Transport für afrikanische Soldaten, aber nicht für französische - macht sich Deutschland lächerlich?

#1 von kjschroeder , 03.02.2013 21:22

Es geht um die eingeschränkte Hilfe für frz. Soldaten in Mali, um juristische Glasperlenspiele in der Berliner Ministerialbürokratie: In den Flugzeugen dürfen zwar afrikanische Soldaten, aber keine Franzosen transportiert werden. Über diese Peinlichkeit bin ich hier gestolpert: -> http://www.nzz.ch/aktuell/international/...iten-1.17978369

Im Weblog von "Zettel" steht dazu ein schöner Kommentar: "Deutschland macht sich international lächerlich. Aber es ist ja nicht das Verteidigungsministerium, das daran schuld ist.

Wir haben in Deutschland eine Opposition aus Sozial­demokraten, Grünen und Kommunisten, die nachgerade begierig darauf wartet, der Bundesregierung nachzuweisen, daß sie bei einem Auslandseinsatz der Bundeswehr irgendwelche Rechtsvorschriften verletzt hätte. Vorschriften, die in dieser Enge weltweit einmalig sein dürften.

Also geht das Ministerium auf Nummer sicher. In diesem Fall könnte man durchaus argumentieren, daß der französische Einsatz von internationalem Recht gedeckt ist; es gibt eine UNO-Resolution zur Bekämpfung der Dschihadisten in Mali. Aber lieber gibt man sich internationaler Lächerlichkeit preis, als daß die Regierung der Opposition eine Angriffsfläche bieten möchte. Also dürfen in den Transalls jetzt Soldaten aus Bukina Faso hocken; aber kein französischer Grenadier.
" Quelle: -> http://zettelsraum.blogspot.de/2013/02/z...land-macht.html

Dieses Bürokratengetüttel zieht das Land immer weiter runter. In Afghanistan schon konnten Fahrzeuge mangels TÜV (CO2!) nicht eingesetzt werden, Soldaten dort haben rd. 10 Jahre auf sichere Schutzwesten warten müssen, unser gesamtes Gesundheitssystem ist kaputt-bürokratisiert
(ein Beispiel, heute gehört: in meiner ländlichen Heimatregion fand ein Arzt keinen Nachfolger für seine Praxis dank der tollen Rahmenbedingungen - er wollte die Praxis wegen der Geräte erst für 50.000 Euro verkaufen, dann verschenken, es fand sich immer noch keiner, dann gingen die Geräte als Spende nach Rumänien und der Arzt in Rente. Ohne Nachfolger.)

Und der Bürger sieht dem ohnmächtig zu. Was kann man da machen?

Gruß
Klaus


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RE: Transport für afrikanische Soldaten, aber nicht für französische - macht sich Deutschland lächerlich?

#2 von wüllerstorff , 04.02.2013 13:54

Die juristischen Vorschriften mal außen vorgelassen, es ist immer besser langfristig zu denken. Da Frankreich nicht für immer im Mali bleiben kann ist die Unterstützung der Afrikaunion sinnvoller. Das Deutschland sich weigert Tankflugzeuge zur Verfügung zu stellen stimmt nicht. Die deutschen Tankflugzeuge können die Franz Flugzeuge aus technischen gründen nicht während des Flugs nach tanken da sie für andere Flugzeugtypen vorgesehen sind.

Lächerlich ist her das die Franzosen einen Krieg anfangen für den den sie überhaupt nicht gerüstet sind.

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RE: Transport für afrikanische Soldaten, aber nicht für französische - macht sich Deutschland lächerlich?

#3 von JoG , 04.02.2013 14:01

Zitat

Lächerlich ist her das die Franzosen einen Krieg anfangen für den den sie überhaupt nicht gerüstet sind.



Und man muss bedenken, dass die Franzosen weit besser für Einsätze im Ausland gerüstet sind als die Deutschen, die seit Jahren ein lächerliches Militärbudget haben. Wenigstens können die Franzosen einen Einsatz selbst oder auch koordiniert mit den Alliierten auf Augenhöhe durchziehen, während die BRD nicht einmal 10.000 Truppen ins Feld stellen und unterhalten kann.

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RE: Transport für afrikanische Soldaten, aber nicht für französische - macht sich Deutschland lächerlich?

#4 von wüllerstorff , 04.02.2013 14:10

Blöd an der Geschichte ist nur dass Frankreich sich finanziell Ruiniert. Der eventuelle Erfolg in Mali interessiert dann niemanden mehr. Außerdem kann Frankreich offensichtlich nicht alleine irgendetwas machen denn sonst würde es nicht andauernd die anderen anbetteln sie doch zu unterstützen. in Libyen war dass das gleiche.


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RE: Transport für afrikanische Soldaten, aber nicht für französische - macht sich Deutschland lächerlich?

#5 von JoG , 04.02.2013 15:23

Zitat
Blöd an der Geschichte ist nur dass Frankreich sich finanziell Ruiniert. Der eventuelle Erfolg in Mali interessiert dann niemanden mehr.



