Die Briten und die EU: Brexit or Brinfluence?

#1 von kjschroeder , 21.07.2013 23:01

Im UK schlagen im Moment die Wellen der Diskussion ziemlich hoch: Japan hat sich in die Debatte um Verbleibn oder Austritt aus der EU eingemischt. -> http://www.welt.de/wirtschaft/article118...U-Austritt.html

Die Briten gehen die Angelegenheit dabei pragmatisch an, ohne Gefühlsduseligkeit: Was zahlen wir ein, was kriegen wir raus? Wo liegen die Voirteile, wo die Nachteile? Was überwiegt?

Der oben in dem verlinkten Artikel zitierte Bernard Jenkin hat vor zwei Jahren in einem Beitrag seine Motive und Gründe erläutert: -> http://www.telegraph.co.uk/news/politics...rom-Europe.html

Warum gibt es bei uns niemanden, der das auf so einen Nenner kriegen kann? Facts statt Fiction!

Der "Economist" gibt hier eine kleinen Überblick mit etwas anderem Tenor -> http://www.economist.com/blogs/blighty/2...tain-and-europe

So müssen Diskussionen sein. Bei uns scheint eine andere Devise zu gelten: Totschweigen. Aus den Augen, aus dem Sinn.

Ob dieses Motto aufgeht? Ich fürchte, ja.

Gruß
Klaus

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RE: Die Briten und die EU: Brexit or Brinfluence?

#2 von JoG , 21.07.2013 23:53

Ich finde auch, dass Diskussionen in angelsächsischen Ländern sich rationaler ausnehmen als hier.

Zum EU Austritt habe ich auch Bedenken. Ich bin zwar der Meinung die EU ist falsch gelaufen, viel weiter als sie hätte sollen, also das legitime Maß überschritten hat und braucht eine neue Verfassung. Das muss sein. Aber alsfreihandelsraum ist sie ok.

Dass sich Tokyo einmischt ist eigentümlich, zumal Lew von Seiten der Amerikaner gestern forderte Athen solle die Reformen weiter treiben. Auch das ist kein häufiges Verhalten.

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RE: Die Briten und die EU: Brexit or Brinfluence?

#3 von kjschroeder , 22.07.2013 06:31

Zitat
Ich finde auch, dass Diskussionen in angelsächsischen Ländern sich rationaler ausnehmen als hier.



Ich frage mich schonm seit längerer Zeit, woran das liegt, daß Diskussionen bei uns so wenig rational ablaufen. Es wird wohl mit gewissen Wesens- und Charakterzügen zu tun haben. Sir Robert Vansittart meinte ja mal, wir Deutschen seien eine Nation, die errichtet worden sei auf Eifersucht, Selbstmitleid und Grausamkeit ("envy, self-pity and cruelty"). Nun läuft Vansittart für mich unter der Rubrik "Deutschenfresser". Aber wenn ich mir angucke, wie wir mit anderen Menschen umgehen - auch mit uns selber - frage ich mich, ob das wirklich so falsch ist.

Zitat
Zum EU Austritt habe ich auch Bedenken. Ich bin zwar der Meinung die EU ist falsch gelaufen, viel weiter als sie hätte sollen, also das legitime Maß überschritten hat und braucht eine neue Verfassung. Das muss sein. Aber alsfreihandelsraum ist sie ok.



Klar. Als EWG war sie eine einzige Erfolgsstory, als EG auch noch in Ordnung. Ich denke aber, daß das auch den Briten bewußt ist. Und daß die "normale" Alternative daher hätte lauten müssen: EU oder Rückdrehen auf EWG/EG-Niveau. Wahrscheinlich halten die Briten letzteres für keinen reale Alternative, da sich dies ihrem Einfluß entzieht, da sie darüber nicht alleine entscheiden können.

Aber sie können mit einem solchen Referendum natürlich Druck aufbauen.

Zitat
Dass sich Tokyo einmischt ist eigentümlich, zumal Lew von Seiten der Amerikaner gestern forderte Athen solle die Reformen weiter treiben. Auch das ist kein häufiges Verhalten.


