die Attraktivitaet des Extremismus

#1 von huhngesicht , 20.05.2013 18:28

Kuerzlich assoziierte jemand "linksgruen" mit bettnaessend. Es fiel ja schon in anderen Diskussionen auf, dass die linksextremistischen Positionen durch die rechtsextremistischen ersetzbar zu sein scheinen (ich will den nicht genau definierten Begriff Extremismus nicht ueberstrapazieren, sondern nur zwischen der hier oft kritisierten moderaten Mitte und den Raendern unterscheiden.) Ich frage mich, ob ich das Kernelement der Attraktivitaet der Tendenz radikal/extremistisch gefunden habe. Auffaelig sind zwei Bereiche. Die Kritik am Moderaten und der Mittigkeit erfolgt bevorzugt anhand einer Ueberzeichnung eigentlich positiver Eigenschaften. Gutmenschentum, Kritik an Multikulti bzw Zuwanderung, an oekologischem Handeln und Diplomatie und Selbstkritik. Begruendet wird diese Kritik mit Unterstellungen wie "dumm und naiv, deshalb Gutmensch oder ideologisch irrational motiviert (zB Wassersparen muss nicht sein oder CO2 beeinflusst die Temperatur nicht) und weil Freundlichkeit, Diplomatie und Gedenken historisch schaendlichen Handelns angeblich unsere Gesellschaft schwaechen. Am Extremismus attraktiv scheint jenseits des Inhaltes der Chauvinismus der Volksvertretung zu sein. Putin als cooler Kerl mit freiem Oberkoerper, der bulgarische Kampfrhetoriker. Die Tuerken, die so laessig souveraen ihre Genozid totschweigen. Harte Kante, radikal, kompromisslos, maskulin. Feindbild statt Toleranz. Hass statt Wohlwollen. Konflikt statt Diplomatie. Ausgrenzung statt Verbindung. Das manifestiert sich dann in Nationalismus.
Ist mein Eindruck zutreffend?

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#2 von kjschroeder , 20.05.2013 18:47

Damit haben Sie Ihre Auffassung von Rechtsextremismus umschrieben. Schön. Was fehlt, ist Ihre Auffassung von Linksextremismus und dessen Abgrenzung zur Demokratie. Kommt da noch was?

Gruß
Klaus

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#3 von huhngesicht , 20.05.2013 19:04

Damit haben Sie Ihre Auffassung von Rechtsextremismus umschrieben. Schön. Was fehlt, ist Ihre Auffassung von Linksextremismus und dessen Abgrenzung zur Demokratie. Kommt da noch was?

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Wenn Sie es wuenschen. Ich habe ja ausdruecklich nicht zwischen rechts und links unterscheiden wollen und linksextremistische Regierungen, die halbwegs ernstnehmbar sind, fielen mir zumindest europarelevant nah nicht ein. Wie waere es mit Kuba oder Nordkorea? Auch wenn letzteres nun wirklich eine traurige Gestalt als Regierungschef hat.

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#4 von weihrauch , 20.05.2013 19:10

Zitat von huhngesicht im Beitrag #1
Putin als cooler Kerl mit freiem Oberkoerper, der bulgarische Kampfrhetoriker. Die Tuerken, die so laessig souveraen ihre Genozid totschweigen. Harte Kante, radikal, kompromisslos, maskulin. Feindbild statt Toleranz. Hass statt Wohlwollen. Konflikt statt Diplomatie. Ausgrenzung statt Verbindung. Das manifestiert sich dann in Nationalismus.
Ist mein Eindruck zutreffend?

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Ich will mal nur auf diesen Teil des Beitrages eingehen.
Es ist nun mal so - mit Gewalt wird (fast) alles erreicht. Sie haben dankbarerweise das aufgegriffen, was ich schon seit Jahren predige: Die Türken ignorieren ihren Holocaust - und haben Erfolg damit - werden von größten Teil ihrer Landsleute dabei unterstützt.
Die Franzosen und Elsaß-Lothringen: Nach der deutschen Niederlage 1918 wurde das Elsaß erneut von den Franzosen okkupiert - sämtliche Bewohner, die sich nach 1871 im Elsaß niederließen, wurden 1918 ausgewiesen.
Den Schulkindern wurde auch unter Schlägen die französische Hymne eingeprügelt, bis sie beherrscht wurde.
Es hat gewirkt.
Und dagegen die BRD?
Kompromisse, Nachgeben, grenzenlose Toleranz - Ergebnis: Lächerlichkeit.
Da lassen sich fast 100 Leute von 4 Türken im Festzelt verprügeln, weil ihnen das Wehren abhanden gekommen ist.