Da sprechen Sie ein anderes Problem an und lenken in gewohnter Manier hiesiger Argumente wieder ab. Natürlich ist die Architektur internationaler Sicherheit nunmehr ungeeignet, weil die Amis die Last nicht mehr unilateral zu tragen bereit sind. Bush zeigte den Europäern, Russen und Chinesen, dass die alte Architektur kaum für alle zufriedenstellend war. Sie war nur billiger für alle bis auf den Sheriff, der immer wieder gezwungen war zu handeln, weil die meisten Anderen, feige wie sie waren, die Verantwortung abschoben. Es war die "12.00 Uhr Mittags" Geschichte, aber niemand bezahlte den Sheriff. ;)

Aber zu alternativer Architektur schreiben Sie nicht. Das wäre aber wichtig genau in diesem Zusammenhang.

Zitat
Außerdem kann Frankreich offensichtlich nicht alleine irgendetwas machen denn sonst würde es nicht andauernd die anderen anbetteln sie doch zu unterstützen. in Libyen war dass das gleiche.



Sie übersehen dabei geflissentlich, dass die Franzosen seit Jahrzehnten (vor allem) in Afrika eingreifen, wenn sie sich dazu genötigt sahen. Der Erfolg war (wie bei allem Menschlichem) manchmal mehr und zu anderer Gelegenheit weniger prickelnd. Aber sie handelten. Dass sie in Libyen mit den Engländern zusammen handelten, war eigentlich etwas Neues und, wie ich im Gegensatz offenbar zu Ihnen finde, positiv.

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RE: Transport für afrikanische Soldaten, aber nicht für französische - macht sich Deutschland lächerlich?

#6 von wüllerstorff , 04.02.2013 20:45

Ich lenke nicht ab. Worum geht es wenn ein Land Krieg führt? Man will gewinnen, entweder Macht oder Geld/Rohstoffe und sonstiges (ist alles das gleiche). Beispiel: was hat die USA im Vietnamkrieg gewonnen? Antwort: nichts, sprich verloren. Das kostet Geld und Ressourcen, Machtverlust. Haben die USA verloren weil Deutschland 'Trittbrett gefahren ist'? Nein, für Deutschland und alle anderen gab es da nichts zu gewinnen, ergo haben sie sich nicht beteiligt.

Was meinen Sie mit Architektur Internationaler Sicherheit? Die USA ziehen sich zurück, ja stimmt, nur warum? Weil sie Pleite sind. Warum sind sie Pleite? Das hat viele Gründe, aber unter anderem das sie seit 1945 ne menge Kriege führt und keinen einzigen gewonnen hat. Niemand hat die USA darum gebeten sich als Scherrif zu gerieren. Wenn die USA das so wollen ( das tun sie) müssen sie für die Konsequenzen Verantwortung übernehmen und nicht so tun als ob andere das zu bezahlen haben.

Also, jetzt zu Mali. Sind die Franzosen da weil ihnen die Malischen Kinder ach so Leid tun? Nein, da geht es um Macht, Geld oder Rohstoffe. Da Frankreich aber finanziell am Ende ist = sonnt könnte sie sich die Transportflugzeuge einfach kaufen= verlangt Frankreich von anderen einen Teil der Kosten zu übernehmen.
Ergo, wenn die anderen nicht für Frankreich bezahlen versinkt es in dem slebstgemachten Sumpf der Schulden. Frankreich kann von mir aus eingreifen wo es will, aber wenn es pleite geht betrachte ich es nicht als mein Problem.

alternativ schlage ich vor sich nirgends einzumischen, es sei denn es ist eine existenzielle Bedrohung (ist Mali nicht) und das man mit egal wem Handel treibt. Wandel durch Handel.

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RE: Transport für afrikanische Soldaten, aber nicht für französische - macht sich Deutschland lächerlich?

#7 von JoG , 05.02.2013 11:59

Zwar sehe ich das etwas anders mit den militärischen Einsätzen zwischen 1945 und 1990 als Sie, doch ist das hier belanglos. Dass Sie darauf herumreiten statt es wirklich zu durchdenken und zu analysieren ist allerdings für die Argumentationsrichtung hiesiger Trittbrettfahrer ganz typisch und vorhersehbar. Aber, wie gesagt, Thema Verfehlt.

Das Thema ist die Frage, wie man die Rahmenbedingungen für den internationalen Handel und die globale Arbeitsteilung neu entwirft, schafft und bezahlt. Leider sind Sie in diese Themen wenig eingearbeitet, wie eine solche Aussage zeigt: "Was meinen Sie mit Architektur Internationaler Sicherheit?"

Das kann man Ihnen persönlich fast nicht zum Vorwurf machen. Die Gesellschaft um Sie herum hat diese Fragen in den letzten Jahrzehnten ja auch nur unter dem breiten Rahmen behandelt: "Militäreinsatz=Verboten" bis "Nie wieder Krieg". Da wurde nie darüber nachgedacht, dass Militärische Einsätze eine ähnlich zentrale Bedeutung haben im internationalen Wirtschftsgeschehen wie im Inneren der Polizeieinsatz. Und aus ähnlichen Gründen muss diese Machtausübung kontrolliert werden. Und solche Kontrolle bekommt man nur dann, wenn man die Macht institutionalisiert und bezahlt.

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