"Besessen von der deutschen Kriegsschuld"

#1 von weihrauch , 27.10.2013 16:33

...so die Schlagzeile der linken "Welt".
Für Zeitgenossen, die von der alleinigen Schuld Deutschlands nicht nur des WK II sondern auch WK I überzeugt sind, dürfte der Auftritt eines australischen Historikers enttäuschend sein.
Ach was - trösten wir uns damit, daß er die alleinige Kriegsschuld Deutschlands relativiert und somit den linken deutschen Zeitgenossen den Spaß verdirbt.
"Nur in Deutschland wird mir vorgeworfen, ich wäre deutschfreundlich", entlarvt Clark die deutsche Nabelschau.
Fünf "namhafte" deutsche Historiker versuchten daraufhin, zu retten was noch zu retten ist - die Orthodoxie, um die jahrelang gekämpft wurde, durfte nicht angetastet werden.
Zum Schluß konnten sie auch nur noch drohen: "ob der keine Angst davor hätte, daß sein Buch als Balsam für die deutsche Seele verstanden werden könnte"

Das Thema passt eigentlich auch zu den hier laufenden Diskussionen. Das Thema WK II scheint langweilig zu werden, da konzentriert man sich schon lieber auf den WK I, dessen Beginn sich im nächsten Jahr zum hundertsten Male jährt.
Gauck wird händchenhaltend in Frankreich hausieren und ein paar Tränen vergießen - die BRD-Medien ihren Beitrag dazu leisten.

Unbelehrbare wie "weihrauch" als Spaßbremse auftreten - da ist es doch tröstlich, daß mindestens 2 Teilnehmer dieses Forums eisern an der Geschichtslegende festhalten.

http://www.welt.de/geschichte/article121...iegsschuld.html


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RE: "Besessen von der deutschen Kriegsschuld"

#2 von JoG , 27.10.2013 19:01

Was wollen Sie damit sagen? Dass Deutschland Polen nicht überfallen hat? Oder, dass der Kaiser zauderte ob er in den Krieg ziehen sollte?

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RE: "Besessen von der deutschen Kriegsschuld"

#3 von kjschroeder , 27.10.2013 19:22

Ich fände es sinnvoller, sich mit den Thesen Clarkes zu beschäftigen und nicht die message zu verteufeln, nur weil einem der messenger nicht paßt.

Ein schönes Beispiel, warum McLuhan sich geirrt hatte. ;-)


Gruß
Klaus

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RE: "Besessen von der deutschen Kriegsschuld"

#4 von weihrauch , 27.10.2013 19:26

Zitat von JoG im Beitrag #2
Was wollen Sie damit sagen? Dass Deutschland Polen nicht überfallen hat? Oder, dass der Kaiser zauderte ob er in den Krieg ziehen sollte?


Von Polen war 1914 noch garnicht die Rede - es existierte nicht.
Erst Deutschland sorgte dafür, daß Polen wieder entstand und souverän wurde.
Hätte das Kaiserreich allerdings vorher gewußt, wie Polen dies danken würde, wäre Warschau vielleicht noch heute die westlichste russische Großstadt.

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RE: "Besessen von der deutschen Kriegsschuld"

#5 von Marie , 27.10.2013 19:45

Gehört mit zum Thema und ist sehr sehenswert -> http://www.youtube.com/watch?v=-AxVlo8CRAE

Interview mit Christopher Clark zur Biographie "Wilhelm II." / 9:14

Der Mann spricht auch hervorragend Deutsch und wenn er in dem Tempo weiterarbeitet ... darf man gespannt sein!

Gruß,
Marie

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RE: "Besessen von der deutschen Kriegsschuld"

#6 von JoG , 27.10.2013 20:59

Um die Wahrheit zu sagen, habe ich es einfach unter selektive Auswahl eines ärgerlichen Esoterikers des natuonalenDeutschtums eingeordnet. Hängt vielleicht auch damit zusammen, dass mir seit früher Kindheit die Entwicklung der Kriege aus allerlei historischer Sicht erzählt wurde und dass die hier angedeutete Sicht eine war, die man aus der Ecke des aktuellen Erzählers zu erwarten wäre.