Eine weinerliche Figur aus Schleswig Holstein stammelt unter Tränen: "Es war schlichtweg Liebe" (Christian von Boetticher).
Bei Westerwelle ist Vorsicht angebracht, wenn er sich mit dem Oberkiefer auf die Unterlippe beißt - die Augen werden dann feucht.

Die deutsche Vergangenheitsbewältigung ist in Schizophrenie übergegangen.
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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#5 von huhngesicht , 20.05.2013 20:51

Ich will mal nur auf diesen Teil des Beitrages eingehen.
Es ist nun mal so - mit Gewalt wird (fast) alles erreicht.

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Was verstehen sie unter Gewalt? Mit archaischer physischer Gewalt wird nur auf primitivster Ebene kurzfristig und oberflaechlich etwas erreicht. Je komplexer und anspruchsvoll fortschrittlicher Strukturen sind, desto nutzloser ist diese Form von Gewalt. Das ist ja auch offensichtlich, wenn man sich ansieht, wo physische Gewalt ausgeuebt wird.
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Sie haben dankbarerweise das aufgegriffen, was ich schon seit Jahren predige: Die Türken ignorieren ihren Holocaust - und haben Erfolg damit - werden von größten Teil ihrer Landsleute dabei unterstützt.

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Ich habe es wegen ihrer Predigten aufgegriffen. Mal abgesehen von den Dimensionsunterschieden stellt sich die Frage, warum die Tuerken sowas machen, die Deutschen aber nicht. Die Antwortet lautet nicht, dass die Tuerken selbstbewusst ein reifes Ignoranzniveau erreicht haben, welches Deutschland noch nicht erreicht hat. Die Antwort lautet, dass Deutschalnd und die Tuerkei weltpolitisch nicht in der gleichen Liga spielen. Wenn die Tuerkei huebsch natotauglich funktioniert, ist es dem Rest der Welt schlicht egal, was die da vor 100 Jahren angestellt haben. Und wenn diese Ignoranz den infantilen Stolz innenpolitisch vorteilhaft zu befriedigen vermag, who cares?
Deutschland hingegen traegt aussenpolitisch enorme Verantwortung. Es handelt als Fuehrungsnation Europas. Nationalistischen Kindergarten kann es sich nicht leisten.
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Die Franzosen und Elsaß-Lothringen: Nach der deutschen Niederlage 1918 wurde das Elsaß erneut von den Franzosen okkupiert - sämtliche Bewohner, die sich nach 1871 im Elsaß niederließen, wurden 1918 ausgewiesen.
Den Schulkindern wurde auch unter Schlägen die französische Hymne eingeprügelt, bis sie beherrscht wurde.
Es hat gewirkt.

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Was hat gewirkt?
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Und dagegen die BRD?
Kompromisse, Nachgeben, grenzenlose Toleranz - Ergebnis: Lächerlichkeit.

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Dieser ihr subjektiver Eindruck ist nicht korrekt. Wer empfindet denn Deutschland als "laecherlich"?
Das ueberlegte Handeln konstruktiv schaffend macht Deutschland zu einer Quasiweltmacht.
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Da lassen sich fast 100 Leute von 4 Türken im Festzelt verprügeln, weil ihnen das Wehren abhanden gekommen ist.

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Nur tumbe Menschen pruegeln sich.
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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#6 von kjschroeder , 20.05.2013 21:13

Zitat
und linksextremistische Regierungen, die halbwegs ernstnehmbar sind,


Es geht nicht um Regierungen, sondern um Denkstrukturen, wie Sie sie ja bei den Rechtsextremen schön beschrieben haben (oder das, was Sie für rechtsextrem halten mögen). Kommt da noch was?

Gruß
Klaus

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#7 von JoG , 20.05.2013 21:18

"""Die deutsche Vergangenheitsbewältigung ist in Schizophrenie übergegangen.
Betroffen davon sind Politiker und Bürger"""

Ein sehr gutes Beispiel hierfür ist die deutsche Reaktion auf die lachend vorgebrachte implizite neuerlich Drohung mit der Kavallerie gegen einen kleinen Nachbarn, der etwas tut, das man nicht mag. Man hat das nicht als Hetze registriert und schon gar nicht daran gedacht das Strafrecht anzuwenden. Aber was, soll als Hetze gelten, wenn nicht die gedrohte Verwendung der Kavallerie, wenn auch mit einer lachenden Zusicherung, man werde das nicht tun, als Erinnerung an die Machtverhältnisse. Da ist die Holocaust Lüge Peanuts. Das galt auch als Steinbrück das gleiche tat.