Beide Vorgänge machen ja deutlich, wie vernetzt die Volkswirtschaften untereinander mittlerweile sind. Und natürlich liegt auch den Amerikanern etwas daran, daß Europa endlich wieder auf die Beine kommt - gerade auch mit Blick auf das geplante Freihandelsabkommen (das für uns Deutsche erheblich mehr bringen würde als der gesamte EU-Kram).

Gruß
Klaus

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RE: Die Briten und die EU: Brexit or Brinfluence?

#4 von wüllerstorff , 22.07.2013 11:53

Die Einmischung hat was mit financial exposure zu tun: amerikanische und japanische Banken haben massiv in europäische Staatsanleihen investiert und würden noch mehr (prozentual) unter einem auseinaderbrechen der EU Euro leiden als viele europäische Institute (die dann wohl mit in den Strudel geraten werden).
Das Problem von UK ist dass das Pfund seit 1920 stetig abwertet und vermutlich weiterhin tun wird, sprich die Zinsen werden real gesehen auch immer weniger. Ein Katalysator wie der Austritt könnte diesen Prozess Beschleunigen, oder umdrehen,was auch keiner will denn das Beispiel könnte Schule machen.

Dass die Amerikaner vehement versuchen die Eurozone zusammen zuhalten ist reines Kalkül: der marode Bankensektor (weltweit) hat soviel Schrott in seinen Bilanzen dass ein Schuldenschnitt von einem kleine Land wie G ein echtes Problem werden kann.

Von daher gibt es nur noch zwei Optionen: weitermachen wie bisher und alle Risiken auf den Steuerzahler abwälzen oder mit einem weißen Blatt Papier von vorne anfangen.

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RE: Die Briten und die EU: Brexit or Brinfluence?

#5 von JoG , 22.07.2013 19:19

Eigentlich sehe ich das nicht. Die Amis haben natürlich europäische Staatsanleihen, aber die aus den PIIGS sind ziemlich abgeschrieben, denke ich. Zudem würde eine weitere Konsolidierung kaum die Gefahr reduzieren, dass die tiefer werdende Depression im Immer Tieferen Europa die Anstrengungen der Amis zunichte macht und die USA in eine nochmalige Rezession zieht.

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RE: Die Briten und die EU: Brexit or Brinfluence?

#6 von JoG , 22.07.2013 19:25

Ich befürchte, dass ein Referendum auf EU "Ja oder Nein" hinauslaufen könnte. Das wäre die falsche Frage und liefe Gefahr mit Ja beantwortet zu werden, weil die der vollkommene Austritt eine suboptimale Lösung ist. Die Frage muss nach einer neuen Verfassung sein, die die verlorene Souveränität wieder nachhause bringt.

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RE: Die Briten und die EU: Brexit or Brinfluence?

#7 von kjschroeder , 23.07.2013 08:08

Zitat
Ich befürchte, dass ein Referendum auf EU "Ja oder Nein" hinauslaufen könnte. Das wäre die falsche Frage und liefe Gefahr mit Ja beantwortet zu werden, weil die der vollkommene Austritt eine suboptimale Lösung ist. Die Frage muss nach einer neuen Verfassung sein, die die verlorene Souveränität wieder nachhause bringt.



Das wäre die inhaltlich korrekte und optimale Fragestellung. Die Frage ist, wie realistisch sie ist. Denn diese Fragestellung würde voraussetzen, daß die Briten allein die EU dahin bewegen könnten. Was bekanntlich nicht der Fall ist, da solche Entscheidungen von allen EU-Mitgliedern zu tragen sind.

Somit bleibt übrig, was die Briten auch wirklich allein entscheiden können: "in" oder "out". Suboptimal, aber realistisch.

Gruß
Klaus

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RE: Die Briten und die EU: Brexit or Brinfluence?

#8 von JoG , 23.07.2013 09:16

Die Britten können mE die EU sehr stark beeinflussen dahingehend. Es gibt noch sehr viele Bereiche der Entscheidungen, die Einstimmigkeit vorschreiben. Der Premier hätte dann ein Mandat alle Entwicklungen zum Immer Tieferes Europa innerhalb dieser Kategorien zu stoppen und könnte ein Roll-Back in anderen erreichen.

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