Bad Nenndorf: Folterstätte der Briten

#1 von weihrauch , 28.01.2013 18:08

Werden diese britischen Greueltaten bewußt verschwiegen? Der letzte Überlebende britischen Terrors im Bad Nenndorfer Bad will jetzt Entschädigung von der britschen Regierung.
Von deutscher offizieller Seite kann er wohl kaum mit Hilfe rechnen.
Kaum aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück, kam er von einer Hölle in die andere.
Die angeblich so "feine englische Art", die ja gerade so von Deutschen geliebt wird, hat große Risse bekommen.
Viele Deutsche wollen dies nicht wahrhaben und stellen sich jedes Jahr dem Trauermarsch entgegen, weil es die falschen Leute sind. Trittin ist einer ihrer Anführer.

Dieses Thema hatte ich auch schon im alten Forum eingestellt - es wurde aber gelöscht.

Ich persönlich finde es schlimm, wie grausam und mitleidslos die deutsche Bevölkerung mit ihren Soldaten und Kriegsgefangenen umgeht.

http://www.focus.de/magazin/kurzfassunge...aid_901701.html

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RE: Bad Nenndorf: Folterstätte der Briten

#2 von kjschroeder , 28.01.2013 18:51

An Ihrem Beitrag verstehe ich zwei Sachen nicht:

Zum einen, warum er im alten FDP-Forum gelöscht wurde.

Und zum zweiten, wie Sie zu dieser Einschätzung ....

Zitat
Werden diese britischen Greueltaten bewußt verschwiegen?


.... kommen.

Was damals dort geschehen ist, ist tatsächlich bekannt. Würde es bewußt verschwiegen werden, hätten Sie z.B. zu dem betreffenden Fokus-Bericht über das Thema gar nicht verlinken können, wie Sie das in Ihrem Beitrag getan haben. Dann gibt es ein eigenes wiki dazu. Berichte wie diesen hier. Oder diesen. Google ist voll davon. Sorry, aber daß da was verschwiegen wird, gehört aus meiner Sicht ins Reich der Legendenbildung.

Zitat
Viele Deutsche wollen dies nicht wahrhaben und stellen sich jedes Jahr dem Trauermarsch entgegen, weil es die falschen Leute sind.


Kann ich verstehen. Ich würde auch bei keiner NPD-Demo mitmachen. Auch nicht, wenn diese als Trauerzug verkleidet daherkommt. Und wieso eigentlich Trauerzug? Die Geschichte dieses Lagers ist ein gutes Beispiel, daß und wie Demokratie funktioniert: schließlich wurde es nach britischen Protesten von den Briten geschlossen.

Das scheint mir das eigentliche Problem zu sein: Auch das Gedenken der deutschen Toten ist ein Politikfeld, das die demokratischen Parteien komplett geräumt haben. Da muß man sich nicht wundern, wenn andere Gruppen kommen, es zu füllen, um damit ihr trübes Süppchen zu kochen.

Zitat
Ich persönlich finde es schlimm, wie grausam und mitleidslos die deutsche Bevölkerung mit ihren Soldaten und Kriegsgefangenen umgeht.


Das hängt mit dem um sich greifenden Tugendwahn der Gesellschaft zusammen. Das war in den 60ern und 70ern nicht so. Man hat sowieso den Eindruck, daß der Kampf gegen Hitler umso heftiger wird je länger er tot ist.

Wir sind nach wie vor eine Neurosen-Republik.

Gruß
Klaus


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RE: Bad Nenndorf: Folterstätte der Briten

#3 von weihrauch , 28.01.2013 20:44

Zitat von kjschroeder im Beitrag #2
An Ihrem Beitrag verstehe ich zwei Sachen nicht:

Zum einen, warum er im alten FDP-Forum gelöscht wurde.

Da habe ich so manches nicht verstanden, was gelöscht wurde.

Und zum zweiten, wie Sie zu dieser Einschätzung ....

Zitat
Werden diese britischen Greueltaten bewußt verschwiegen?

.... kommen.

Was damals dort geschehen ist, ist tatsächlich bekannt. Würde es bewußt verschwiegen werden, hätten Sie z.B. zu dem betreffenden Fokus-Bericht über das Thema gar nicht verlinken können, wie Sie das in Ihrem Beitrag getan haben. Dann gibt es ein eigenes wiki dazu. Berichte wie diesen hier. Oder diesen. Google ist voll davon. Sorry, aber daß da was verschwiegen wird, gehört aus meiner Sicht ins Reich der Legendenbildung.