Jeder Ausländer erinnert sich da sofort an 1939 und dem damaligen Kanzler. Und da reagieren die deutsche Diplomatie sowie die Medien aggressiv, wenn Orban genau das sagt und bezichtigen ihn aufzurühren.

Ich bin ziemlich entsetzt.

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#8 von JoG , 20.05.2013 21:24

Wie ist der Unterschied, den Sie zwischen linksextrem und rechtsextrem sehen und was soll extrem bedeuten? Wir haben in Deutschland eigentlich keine richtige rechte Partei, wenn man absieht von der öffentlichen Bekenntnis zum Nationalen, der aber bei den anderen Parteien ja implizit ebenfalls relativ intensiv ist, wenn man zB an die Kavallerie Affaire denkt.

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#9 von huhngesicht , 20.05.2013 21:33

Es geht nicht um Regierungen, sondern um Denkstrukturen, wie Sie sie ja bei den Rechtsextremen schön beschrieben haben (oder das, was Sie für rechtsextrem halten mögen). Kommt da noch was?

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Ach, Sie beziehen sich auf den zweiten Teil mit den Beispielen wie Gutmenschentum?
Wenn man nicht ins Detail geht, ist die Kritik identisch (alles rechts, alles medial gleichgeschaltet, alles Kriegstreiber). Im Detail wird jede wirtschaftsfoerderliche Massnahme neoliberal ausbeutend genannt. Jeder Hinweis auf Eigenverantwortlichkeit menschenverachtend. Wem es schlecht geht, ist grundsaetzlich Opfer des Systems. Wer keine Arbeit hat, will natuerlich am liebstens alles machen, kriegt nur nichts, obwohl er total intelligent, fleissig und ganzheitlich wundervoll ist. Kriminelle Auslaender gibt es nicht (wenn sind die auch Opfer). Gene sind giftig. Alle koennten reich und gluecklich sein, wenn nicht die weniger superreichen Bonzen, die Schere zwischen arm und reich immer weiter auseinanderklaffen lassen wuerden usw.

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#10 von weihrauch , 21.05.2013 00:34

Zitat von huhngesicht im Beitrag #5
Ich will mal nur auf diesen Teil des Beitrages eingehen.
Es ist nun mal so - mit Gewalt wird (fast) alles erreicht.

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Was verstehen sie unter Gewalt? Mit archaischer physischer Gewalt wird nur auf primitivster Ebene kurzfristig und oberflaechlich etwas erreicht. Je komplexer und anspruchsvoll fortschrittlicher Strukturen sind, desto nutzloser ist diese Form von Gewalt. Das ist ja auch offensichtlich, wenn man sich ansieht, wo physische Gewalt ausgeuebt wird.
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Sie haben dankbarerweise das aufgegriffen, was ich schon seit Jahren predige: Die Türken ignorieren ihren Holocaust - und haben Erfolg damit - werden von größten Teil ihrer Landsleute dabei unterstützt.

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Ich habe es wegen ihrer Predigten aufgegriffen. Mal abgesehen von den Dimensionsunterschieden stellt sich die Frage, warum die Tuerken sowas machen, die Deutschen aber nicht. Die Antwortet lautet nicht, dass die Tuerken selbstbewusst ein reifes Ignoranzniveau erreicht haben, welches Deutschland noch nicht erreicht hat. Die Antwort lautet, dass Deutschalnd und die Tuerkei weltpolitisch nicht in der gleichen Liga spielen. Wenn die Tuerkei huebsch natotauglich funktioniert, ist es dem Rest der Welt schlicht egal, was die da vor 100 Jahren angestellt haben. Und wenn diese Ignoranz den infantilen Stolz innenpolitisch vorteilhaft zu befriedigen vermag, who cares?
Deutschland hingegen traegt aussenpolitisch enorme Verantwortung. Es handelt als Fuehrungsnation Europas. Nationalistischen Kindergarten kann es sich nicht leisten.
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Und warum soll die Türkei als Führungsmacht im Mittleren Osten fundieren?
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Die Franzosen und Elsaß-Lothringen: Nach der deutschen Niederlage 1918 wurde das Elsaß erneut von den Franzosen okkupiert - sämtliche Bewohner, die sich nach 1871 im Elsaß niederließen, wurden 1918 ausgewiesen.
Den Schulkindern wurde auch unter Schlägen die französische Hymne eingeprügelt, bis sie beherrscht wurde.
Es hat gewirkt.