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RE: "Besessen von der deutschen Kriegsschuld"

#7 von weihrauch , 27.10.2013 21:01

Zitat von Marie im Beitrag #5
Gehört mit zum Thema und ist sehr sehenswert -> http://www.youtube.com/watch?v=-AxVlo8CRAE

Interview mit Christopher Clark zur Biographie "Wilhelm II." / 9:14

Der Mann spricht auch hervorragend Deutsch und wenn er in dem Tempo weiterarbeitet ... darf man gespannt sein!

Gruß,
Marie


Dieses Interview ist ja richtig Balsam für die geschundene deutsche Seele.
Ich würde sagen - Clark wird neuer Bundespräsident und Gauck schicken wir zu den Kängeruhs

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RE: "Besessen von der deutschen Kriegsschuld"

#8 von kjschroeder , 28.10.2013 06:27

Das ist eine nachvollziehbare und verständliche Haltung. Ich hatte sie auch praktiziert. Aber ich weiß längst, daß sie falsch ist. Was nicht heißt, daß ich diesbezüglichen Versuchungen nicht mehr erliegen würde. Denn es sind ja Versuchungen, immer an das zu glauben, was man einmal als wahr und richtig angesehen hat und immer das zu kritisieren, was man einmal für falsch und schlecht gehalten hat. Weil es bequem ist, sich so einzurichten, und weil der Mensch nunmal bequem ist.

Wie gesagt: mir ging das auch so. Nun mußte ich wegen meines damaligen Jobs, der damals noch ernst genommen wurde, immer zwei Seiten nicht nur hören, sondern auch beschreiben bzw. senden. Für diesen Zwang zum "Cross-checking", zur Gegenrecherche, bin ich noch heute dankbar. Denn man kommt damit auch anderweitig recht gut durchs Leben (allerdings nicht bequem ... ;-) Im heutigen Journlaismus gibts das nicht mehr, wie es scheint, weil man ganz sicher zu sein glaubt, Dinge zu wissen. Was dabei rauskommt, läßt sich am Beispiel CO2 und Energiepolitik recht gut beobachten.

Jedenfalls habe ich mir angewöhnt, ganz grundsätzlich Inhalte anzusehen unabhängig davon, wer sie gerade äußert. Das wird häufig schwierig, weil bei einer Urteilsfindung i.d.R. ja noch andere Parameter, wie z.B. Glaubwürdigkeit, eine Rolle spielen. Aber auch der Glaubwürdige, den man sympathisch findet, kann irren. Und umgekehrt kann auch ein blindes Huhn .... aber den Spruch kennen Sie sicher. ;-)

Was nicht heißen soll, daß ich dem britischen Historiker vorbehaltlos zustimme. Das kann ich gar nicht, weil ich das bewußte Buch noch nicht kenne. Für mich bedeutet es im Moment nur, daß da jemand eine andere, interessante Sichtweise hat. Und der Diskurs der Fachleute wird - hoffentlich - die Inhalte vertiefen.

Gruß
Klaus

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RE: "Besessen von der deutschen Kriegsschuld"

#9 von JoG , 28.10.2013 08:12

Das ist sicherlich alles wahr und war es auch zu diesem Thema einige Male in der Vergangenheit. Jedes Mal galt es diese oder jene neue Sau zu beschauen. Und all diese Säue bedeuten natürlich nicht, dass nicht diese DIE SAU ist.

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RE: "Besessen von der deutschen Kriegsschuld"

#10 von JoG , 28.10.2013 08:30

Was ich ausließ war -es kam ein Anruf und ich drückte "Senden"-, dass man durch mehrere Male auch informaler Beschäftigung mit dem Thema einen weiteren Eindruck von den gesellschaftlichen Systemen, Charakteren, Glaubensinhalten, Wertesystemen oder Informationsständen uam erhält. Da hat man ein mehr oder weniger schlüssiges Bild, das in ungefähr erklärt, wie sich das entwickelte. Das ist nicht exakt und braucht in keinen einzigen Punkt genau zu stimmen. Es ist aber, da so viele einzelne Dinge ineinandergreifen ein dennoch ziemlich stabiles Erklärungsmodell, das auszuhebeln es ziemlich viele Indizien bedarf.

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