Moral als Ergebnis einer anti-aufklärerischen Haltung ?

#1 von kjschroeder , 20.04.2013 12:19

Die Art und Weise, wie hierzulande fast jede Diskussion ins Moralische abdriftet und auf diese Weise rationale Schlußfolgerungen verhindert, wird hier in einem m.E. recht treffendem Essay dargestellt: -> http://www.cicero.de/salon/moral-ist-uns...-religion/54204

Auszüge:

".... Doch erstmals in der abendländischen Kulturgeschichte ist Moral heutzutage nicht länger der Ausdruck eines übergeordneten und normierenden Wertesystems wie etwa Tradition und Religion. Der moderne moralische Diskurs kreist ausschließlich um sich selbst und bekommt damit eine singuläre Geltung, die andere rationale Erwägungen diskreditiert. ...

Prima, könnte man denken. Denn was spricht schon gegen Moral? ... Handelt es sich dabei letztlich nicht um einen Triumph der Aufklärung, ein Sieg der vernunftorientierten Argumentation über willkürliche gesetzte Normen?

So könnte es sein. Doch leider: der Eindruck täuscht. Die Stellung, die die Moral in unserer Gesellschaft einnimmt, ist nicht Ausdruck einer rationalen Kultur, sondern das Ergebnis einer nie konsequent zu Ende gedachten Aufklärung....."


Was ich an dem Essay vermisse, ist eine Antwort, denn sowas fällt ja nicht vom Himmel: Woher kommt diese Unart, alles gleich grotesk ins Moralische zu (ver)drehen? Und woher die anti-aufklärerische Attitüde?

Meinungen?

Gruß
Klaus

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RE: Moral als Ergebnis einer anti-aufklärerischen Haltung ?

#2 von JoG , 20.04.2013 15:07

Meinungen? Wozu genau? Wieso der Mensch offenbar eine "Moral" haben will? Das scheint angeboren, also genetisch vorgegeben. Es scheinen auch einzelne "moralische" Bewertungen offenbar vorgegeben zu sein, die offenbar auch kaum hinterfragt werden. Ob sie eine Religion ersetzen, wie das im Artikel behauptet wird, ist eine Hypothese. Wenn sie das tun, so ist der Mensch ziemlich eigenartig. Ein relativistischer Gott ist ja schon aber auch eine Vorstellung von atavistischer Schönheit, Stärke und von kindischer Rationalität.

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RE: Moral als Ergebnis einer anti-aufklärerischen Haltung ?

#3 von kjschroeder , 20.04.2013 15:22

Zitat
Meinungen? Wozu genau?


Steht da: Woher kommt diese Unart, alles gleich grotesk ins Moralische zu (ver)drehen? Und woher die anti-aufklärerische Attitüde?

Vielleicht hätte ich die Frage ausführlicher formulieren sollen. Und vielleicht sind Sie ja auch mit dem zitierten Eingangs-Beitrag nicht einverstanden.

Gruß
Klaus

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RE: Moral als Ergebnis einer anti-aufklärerischen Haltung ?

#4 von JoG , 20.04.2013 17:38

Woher es kommt ist schwer zu sagen, aber menschen scheinen in allen Gesellschaften und Kulturen die Werte ihrer eigenen große Bedeutung zu geben und ihnen in großer Zahl auch gegen das unmittelbare eigene Interesse zu folgen. Das Verhalten wird also wohl vermutlich genetisch sein. Das gilt im übrigen auch für einige "moralische" Werte, die in allen Kulturen offenbar ähnlich sind. Viele Werte sind jedoch unterschiedlich in Inhalt oder im Rang ihrer Bewertung.

Die "Moral", wie wir sie meist verstehen, ist eine Art Axiomatik zur Ausrichtung des Verhaltens. Sie ist also das Grundgerüst der Bewertung der Handlungen der Menschen. Wenn sie richtig strukturiert sind, ist die anwendende Gesellschaft produktiv und erlaubt den Mitgliedern ein gutes und sicheres Leben. Viele solche Regeln entwickeln allerdings ihre beste Wirkung, wenn sie von allen angewendet werden und verlieren ihren Wert rasch, wenn einige Menschen sich anders verhalten. Man kann also einen Überlebenswert vorstellen darin, dass die Gruppenmitglieder sich gegenseitig ermahnen die Moral einzuhalten und jedes Abweichen sanktionieren. Solche Peer Group Pressure beobachtet man in allen traditionellen Gesellschaften.

Wie sich herausstellt, ist solcher Zwang allerdings auch mit erheblichen Kosten für die Gesellschaft verbunden und für den Einzelnen unangenehm. Unter manchen Umständen überwiegen die Vorteile liberaler Gesellschaft und "Moral" wird zu einer Sache des privaten Bereichs mit den bekannten Konsequenzen wie einer gewissen Zunahme der Kriminalität, geringerer Berechenbarkeit des Verhaltens anderer usw.

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