Sicher - im Internet kann so etwas nicht verschwiegen werden. Es ist viel mehr die offizielle Seite.
Damit meine ich natürlich die Bundesregierung - die niedersächsische Landesregierung - den Bürgermeister von Bad Nenndorf und - die Medien.
Durch alle diese aufgeführten Institutionen wurde ich nicht darauf aufmerksam gemacht.
Dem Holocaust könnte so etwas nicht passieren.

Zitat
Viele Deutsche wollen dies nicht wahrhaben und stellen sich jedes Jahr dem Trauermarsch entgegen, weil es die falschen Leute sind.


Kann ich verstehen. Ich würde auch bei keiner NPD-Demo mitmachen. Auch nicht, wenn diese als Trauerzug verkleidet daherkommt. Und wieso eigentlich Trauerzug? Die Geschichte dieses Lagers ist ein gutes Beispiel, daß und wie Demokratie funktioniert: schließlich wurde es nach britischen Protesten von den Briten geschlossen.

Dann frage ich mich, wo denn die "richtigen Leute" für den Trauermarsch sind.

Das scheint mir das eigentliche Problem zu sein: Auch das Gedenken der deutschen Toten ist ein Politikfeld, das die demokratischen Parteien komplett geräumt haben. Da muß man sich nicht wundern, wenn andere Gruppen kommen, es zu füllen, um damit ihr trübes Süppchen zu kochen.

Fehl am Platze wären eigentlich nur die Leute, die damals die Verantwortung für diese Greueltaten hatten.

Zitat
Ich persönlich finde es schlimm, wie grausam und mitleidslos die deutsche Bevölkerung mit ihren Soldaten und Kriegsgefangenen umgeht.


Das hängt mit dem um sich greifenden Tugendwahn der Gesellschaft zusammen. Das war in den 60ern und 70ern nicht so. Man hat sowieso den Eindruck, daß der Kampf gegen Hitler umso heftiger wird je länger er tot ist.

Wir sind nach wie vor eine Neurosen-Republik.

Dem gibt es nichts weiter hinzuzufügen.

Gruß
Klaus


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RE: Bad Nenndorf: Folterstätte der Briten

#4 von kjschroeder , 28.01.2013 22:12

Zitat
Da habe ich so manches nicht verstanden, was gelöscht wurde.

Zitat
Zum einen, warum er im alten FDP-Forum gelöscht wurde.



Abgesehen davon, daß ich das auch nicht immer verstanden habe - Sie merken ja, daß er hier stehengeblieben ist.

Zitat
Damit meine ich natürlich die Bundesregierung - die niedersächsische Landesregierung - den Bürgermeister von Bad Nenndorf und - die Medien.
Durch alle diese aufgeführten Institutionen wurde ich nicht darauf aufmerksam gemacht.


Sicher. Der Sieger schreibt die Geschichte, der Verlierer hält die Klappe. Das ist bei jeder Schulhofschlägerei so und auch im ganz großen Rahmen. Gewalt befriedet. Man muß das nicht gut finden - mir z.B. fallen da ein: die Rheinwiesen, die Vertriebenen, aber auch die armen Hunde, die unter Rommel in Afrika verreckt sind oder rd. 10 Jahre später - was hier so gut wie unbekannt ist - als Soldaten der frz. Fremdenlegion bei der Schlacht um Dien Bien Phu.

Andererseits sage ich mir dann aber auch: Was soll das bringen? Was sollen solche "Trauermärsche" bringen? Wem soll das nutzen? Den Toten etwa? Bei mir findet das Gedenken an meinen Onkel, der lange vor meiner Geburt an der Oderfront fiel und den ich nur von Fotos her kenne, im Stillen statt.

Leute, die ein Gedenken für ihre politischen Ziele mißbrauchen, brauche ich nicht. Sowas widert mich an. Und von der Sorte laufen hier eh zu viele herum. Da nehmen sich die Roten und die Braunen nicht viel. Oder glauben Sie, den NPD-Leuten in Bad Nenndorf ginge es ums Gedenken?

