Revolution!

#1 von horstR , 04.10.2013 10:47

Ich habe einen revolutionären (vielleicht nicht ganz durchdachten) Gedanken.

Warum schafft der Staat nicht sämtliche Steuern und Abgaben gänzlich ab? Keiner bekommt noch was ob gerecht oder ungerecht abgenommen und der Staat erfüllt sämtliche Aufgaben mit frisch gedrucktem Geld.

Finanzämter nur noch als Auszahlungstellen, keine Staatsschulden u Zinsen mehr, Medizin und Rente in beliebiger Höhe bezahlbar, keiner hat mehr Hunger geschweige denn unnötige Krankheiten.

Aber vor allem: uns werden viele unsägliche Talkshows mit sinnleeren Auseinandersetzungen Neid gesteuerter Protagonisten erspart....


MfG

HR

Schluss mit lustig, was kommt nach der Boygroup?

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RE: Revolution!

#2 von kjschroeder , 04.10.2013 14:05

Zitat
Warum schafft der Staat nicht sämtliche Steuern und Abgaben gänzlich ab?



Weil Steuern und Abgaben hier in Deutschland nicht einfach nur Finanzierungsmittel sind, sondern auch Machtmittel. Von sich aus wird der Staat sowas nie machen, und allein der Gedanke, dies in den Bereich des Möglichen zu sehen, erscheint mir doch arg staats- und obriogkeitsgläubig im Sinne von: Glauben an den guten Papi Staat. Aber das ist er nicht. Politiker haben präzise an einer Sache richtiges Interesse: an Macht. Die werden sie nicht kampflos abgeben (wie dieser Kampf dann aussieht, ist dann eine andere Geschichte: Er kann blutig verlaufen oder auch zivilisiert - je nachdem, auf welchem Entwicklungsstand sich eine Gesellschaft befindet.)

Anders gesagt: Die Frage muß aus meiner Sicht lauten: Warum dringen nicht wir als Bevölkerung darauf? (Denn nur DANN hätte das auch Chancen auf Realisierung)

Abgesehen davon halte ich die eigentlichen Probleme damit längst nicht für gelöst. Das Hineinregieren in immer mehr Lebensbereiche z.B. hättest Du mit einer Lösung Deiner oben angeschnittenen Frage noch nicht mal angekratzt. Denn der Staat könnte auch nach der Abschaffung von Steuern und Gebühren (bei Drucken von "frischem" Geld) uns fröhlich weiter mit Vorschriften piesacken. (abgesehen von der Inflationsgefahr, die auch noch gar nicht erwähnt wurde beim Drucken von "frischem" Geld).

Meines Erachtens werden wir nicht umhin kommen, uns über die Aufgaben eines Staates zu unterhalten und seine Grenzen, ab der er uns gefälligst in Ruhe zu lassen hat. Das sind ganz grundsätzliche Fragen, die hier zu klären wären - unser deutsches Demokratie-Unverständnis inbegriffen.

Der 3. Oktober, unser Nationalfeiertag, sollte dafür ein guter Anlaß sein.

Gruß
Klaus

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RE: Revolution!

#3 von Willik , 05.10.2013 03:31

"L'état c'est moi!"
Dieser Spruch wird jedem neuen Bundestags§$%&/( auf den A.... tätowiert, wußten Sie das wirklich nicht?
Jeder Versuch, dieses zu ändern wird leider vor dem Hintergrund immer wahrscheinlicher werdender Wahlbetrügerei scheitern wie der Letzte!


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RE: Revolution!

#4 von kjschroeder , 05.10.2013 15:16

Nein, und das glaube ich auch nicht. Formulieren sie spaßeshalber mal den Satz mit dem Tätowieren nicht passiv, sondern aktiv: Wer tätowiert denn da? Wenn man nicht Verschwörungstheorien nachhängt, merken Sie, daß das nicht so einfach wird.

Ich hänge da einem anderen Gedanken nach. Es gibt von Schäuble ein Interview mit der "Welt", in dem er sagt, und zwar vom Interviewer unwidersprochen: "Der Wunsch nach einem fürsorgenden Staat ist sehr stark." (Hier das Interview im Original)

In die gleiche Kerbe hieb unlängst Gauck mit seiner Rede zum 03. Oktober, indem er wie bei Politikern üblich das Internet zur monströsen Gefahr aufbauschte, um dann zu sagen: "Wir brauchen also Gesetze, Konventionen und gesellschaftliche Verabredungen, die diesem epochalen Wandel Rechnung tragen. Gerade in Demokratien muss Politik schon reagieren, wenn ein Problem erst am Horizont auftaucht." (Quelle)

Auch hier zeigt sich wieder der (vermeintlich) fürsorgliche, paternalistische Grundgedanke, wofür ein Staat da zu sein habe. Auch diesem Interview wurde nicht widersprochen. Entweder, weil es eh keinen juckt. Oder weil Kritiker aufgegeben haben. Oder - jetzt kommt's - weil diese Sichtweise auf mehrheitliche Zustimmung stößt.

Letzterer Punkt sollte uns nachdenklich machen. Würde er stimmen, würden die Deutschen nach wie vor Gefahr laufen, lieber Untertanen zu sein als mündige und damit eben auch selbstbewußte Bürger.

