Die Einstellung zu Korruption in Deutschland

#1 von JoG , 04.02.2013 18:30

Es ist irgendwo befremdlich, und ich will nicht die Klärung der Korrunptionsvorwürfe vorweggenommen haben, aber sollten Deutsch Politiker sich in die inneren Angelegenheiten anderer Länder zu Gunsten von Personen so sich einmischen:
"Die Kanzlerin antwortete knapp, sie habe ein "vertrauensvolles Verhältnis" zu Rajoy und sei sicher, dass er die schwierigen Aufgaben in Spanien lösen werde; Deutschland werde ihn dabei mit allen Kräften unterstützen. Punkt."
http://www.spiegel.de/politik/ausland/sp...d-a-881399.html

Das ist ja schon ein dicker Hund, den man sich da erlaubt gegen das spanische Volk und zeigt eine gewisse Verachtung der spanischen Justiz.

Am schlimmsten jedoch zeigt es auf, welch geringen Stellenwert die deutsche Elite noch immer dem Straftatbestand der Korruption beimisst. Aber das ist konsistent mit den Vorgehen in den Inlandsfällen Wulff oder Guttenberg. Deutschland scheint zumindest im Herzen hoch korrupt.

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RE: Die Einstellung zu Korruption in Deutschland

#2 von kurt02 , 04.02.2013 19:29

Das ist so einfach nicht^^

Zunächst einmal gilt auch für Rajoy die Unschuldsvermutung. Merkel kann nicht sagen, der Rajoy, von dem lassen wir alle erstmal die Finger - das wäre eine Vorverurteilung.

Das sage ich in vollem Bewusstsein dessen, dass ich die spanische Partido Popular überhaupt nicht mag; und dass sie korruptionsanfällig ist, ist erwiesen.Aber für jeden konkreten Einzelfall gilt erstmal die Unschuldsvermutung. Auch für Bundeskanzlerinnen.

Wo beginnt Korruption? Ich schreibe mittlerweile im Lokalteil einer Regionalzeitung über Chorkonzerte und Vereinsversammlungen und all dieses Zeug. Immer wird mir etwas zu trinken angeboten, und nicht immer gelingt es mir, die Getränke zu bezahlen. Ist das schon Korruption? Was meinen Sie?

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RE: Die Einstellung zu Korruption in Deutschland

#3 von kjschroeder , 05.02.2013 13:28

Zitat
Das ist ja schon ein dicker Hund, den man sich da erlaubt gegen das spanische Volk und zeigt eine gewisse Verachtung der spanischen Justiz.


Also ich glaube, da interpretieren Sie was hinein. Keinesfalls hat Frau Merkel Rajoy für schuldig oder unschuldig erklärt, sondern lediglich von einem "vertrauensvollem Verhältnis" gesprochen. Das ist Diplomatendeutsch und exakt eine Stufe weit weg von einer Distanzierung von ihm. Hätte sie - wie Sie glauben - sich für ihn ausgesprochen, hätte das anders ausgesehen. Beispielsweise: sie Sei überzeugt, daß die Vorwürfe falsch seien. Oder: daß sie sich zu seinen Gunsten aufklären. Oder: daß sie entsprechendes hoffe.

Aber die tatsächlich benutzte Formulierungt heißt übersetzt: Schau, daß Du Deinen Krempel in die Reihe kriegst, wenn wir hier weiter so zusammenarbeiten wollen wie gehabt.

Und darin kann ich keine Parteinahme sehen.

Grtuß
Klaus

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RE: Die Einstellung zu Korruption in Deutschland

#4 von JoG , 05.02.2013 15:27

Ich habe den Text noch einmal gelesen und es ist richtig, dass der Bezug, er würde das regeln und Deutschland würde ihm dabei helfen, nicht klar vom Spiegel hergestellt wird. Vermutlich bezieht es sich auf die Wirtschaftsreformen in einem oberen Abschnitt und nicht auf die Affaire und wurde nur nicht genau zugeordnet.

