Reporter mit Grenzen

#1 von kjschroeder , 30.01.2013 22:25

In der weltweiten Liste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" (ROG) ist Deutschland um einen Platz auf Nummer 17 abgerutscht. Trifft die Begründung dafür das Problem? Was meint die Forumsgemeinde?

Gruß
Klaus

Zum Weblog-Eintrag.

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RE: Reporter mit Grenzen

#2 von horstR , 30.01.2013 22:30

Angesichts der maßlosen Kampagnen gegen Wulff u Brüderle erscheint mir der Platz 17 noch schmeichelhaft.

Dazu kommt der verlogene Umgang mit Islammisten, heute bei der PK Mursi/Merkel wieder gut zu beobachten.

Nicht der Hauch einer Nachfrage nach dem Schicksal von Christen in Ägypten oder Syrien, die Liste ließe sich beliebig verlängern!


Saludos

HR

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RE: Reporter mit Grenzen

#3 von Willik , 31.01.2013 00:51

Na ja, gerade noch geschafft und knapp vor Ägypten, Saudi-Arabien und der Türkei angekommen.
Aber Israel nur auf 112 und um ZWANZIG Plätze abgestürzt? Wie bitte? Wie das denn...?
Gruß Willik


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RE: Reporter mit Grenzen

#4 von kjschroeder , 31.01.2013 06:38

Zitat
Aber Israel nur auf 112 und um ZWANZIG Plätze abgestürzt? Wie bitte? Wie das denn...?


Das hat mit zwei Sachen zu tun:
Für ROG sind Medien-Aktivisten der Hamas "Journalisten". Und die israelische Armee ging in Gaza gegen solche Leute vor. Die ROG-Begründung finden Sie hier im Original: -> http://www.reporter-ohne-grenzen.de/file...29_MENA_ENG.pdf

Und der 2. Grund für ROG ist das "strukturelle Problem" der Militärzensur, die es in Israel seit zig Jahren gibt, nie oder kaum ein Thema war und als Thema entdeckt wurde, nachdem der in Jerusalem lebende Nahost-Korrespondent Ulrich Sahm diese Zensurbestimmungen veröffentlicht hatte. Jedenfalls nehme ich an, daß das der Grund war, weil die Bestimmungen seitdem im Ausland problematisiert werden, es also einen zeitlichen Zusammenhang gibt. Natürlich thematisieren die Israelis selber diese Zensur auch.

Sahm schrieb etwas dazu: -> http://www.juedische-allgemeine.de/article/view/id/2814
hier die Bestimmungen auf seiner Website: -> http://www.usahm.de/Dokumente/Zensuroriginal.htm
ein Hinweis in "Haaretz" (zitiert in "Welt"): -> http://www.welt.de/print-welt/article556...-in-Israel.html
Und hier noch ein 2 Jahre altes Interview mit der Oberzensorin in Spiegel Online: -> http://www.spiegel.de/politik/ausland/pr...e-a-690410.html

Worum es dabei vor allem geht, wird aus einem Abschnitt in Sahms Artikel deutlich:

"In Kriegszeiten ist es der Presse streng verboten, den exakten Einschlagsort einer feindlichen Rakete mitzuteilen. Das wurde allen Journalisten erstmals während des Irakkriegs 1991, dann während des Libanonkriegs 2006 und im Falle der Kassam-Raketen aus dem Gasastreifen klar und deutlich mitgeteilt. So soll vermieden werden, dass die Medien dem Feind Schützenhilfe leisten. Muss der Hörer, Leser oder Zuschauer in Deutschland wirklich wissen, dass ein Wohnhaus in der Allenbystraße 22 in Tel Aviv einen Volltreffer erhalten hat, oder reicht nicht auch die Angabe: „im Großraum Tel Aviv“?
Sehr allergisch reagieren die israelischen Behörden, wenn man genaue Zahlen von gefallenen Soldaten oder gar den Ort ihres Todes veröffentlicht, noch ehe deren Angehörige informiert wurden."


Das Problem ist also nicht neu, scheint aber von den zahllosen ausländischen Journalisten-"Freunden" Israels jetzt entdeckt worden zu sein.