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Was hat gewirkt?
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Das es kaum noch jüngere Leute im Elsaß und Lothringen gibt, die Deutsch beherrschen.
Die französische Sprache wurde ihnen mit Gewalt eingetrichtert - und sie nehmen es als selbstverständlich hin.
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Und dagegen die BRD?
Kompromisse, Nachgeben, grenzenlose Toleranz - Ergebnis: Lächerlichkeit.

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Dieser ihr subjektiver Eindruck ist nicht korrekt. Wer empfindet denn Deutschland als "laecherlich"?
Das ueberlegte Handeln konstruktiv schaffend macht Deutschland zu einer Quasiweltmacht.
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Das bezweifle ich stark. Die BRD hat nur eine Teilsouveränität und kann kaum selbstständig entscheiden.
Darum ist Ihr Ausdruck "Quasiweltmacht" garnicht mal falsch.
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Da lassen sich fast 100 Leute von 4 Türken im Festzelt verprügeln, weil ihnen das Wehren abhanden gekommen ist.

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Nur tumbe Menschen pruegeln sich.
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Dann waren die zum Teil schwer Verletzten also die Intelligenten und die Angreifer die Dummen?
Und wer konnte bei wem Eindruck schinden?
Nicht überzeugend - Ihre kurze Antwort
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Sie wird intensiver betrieben - denn je.

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#11 von Jochen Singer , 21.05.2013 06:40

Zitat
Es geht nicht um Regierungen, sondern um Denkstrukturen, wie Sie sie ja bei den Rechtsextremen schön beschrieben haben (oder das, was Sie für rechtsextrem halten mögen). Kommt da noch was?



jo - es gibt noch andere Arten von Extremismus - 68-er/grünen.

Da erzählt mir doch eine Alt-Obergrüne aus Niedersachsen in schriller Tonlage vorgestern, Atomkraftwerke seien Hiroshima-Bomben - eine Argumentation der Zeit um 1975 herum. Nichts in der Zwischenzeit gelernt, so mein Eindruck, lernunfähig - nicht fähig die Argumentation von der Pinscherebene auf die naturwissenschaftliche-technische Ebene anzuheben, dem alten Denken verhaftet, Kenntniszuwachs null - das sind die Grünen.


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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#12 von JoG , 21.05.2013 09:36

Im Grunde ist die Geschichte der Atomindustrie ein relativ guter Erfolg gewesen.

Ich habe mehrere Studien gelesen zumindest, die das vermuten lassen. Selbst habe ich die Zahlen nie aufgemacht, aber es scheinen trotz der drei GAUs weniger Schäden entstanden zu sein als aus der Energiegewinnung mit Kohle. Dies gilt wohl sogar auch ohne negative Effekte aus CO2 anzunehmen. In die Zukunft schauend ist es natürlich so, dass der Ausstoß bei Kohle und Gas weit besser gefiltert werden kann und die Gewinnung weitaus sicherer gestaltet werden kann, als das in den letzten 50 Jahren der Fall war.

Das gilt allerdings auch für Atomkraft. Wer also sich aufregen will, und es ist völlig legitim, wenn ein Grüner seine Wähler aufgeregt motiviert oder die CDU versucht den Grünen ihre Geschichte wegzunehmen durch den ruhmreichen Ritt der Hasardeuse in die Atomfreie Zukunft, der kann das tun.

Aber sehr intelligent ist der Wähler nicht, der sich darauf einlässt.

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#13 von kjschroeder , 21.05.2013 21:32

Zitat
Mit archaischer physischer Gewalt wird nur auf primitivster Ebene kurzfristig und oberflaechlich etwas erreicht. Je komplexer und anspruchsvoll fortschrittlicher Strukturen sind, desto nutzloser ist diese Form von Gewalt.