Was man m.E. hier hätte machen können und sollen, wäre ein Gedenken an die armen Teufel, die von den Nazis mißbraucht wurden und dafür mit ihrem Leben zahlen mußten. Das wäre in meinen Augen der angemessene Umgang im Gedenken an sie. Das offizielle Totschweigen ist da m.E. genausowenig hilfreich wie der alljährliche NPD-Rummel in Bad Nenndorf.

Gruß
Klaus

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Nachtrag

#5 von kjschroeder , 28.01.2013 22:24

Von dem eigentlichen Anlaß - der Klage eines Folteropfers - hat sich unser Gespräch etwas entfernt. Um darauf zurückzukommen - und um etwaigen Mißverständnissen vorzubeugen: Der Mann hat meine Smpathie.

Gruß
Klaus

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RE: Nachtrag

#6 von weihrauch , 28.01.2013 23:17

Mich ärgert die Ungleichbehandlung durch die Politik. Zur Zeit ist mal wieder eine Dauerberieselung in Bezug auf Holocaust angesagt - hier gibt es weder von offizieller Seite noch von den Medien ein "kurzes Gedächnis".
Solche Ereignisse wie in Bad Nenndorf aber finden keine Beachtung.
Das läßt mich auch in Bezug auf den Holocaust abstumpfen.

Und noch was: Sie schrieben eben, es sollte ein Gedenken für den Mißbrauch vieler Toter durch den N-Sozialismus geben.
Bitte - aber dabei nicht die Vollstrecker vergessen.
Im übrigen sehe ich die NS-Zeit als nichts Einheitliches an. Es müssen schon Unterschiede gemacht werden, zwischen dem Regime und der Bevölkerung.
Nicht alle Bürger, die nicht zu den Verfolgten gehörten, können als Nazis bezeichnet werden.

Dem Herrn Menzel übrigens wünsche ich auch viel Glück und einige Sympathisanten - alleine schafft er es nicht.

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RE: Nachtrag

#7 von kurt02 , 29.01.2013 04:20

Zu diesem Thema: Haben Sie schon mal von Gammertingen gehört?

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RE: Nachtrag

#8 von weihrauch , 29.01.2013 15:16

Zitat von kurt02 im Beitrag #7
Zu diesem Thema: Haben Sie schon mal von Gammertingen gehört?

Das Thema Euthanasie war für mich das schrecklichste im Dritten Reich, das aber leider im Gegensatz zum allgemeinen Holocaust zu kurz kommt.
Vor einigen Jahren bin ich mal in einem italienischen Restaurant ausgerastet, weil der Inhaber einen Rollstuhlfahrer vor die Tür setzen wollte.
Leider haben sich nicht alle Gäste empört.

Mein Thema allerdings ist jetzt der Terror nach 1945 - und da gibt es noch sehr, sehr viel aufzuarbeiten.

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RE: Nachtrag

#9 von kjschroeder , 29.01.2013 15:34

Zitat
Zur Zeit ist mal wieder eine Dauerberieselung in Bezug auf Holocaust angesagt - hier gibt es weder von offizieller Seite noch von den Medien ein "kurzes Gedächnis". Solche Ereignisse wie in Bad Nenndorf aber finden keine Beachtung. Das läßt mich auch in Bezug auf den Holocaust abstumpfen.


Da sind wir uns allerdings einig. Das get mir auch so und zeigt mir, daß die TV-Berieselung es eben nicht einfach nur auf Geschichtsdokumentation abgesehen hat, sondern auch auf Bewußtseinsmanipulierung. Andererseits: Wenn man sowas mal weiß, juckt es einen auch nicht mehr. Mich zumindest. Durch mein damaliges Studium stehe ich da sowieso drüber. ;-)

Zitat
Bitte - aber dabei nicht die Vollstrecker vergessen.


Wen meinen Sie damit? Die Alliierten? In dem Fall hätten wir wieder unterschiedliche Meinung: Es ist nicht so dolle, andere Länder zu überfallen. Das war ein Fehler, der sich bitter rächte. Nein, ich dachte da an Maulhelden wie Göring, der die britische Luftwaffe platt machen wollte. Der die armen Teufel in Stalingrad zu versorgen versprach. Und was hat dieser Maulheld geleistet und zustande gebracht? An SOLCHE Leute dachte ich dabei. Und da Sie diese Zeit ja zu interessieren scheint: Spätestens als die Wehrmacht wegen des Unvermögens der italienischen Armee nach Südeuropa wesentliche Teile abziehen mußte, hätte klar sein müssen, daß "Barbarossa" niemals in dem betreffenden Jahr hätte stattfinden dürfen. Denn diese Operation war - eben wegen des Winters - ursprünglich für früher angesetzt worden. Sie konnte aber durch den Einsatz dieser Truppen in Südeuropa nicht zum eigentlich vorgesehenen Zeitpunkt statfinden - und wurde gegen besseres Wissen verzögert dennoch durchgezogen. Mit bekanntem Ende ein paar Jahre später. Von dem Unrechtscharakter der Operation als solcher mal ganz abgesehen: Schon DIESE Art Planung war die Planung von Hasardeuren, die alles auf eine Karte gesetzt hatten. Verantwortung ist was anderes.