Gruß
Klaus

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RE: Reporter mit Grenzen

#5 von weihrauch , 31.01.2013 19:08

Zitat von kjschroeder im Beitrag #1
In der weltweiten Liste der Pressefreiheit von "Reporter ohne Grenzen" (ROG) ist Deutschland um einen Platz auf Nummer 17 abgerutscht. Trifft die Begründung dafür das Problem? Was meint die Forumsgemeinde?

Gruß
Klaus

Zum Weblog-Eintrag.


Sie sind mir zuvorgekommen - dieses Thema wollte ich heute auch eröffnen.
Ich bin etwas überrascht, denn ich habe in Erinnerung, daß Deutschland im letzten Jahr schon auf Platz 18 war.
Wer sagt nun die Wahrheit?
Die 3 vordersten Plätze belegen wieder - wie im Vorjahr - Finnland, Norwegen und Holland - Österreich Platz 5
Nebenbei: In allen 4 hier aufgeführten Ländern sind Rechtsparteien stark vertreten bezw. in die Regierungsarbeit mit eingebaut.
Was für Pluralismus spricht.

Im "Freiesten Staat den es jemals auf deutschem Boden gegeben hat" führt Deutschland in der weltweiten Youtube-Zensur.
Von den 1000 weltweit beliebtesten YouTube-Videos sind für deutsche Nutzer 60 Prozent gesperrt: wegen Rechteproblemen. Selbst der Südsudan oder der Vatikan kommen nicht auf solche Quoten.

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RE: Reporter mit Grenzen

#6 von heinzwernerhübner , 31.01.2013 21:38

Zitat
Die 3 vordersten Plätze belegen wieder - wie im Vorjahr - Finnland, Norwegen und Holland - Österreich Platz 5
Nebenbei: In allen 4 hier aufgeführten Ländern sind Rechtsparteien stark vertreten bezw. in die Regierungsarbeit mit eingebaut.
Was für Pluralismus spricht.



Das würde doch im Umkehrschluss bedeuten, dass ab Platz 17 oder 18 Länder mit linkslastigen Regierungen folgen. Richtig?
Also zum Beispiel für Deutschlands Regierung: Herz-Jesu-Marxisten und stromlinienförmige "Liberale" als Vorläufer für richtig Linke (Rot/Grün) oder getarnte Linke (Schwarz/Rot).

Zitat
Im "Freiesten Staat den es jemals auf deutschem Boden gegeben hat" führt Deutschland in der weltweiten Youtube-Zensur.
Von den 1000 weltweit beliebtesten YouTube-Videos sind für deutsche Nutzer 60 Prozent gesperrt: wegen Rechteproblemen. Selbst der Südsudan oder der Vatikan kommen nicht auf solche Quoten.



Boaah, und das ist mir neu. Und es erscheint mir als Diktatur-Geschädigtem ziemlich bedenklich.

hwh


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RE: Reporter mit Grenzen

#7 von Willik , 01.02.2013 00:39

"Boaah, und das ist mir neu. Und es erscheint mir als Diktatur-Geschädigtem ziemlich bedenklich."


Da können Sie mal sehen, wie nahe wir hier wieder einer Diktatur sind! ):
Man muß es nur merkeln!

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RE: Reporter mit Grenzen

#8 von weihrauch , 01.02.2013 03:33

Es ist dieses "totschweigen" oder polarisieren, was die deutschen Medien unglaubwürdig macht.
Entweder übertreiben sie eine Gefahr - spielen sie nach oben, oder versuchen es zu verschweigen - ganz nach persönlicher Sympathie.
Nehmen wir mal den Mordfall am Alexanderplatz. Erst spät veröffentlichten die Medien, um welche Tätergruppe es sich handelt, obwohl dies schon in der Mordnacht bekannt war - die Schwester des Ermordeten bestätigte dies.
Der Haupttäter konnte sich in Ruhe absetzen und genießt jetzt in der Türkei Schutz vor den deutschen Ermittlungsbehörden.

http://www.bild.de/news/inland/totschlag...40994.bild.html

Ein anderer Fall: Angriffe auf Homosexuelle. Obwohl sie selbst wissen, wo ihnen die meiste Gefahr droht, wird dies von den Medien unterschlagen und einfach halber den Rechten zugeschanzt. Volker Beck hat eine starke Lobby.
So habe ich in den deutschen Medien nicht gelesen, daß eine Religionslehrerin in Österreich im Unterricht forderte, daß alle Schwulen verbrannt werden sollten.