Die Nazis und die Stalinisten würden Ihnen was anderes sagen. Ich jedenfalls kenne keinen ernst zu nehmenden Menschen, der den uralten spruch "Alle Macht kommt aus den Gewehrläufen" ins Reich der Fabel werfen würde. Die tagtägliche Realität z.B. in Syrien belehrt uns eines Besseren. Natürlich kann man die Situation dort politisch sehen und sagen: bislang wurde dort gar nichts erreicht, aber das wird die zigtausend Toten dort wahrscheinlich kaum trösten.

Zitat
Wer empfindet denn Deutschland als "laecherlich"?
Das ueberlegte Handeln konstruktiv schaffend macht Deutschland zu einer Quasiweltmacht.


Wäre dem so, würden z.B. zum Thema Syrien nicht nur Amerikaner mit Russen und Chinesen, sondern auch mit Deutschen reden. Und zwar genauso öffentlich. Das findet wo statt? Vergessen Sie's. Unser Außenministerdarsteller würde vielleicht gern zu dieser Runde gehören - er müht sich ja auch redlich mit seinen Forderungen und Appellen aus dem Berliner Raumschiff - aber es interessiert niemanden.

Deutschland wird weit unter seinen Möglichkeiten regiert - so sieht's aus.

Gruß
Klaus

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#14 von kjschroeder , 21.05.2013 21:40

Zitat
Jeder Ausländer erinnert sich da sofort an 1939 und dem damaligen Kanzler. Und da reagieren die deutsche Diplomatie sowie die Medien aggressiv, wenn Orban genau das sagt und bezichtigen ihn aufzurühren.
Ich bin ziemlich entsetzt.



Ja klar - bei anderen kritisieren, was man selber gern tut. Ich weiß nicht, ob dieser Charakterzug TYPISCH deutsch ist, aber deutsch ist er allemal.

Dennoch teile ich Ihr Entsetzen nur sehr bedingt. Oder glauben Sie wirklich, daß eine politische Elite, die weder einen Grußflughafen noch eine Philharmonie hinkriegt - und einen Bahnhof nur mit großen, nicht aufhören wollenden Bauchschmerzen -, imstande ist, hier Remmidemmi zu machen? Und dann auch noch mit DER Bundeswehr - dieser Versammlung wohlgenährter, freundlicher Damen und Herren mit mehr Hüftgold am Gürtel als Munition?

Ich wollte ja nichts gesagt haben, wenn wir Politiker hätten, die wüßten, wovon sie reden, und wir eine - sagen wir - vierjährige Aufrüstungsphase hinter uns gebracht hätten. Aber so ....

Glauben sie das wirklich?

Gruß
Klaus

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#15 von weihrauch , 21.05.2013 22:07

Zitat von kjschroeder im Beitrag #13
[quote]
[quote]Wer empfindet denn Deutschland als "laecherlich"?
Das ueberlegte Handeln konstruktiv schaffend macht Deutschland zu einer Quasiweltmacht.

Wäre dem so, würden z.B. zum Thema Syrien nicht nur Amerikaner mit Russen und Chinesen, sondern auch mit Deutschen reden. Und zwar genauso öffentlich. Das findet wo statt? Vergessen Sie's. Unser Außenministerdarsteller würde vielleicht gern zu dieser Runde gehören - er müht sich ja auch redlich mit seinen Forderungen und Appellen aus dem Berliner Raumschiff - aber es interessiert niemanden.
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Es gehört schon in die Rubrik "Komik" wenn es heißt: "Westerwelle fordert ......."


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zuletzt bearbeitet 21.05.2013 | Top

RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#16 von huhngesicht , 21.05.2013 22:18

Die Nazis und die Stalinisten würden Ihnen was anderes sagen.

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Das spricht dann wohl fuer das, was ich schrieb. Nazis und Stalinisten sind ja nicht gerade menschgewordene Vernunft.
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Ich jedenfalls kenne keinen ernst zu nehmenden Menschen, der den uralten spruch "Alle Macht kommt aus den Gewehrläufen" ins Reich der Fabel werfen würde. Die tagtägliche Realität z.B. in Syrien belehrt uns eines Besseren. Natürlich kann man die Situation dort politisch sehen und sagen: bislang wurde dort gar nichts erreicht, aber das wird die zigtausend Toten dort wahrscheinlich kaum trösten.

