesen zu dem ZWECK eine Biografie über ihn zu schreiben, dann muß ich mich schon mit ihm selber als Person, als Medium beschäftigen. Mit seinem Katholizismus zum Beispiel, der dafür sorgt, daß einiges von ihm mit quasi-religiösem Unterton daherkommt. Das sagt nichts über die intellektuelle Tragfähigkeit der Argumente aus, wirft aber ein anderes Licht auf sie.

Und in einem Punkt irrt McLuhan m.E. komplett: Nämlich in der Überzeugung, medientechnischer Fortschritt sei PER SE identisch mit "gut" und "Ratio". Zahlreiche TV-Dummen-Sendungen, die es früher nicht gab, zeugen fast schon vom Gegenteil, jedenfalls von der Möglichkeit dahin.

Gruß
Klaus

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