http://derstandard.at/1350261301806/Mens...gionsunterricht

Das andere Extrem ist die Polarisierung gegen die Rechten, dem Hauptfeind der deutschen Medien.
Sie schaffen nebenbei Feindbilder und heizen die Stimmung der Bevölkerung auf - was eigentlich als "Entschuldigung" gelten soll, nicht gegen ausländische Straftäter zu berichten.
Hier aber wird Front gegen die Bundeswehr gemacht, um das ohnehin schlechte Verhältnis der Bevölkerung zu seiner Armee noch anzuheizen.

http://web.de/magazine/nachrichten/panor...bundeswehr.html
http://web.de/magazine/nachrichten/deuts...n-neonazis.html

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RE: Reporter mit Grenzen

#9 von kjschroeder , 01.02.2013 08:06

Zitat
Ich bin etwas überrascht, denn ich habe in Erinnerung, daß Deutschland im letzten Jahr schon auf Platz 18 war.
Wer sagt nun die Wahrheit?


Nun, ich bin davon ausgegangen, daß die Vereinigung "Reporter ohne Grenzen" ihre eigene Liste kennt. Und da steht in der Tat für das Vorjehr Deutschland auf Platz 16. Hier nachlesbar: -> http://www.reporter-ohne-grenzen.de/file...Deutschland.pdf

Zitat
Im "Freiesten Staat den es jemals auf deutschem Boden gegeben hat" führt Deutschland in der weltweiten Youtube-Zensur.
Von den 1000 weltweit beliebtesten YouTube-Videos sind für deutsche Nutzer 60 Prozent gesperrt: wegen Rechteproblemen. Selbst der Südsudan oder der Vatikan kommen nicht auf solche Quoten.


Das wußte ich nicht, kann ich mir aber gut vorstellen. Haben Sie eine Quelle?

Gruß
Klaus

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RE: Reporter mit Grenzen

#10 von kurt02 , 01.02.2013 10:31

Ich hab mir mal Ihren Blog-Eintrag zu Gemüte geführt. Wenn ich sie recht verstanden habe, führen Sie die Zeitungskrise auf einen Linksruck dieser Gazetten zurück. Könnte man das auf einen Satz so eindampfen?

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RE: Reporter mit Grenzen

#11 von kjschroeder , 01.02.2013 10:51

Zitat
Wenn ich sie recht verstanden habe, führen Sie die Zeitungskrise auf einen Linksruck dieser Gazetten zurück. Könnte man das auf einen Satz so eindampfen?


Jaein. ;-) Bei den drei genannten (FR, FTD, Freitag) kann man nicht einfach von einem Linksruck sprechen. Der freitag z.B. war von Anbeginn an "links". Die FTD wiederum war von Anfang an papiergläubig und staatsnahe. Da gibt es zwar Überschneidungen mit "links", aber das ist nicht deckungsgleich. Bei der FR hingegen gab es einen Linksruck (wenn man mit den 70ern und 80ern vergleicht).

Das betrifft nur diese drei Zeitungen. Das Problem umfaßt ja aber mehr oder weniger den gesamten Printmarkt bei den Tageszeitungen. Und da spielen andere Faktoren mit rein z.B. die wortwörtliche Übernahme von Nachrichtenagentur-Material, wodurch "Mantel"-Seiten mehr und mehr austauschbar geworden sind.

Hinzu kommt eine Meinungsverengung: Kommentare mit prononcierter Meinung werden zunehmend Mangelware, weil sich keiner mehr zu trauen scheint, mit einer Meinung anzuecken. Auch das gleicht Zeitungen zunehmend an. Eigenrecherche? Wird auch immer weniger. Und das alles hat mit links/rechts erstmal nichts zu tun.

Dieser Punkt kommt erst ins Spiel, wenn man sich Themenauswahl, Meinung etc. anschaut. Und da ist die rechts-links-Einteilung m.E. zu kurz greifend. Etatistisch - d.h. papier-, obrigkeits- und staatsgläubig - würde es erheblich eher treffen. "Links" würde die Geschichte dadurch, daß der Mainstream der politischen Parteien klassisch linke Positionen längst etabliert hat wie z.B. die soziale Umverteilung.

Oder anders gesagt: Hätten wir einen Mainstream, der auf Individualismus, Ergebnis-Ungleichheit und Staatsferne angelegt wäre, würden dieselben Medien auch diesem Trend hinterher trotten.