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Ich sprach ja auch vom primitiven Niveau. Wenn sich zwei Idioten strukturlos gegenueberstehen und einer hat eine Waffe, hat er auch die Macht. Je zivilisierte die Struktur, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Idioten ueberhaupt Waffen haben.
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ZitatWer empfindet denn Deutschland als "laecherlich"?
Das ueberlegte Handeln konstruktiv schaffend macht Deutschland zu einer Quasiweltmacht.


Wäre dem so, würden z.B. zum Thema Syrien nicht nur Amerikaner mit Russen und Chinesen, sondern auch mit Deutschen reden.

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Keineswegs. Deswegen auch mein "quasi". Nationales Zurschaustellen, arrogantes auf die Brust klopfen und das Gesicht am Runden Tisch der ersten Reihe werden ueberschaetzt. Das ist gestrig. In der Zukunft wird aus dem Hintergrund moderiert (eigentlich war das immer schon so. Das wussten schon die Frauen der Koenige im Mittelalter).
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Und zwar genauso öffentlich. Das findet wo statt?

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Wer haette etwas davon, wenn sowas oeffentlich stattfaende? Dezenz, Wuerde, Zurueckhaltung, Selbstkritik, machtvolle Devotion. Das sind die Qualitaeten Deutschlands.
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Vergessen Sie's. Unser Außenministerdarsteller würde vielleicht gern zu dieser Runde gehören - er müht sich ja auch redlich mit seinen Forderungen und Appellen aus dem Berliner Raumschiff - aber es interessiert niemanden.

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Das war sein Hauptfehler. Seine fast schon kindliche (daher auch sympathische) Eitelkeit.
Aber er hat es ja gelernt.
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Deutschland wird weit unter seinen Möglichkeiten regiert - so sieht's aus.

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Das wird es nicht. Dieses "Mehr", was rueckstaendiger Nationalstolz herbeigiert, waere ein Rueckschritt. Die Groesse Deutschlands beruht nicht zuletzt darauf, souveraen ueber diesen Nachkriegsgeluesten zu stehen.

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#17 von kjschroeder , 21.05.2013 22:57

Zitat
Dieses "Mehr", was rueckstaendiger Nationalstolz herbeigiert,


Eben solche gedanklichen Assoziationen sind ein Denkfehler. Ich finde es aufschlußreich, daß Sie bei der Bemerkung, Deutschland werde unter seinen Möglichkeit regiert, sofort auf diesen Reflex verfallen. Denn daran denken nur Sie. Wie gesagt, aufschlußreich.

Gruß
Klaus

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RE: die Attraktivitaet des Extremismus

#18 von huhngesicht , 21.05.2013 23:20

Eben solche gedanklichen Assoziationen sind ein Denkfehler. Ich finde es aufschlußreich, daß Sie bei der Bemerkung, Deutschland werde unter seinen Möglichkeit regiert, sofort auf diesen Reflex verfallen. Denn daran denken nur Sie. Wie gesagt, aufschlußreich.

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Das ist ein eigenartiges rhetorisches Mittel. Erst formuliert man in einem vorgegebenen Kontext (von ihnen) moeglichst vage praktisch nichtssagend, um dann dem Gegenueber vorzuhalten, Assoziationen seien auf seinem Mist gewachsen (so wie JoG was auch immer gemeint haben koennte und ich die Energiewende unterstelle).
Hier war es so, dass sie schrieben: "Deutschland wird weit unter seinen Möglichkeiten regiert - so sieht's aus." Natzuerlich haette ich unfreundlich reagieren koennen und dieses Worthuelsenblabla abkanzeln. Haette ich das sollen? Stattdessen bemuehte ich mich und stellte meine Assoziationen in den von ihnen vorgeschlagenen Kontext:" Wäre dem so, würden z.B. zum Thema Syrien nicht nur Amerikaner mit Russen und Chinesen, sondern auch mit Deutschen reden. Und zwar genauso öffentlich. Das findet wo statt?" Sie beklagen hier ein "zu wenig" von Deutschland. Enstprechend scheint es naheliegend zu sein, dass sie ausdruecken wollten, dass ein Deutschland, welches nicht unter seinen Moeglichkeiten regiert wuerde, dieses "zu wenig" kompensieren wuerde. Entsprechend habe ich assoziiert. Daran ist auch nichts reflexartig. Haetten sie im ersten Teil ihrer Antwort nicht ueber zu wenig Deutschland auf Augenhoehe mit China, Russland oder den USA beklagt, sondern was auch immer in den Kontext gestellt, haette ich das aufgegriffen.

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