Wenn wir mit dieser Haltung nicht einverstanden sind, weil wir eine freiheitliche bevorzugen, dann liegt es an uns, die Bevölkerung zu überzeugen. Jeder in seinem Umfeld - die Verwandten, Freunde, Bekannten, Arbeitskollegen.

Das aber funktioniert nach aller Erfahrung nicht mit Schimpfen, sondern damit zu sagen, wie es besser laufen könnte.

Was wäre z.B. eine Alternative zur EU? Oder: Wie ließe sich - horstR sprach es bereits an - der Schuldenberg ohne Steuererhöhungen abbauen? Oder: Was ist mit der Europäischen Menschenrechtskonvetion los, daß der Briten-Premier aus diesem Vertrag austreten will?

Kurz: Ich glaube, es ist besser über Alternativen zu reden. Denn zum Schimpfen ist mir täglich derart häufig zumute, daß mir mittlerweile die Lust an der Beschäftigung mit Politik vergeht. Und das kann ja nun auch nicht Sinn der Sache sein, oder?

Gruß
Klaus


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RE: Revolution!

#5 von JoG , 05.10.2013 20:22

Das ist wohl richtig. Die Neigung hier ist dahin Fürsorge von Staat zu erwarten und im Gegenzug Unterordnung zu akzeptieren. Das Problem ist, dass das eine Grundlage für Demokratie ist, die der sprichwörtlich auf Sand gebauten Kirche entspricht. Das verbunden mit einer offensichtlich kriminellen Energie von Politikern, die bereits auf Probleme reagieren bevor sie überhaupt möglich sind wie beim Euro und sie damit schaffen um eigene Interessen durchsetzen zu können in der herbei organisierten Krise, ist dann wirklich gefährlich.

Da muss man wirklich Alternativen besprechen. Aber das wird schwer durchzusetzen gegen die gängigen Interpretationen der Richter und gegen machtbesessene Politiker wie Schäuble, die nunmehr das Militär gegen Demonstranten einsetzen können, sobald man sie als Terroristen entlarvt hat.

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RE: Revolution!

#6 von kjschroeder , 06.10.2013 21:29

Zitat
Da muss man wirklich Alternativen besprechen. Aber das wird schwer durchzusetzen



Politik war hierzulande schon immer das Bohren der ganz dicken Bretter. Das liegt natürlich auch an einer gewissen geistigen Unbeweglichkeit der Bürger. Wobei ich das ausdrücklich nicht als Kritikpunkt verstanden wissen will, sondern als Resultat eines mentalen, psychischen Selbstschutzes einerseits - begründet in einem tiefen Mißtrauen gegenüber staatlichen Institutionen, vor allem aber der Arbeitsweise, deren Gesetzesdschungel und Organisastion keiner mehr blickt. Und zum andern auch als Ausdruck einer Desorientierung - schließlich hat kein anderes Land derart viele Systeme in den vergangenen 100 Jahren durchlebt wie wir.

Was zur Folge hat, daß langsam aber sicher das Wissen um Zusammenhänge verloren geht. Daß Freiheit zwingend wirtschaftlichen und sonstigen Wettbewerb beinhalten muß, weil wir sonst keine Auswahlmöglichkeiten mehr haben. Weder bei Konsumgütern noch in Wissenschaft und Kunst. Daß dem Staat Grenzen zu setzen sind. Daß diese zu definieren sind.

Es geht doch schon bei der Gewaltenteilung los. Seit 300 Jahren gibt es die Erkenntnis dank Montesquieu, daß Voraussetzung für ein freies Gemeinwesen die gegenseitige Kontrolle und Unabhängigkeit der drei Staatsgewalten ist. Was haben wir in deutschland hochoffiziell? Nein, es ist keine Gewealtenteilung. Es nennt sich "Gewaltenverschränkung". Und dann wundern wir uns, daß Abgeordnete alles durchnicken (z.B. den ESM). Tja, liebe Politiker, am besten sind Gewalten in einer Diktatur verschränkt. Noch nicht gewußt? (sorry, aber manchmal .... )

Die einzige Möglichkeit, die ich sehe, ist der Versuch eine Gegenöffentichkeit aufzubauen. Das machen auch schon viele. Und auch mit Erfolg. Es waren letztendlich Weblogs, die im so genannten "Wahlkampf" inhaltliche Punkte angemahnt haben, bis Mainstream-Medien drauf anspringen mußten. Das nächste, was passiert, ist das Brechen der Politikschweigsamkeit beim IPCC-Klimabericht und seinen Kritikern - eine der heiligen Kühe der politischen Klasse.

Sehen Sie dazu Alternativen?

Es gibt aber auch Gründe zum Optimismus: Die Wahl hat gezeigt, daß etliche Leute nunmehr munter geworden sind. 4,7 % - für eine gerade ein halbes Jahr alte Partei sagenhaft - reichen. Die andere Denke wird die Runde machen. Man wird am Arbeitsplatz drüber reden. Meinungs-Tabus werden gebrochen. Wenn die AfD keinen Mist baut, wird es bei der Europawahl im kommenden Mai ein cooles Erwachen geben ;-)

Gruß
Klaus

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