Nicht desto Trotz ist der Staatsbesuch zu diesem Zeitpunkt eine Rückendeckung in just dem Zeitpunkt zu dem es darum geht, in wie weit man strafrechtlich gegen den Mann vorgehen soll. Da ist auch die lange Vorplanung keine genügende Ausrede.

Nun wäre das keine besonders nennenswerte Sache, wenn Deutschland bekannt wäre als strickter Korruptionsgegner, wie man sich früher gut verkauft hatte. Da aber seit einigen Jahren zunehmend klar geworden ist, dass auf allen höheren Ebenen Korruption laufend durch die Wirtschaft und in der Politik statt gefunden hat und immer wieder best möglich vertuscht worden ist, sehe ich das als nicht gut an.

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RE: Die Einstellung zu Korruption in Deutschland

#5 von wüllerstorff , 06.02.2013 19:24

Ob Rajoy korrupt ist oder nicht ist der Merkel wahrscheinlich egal. Die will nur vermeiden das eine Regierung der Europroblemzone stürzt und es Neuwahlen geben könnte.
Die Chancen von Kurrupti Berlusconi steigen im Moment wieder wobei seine angebliche oder tatsächliche Korrumpierbarkeit nebensächlich ist, man will im Moment keine Dynamik in der EU Politik.

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RE: Die Einstellung zu Korruption in Deutschland

#6 von kjschroeder , 06.02.2013 19:36

Zitat
Die will nur vermeiden das eine Regierung der Europroblemzone stürzt und es Neuwahlen geben könnte.


Da ist natürlich was dran.

Zitat
man will im Moment keine Dynamik in der EU Politik.


Das dürfte sich Ende September unmittelbar nach den Bundestagswahlen drastisch ändern. Denn die gegenwärtige Ruhe auch bei den Medien erkläre ich mir genau mit dieser Wahl. Und die Ruhe und Passivität wird auch bis September so bleiben, schätze ich mal.

Gruß
Klaus

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RE: Die Einstellung zu Korruption in Deutschland

#7 von wüllerstorff , 06.02.2013 20:47

Zitat von kjschroeder im Beitrag #6

Zitat
Die will nur vermeiden das eine Regierung der Europroblemzone stürzt und es Neuwahlen geben könnte.

Da ist natürlich was dran.

Zitat
man will im Moment keine Dynamik in der EU Politik.


Das dürfte sich Ende September unmittelbar nach den Bundestagswahlen drastisch ändern. Denn die gegenwärtige Ruhe auch bei den Medien erkläre ich mir genau mit dieser Wahl. Und die Ruhe und Passivität wird auch bis September so bleiben, schätze ich mal.

Gruß
Klaus





Was soll sich dann drastisch ändern? Die Gegensätze sind doch hinlänglich bekannt. Einige wollen das Budget aufstocken, andere wollen es kürzen. Einige wollen abwerten, andere nicht. Einige wollen Souveränität zurückführen, andere nicht unsw.....
Ob da irgendwelche hochtrabende Pläne in einen 'Vertrag' formuliert werden oder nicht spielt kaum eine Rolle denn es ändert nichts an den Gegensätzen. Wenn überhaupt beschleunigt sich das Auseinanderdriften.

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RE: Die Einstellung zu Korruption in Deutschland

#8 von JoG , 07.02.2013 12:58

Leider wieder ein Fall, wo ein hoher Politiker seine Mitmenschen unnötig und achtlos gefährdet, dabei ertappt wird und glaubt dennoch Landtagspräsident werden zu dürfen: http://www.faz.net/aktuell/politik/inlan...r-12054315.html

Andererseits hat Ted Kennedy das Mädel damals getötet, versucht es zu vertuschen und war dennoch Jahrzehnte lang geachteter Senator. Das ist eine der großen Schandflecken des US Amerikanischen Systems gewesen, weil es anders als Watergate eine schlechte Präzedenz für spätere Politiker schuf.

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RE: Die Einstellung zu Korruption in Deutschland

#9 von JoG , 27.06.2013 21:10

Ich denk zu diesem Thema spricht diese Abstimmung Bände.
http://www.spiegel.de/politik/deutschlan...g-a-908264.html

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