Was fehlt, ist die kritische Distanz zum Parteien- und Politik- und Staatsbetrieb. Etatismus eben. Und dieses Überangebot rächt sich irgendwann.

Gruß
Klaus

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RE: Reporter mit Grenzen

#12 von JoG , 01.02.2013 10:55

Ich habe mich oft gefragt, wieso Deutschland so gut da steht im RoG oder bei TI. Es sind unterschiedliche Gründe da sicherlich am Werk. Sicher sind deutsche Medien (soweit sie nicht ÖR sind) freier als in sehr vielen Ländern. Dennoch demonstriert das Ergebnis ziemlich wenig Freiheit. Es ist eintönig als gäbe es nur eine legitime Meinung. Und das glauben die Menschen hier. Und das ist das Problem, denn Reporter sind Menschen, hiesige Menschen, die dem Druck der Gesellschaft auch so sehr unterworfen sind, dass sie glauben die Richtige Meinung zu vermitteln.

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RE: Reporter mit Grenzen

#13 von weihrauch , 01.02.2013 14:43

Zitat von kjschroeder im Beitrag #9

Zitat

[quote]Im "Freiesten Staat den es jemals auf deutschem Boden gegeben hat" führt Deutschland in der weltweiten Youtube-Zensur.
Von den 1000 weltweit beliebtesten YouTube-Videos sind für deutsche Nutzer 60 Prozent gesperrt: wegen Rechteproblemen. Selbst der Südsudan oder der Vatikan kommen nicht auf solche Quoten.

Das wußte ich nicht, kann ich mir aber gut vorstellen. Haben Sie eine Quelle?

Gruß
Klaus



Na klar!

http://www.welt.de/wirtschaft/article113...be-Sperren.html

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Reporter mit Grenzen - Schweizer Presse

#14 von weihrauch , 01.02.2013 22:42

Das ist der Unterschied zur Berichterstattung zwischen der schweizer und der deutschen Presse.

Im letzteren wird wird kurz und knapp beschrieben, um welchen Täterkreis es sich handelt.

http://www.blick.ch/news/schweiz/95-jaeh...-id2189031.html

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RE: Reporter mit Grenzen - Schweizer Presse

#15 von Willik , 02.02.2013 00:42

Zitat:
"Beim mutmasslichen Angreifer handelt es sich laut Angaben der Polizei vom Donnerstag um einen 28-jährigen Marokkaner aus dem Empfangszentrum Kreuzlingen. (SDA)"



Was würde uns die deutsche (Schrott-)Presse daraus schließen lassen? Richtig:

"Das ist ein äußerst bedauerlicher, aber auf Grund der Unaufgeschlossenheit und mangelnden Solidarität und fehlenden Integrationsbereitschaft der sturen, weltfremden und bigotten deutschen Rest- Bevölkerung gegenüber Zuwanderern und deren Problemen unausweichlicher Einzelfall!!"

Was bedeutet das für uns? Ist doch klar!
Wir müssen noch SEHR viel mehr 28jährige Marokkaner etc. etc. etc. ins Land holen!

Die Menschen, die hierher kommen wollen, sind bekanntlich alle absolut ehrliche, fleißige, strebsame, nette Zeitgenossen, die uns langfristig bereichern, unseren Wohlstand sichern und nahezu kostenlos und mit Hingabe und Enthusiasmus unsere Senioren pflegen und sogar noch freudig und mit Opferbereitschaft deren Renten und Pensionen bezahlen werden!

Dann werden die paar schlechten Beispiele von "Einzelfällen" prozentual kaum noch ins Gewicht fallen!
DAS ist der WEG! Zuwanderung macht GLÜCKLICK!

Gruß Willik


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RE: Reporter mit Grenzen

#16 von kjschroeder , 02.02.2013 18:04

Zitat
Na klar!
http://www.welt.de/wirtschaft/article113...be-Sperren.html


Danke! :-) Ist ja ein echter "Hammer". Paßt aber ins Bild. Es wird höchste Zeit, dieses unselige Urheberrecht endlich zu modernisieren. Denn eigentlich ist es ja auch kein Urheberrecht, sondern ein Inhaberrecht. Diese Verlogenheit kommt ja noch dazu.

Gruß
Klaus

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