Gruß
Klaus

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RE: Nachtrag

#10 von weihrauch , 29.01.2013 19:40

"Bitte - aber dabei nicht die Vollstrecker vergessen."

Bei diesem Satz scheint es ein Missverständnis zu geben.
Sie hatten geschrieben, daß viele Deutsche von der NS zu ideologischen Zwecken mißbraucht worden sind und als Folge eben "die Retourkutsche" der Alliierten an den Soldaten war.
Ich bin damit einverstanden, daß die Bevölkerung vom NS-Regime missbraucht wurde, aber mit Vollstrecker meinte ich damit die Alliierten, die Gewalttaten an den Deutschen verübten und in diesem Falle nicht das NS-Regime.
Ein weiteres Beispiel dafür.
Bei der Einweihungsfeier der wiederaufgebauten Frauenkirche sprach der "neutrale" Fernsehmoderator, daß die Frauenkirche im Februar 1945 von den Allierten zerstört wurde - im gleichen Atemzug kam aber der Zusatz "aber durch deutsches Verschulden".
Es reichte dem ÖR nicht, nur die Täter des Bombenangriffes zu nennen - nein es mußte relativiert werden.
Ähnlich hat sich Guido Knopp verhalten. Bei den getöteten Flüchtlingen aus Ostdeutschland sprach er nicht die Polen und Russen an - nein - er sprach von "Hitlers letzten Opfern".
Und das kotzt mich an.

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RE: Nachtrag

#11 von huhngesicht , 29.01.2013 20:04

Bei diesem Satz scheint es ein Missverständnis zu geben.
Sie hatten geschrieben, daß viele Deutsche von der NS zu ideologischen Zwecken mißbraucht worden sind und als Folge eben "die Retourkutsche" der Alliierten an den Soldaten war.
Ich bin damit einverstanden, daß die Bevölkerung vom NS-Regime missbraucht wurde, aber mit Vollstrecker meinte ich damit die Alliierten, die Gewalttaten an den Deutschen verübten und in diesem Falle nicht das NS-Regime.
Ein weiteres Beispiel dafür.
Bei der Einweihungsfeier der wiederaufgebauten Frauenkirche sprach der "neutrale" Fernsehmoderator, daß die Frauenkirche im Februar 1945 von den Allierten zerstört wurde - im gleichen Atemzug kam aber der Zusatz "aber durch deutsches Verschulden".
Es reichte dem ÖR nicht, nur die Täter des Bombenangriffes zu nennen - nein es mußte relativiert werden.
Ähnlich hat sich Guido Knopp verhalten. Bei den getöteten Flüchtlingen aus Ostdeutschland sprach er nicht die Polen und Russen an - nein - er sprach von "Hitlers letzten Opfern".
Und das kotzt mich an.

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Ich wuerde gern mal die tatsaechlichen Motive verstehen, warum man bei dem Thema eine "Wie Du mir, so ich Dir"-Position einnehmen will/soll. Es ist kein Geheimnis und wird auch nirgendwo geleugnet, dass die Sowjetarmee anders als die Amis zB mit den Deutschen am Ende des Krieges nicht gerade menschenfreundlich umgegangen ist. Nach der Nazigreuel der Deutschen im Osten waren sie Hassobjekt. Morden, Vergewaltigen u.ae war keineswegs eine Ausnahme. Nur was genau soll man daraus nun fuer Lehren ziehen und sich wie verhalten? Sollten die Russen oefter betonen, dass ihre Armee beim Einmarsch in Deutschland wenig human vorging? Oder sollten sich deutsche Politiker fuer die Schande des NS weniger und moeglichst selten entschuldigen, nur weil die Russen nicht zimperlich waren? Was sollte das? Als verantwortungsbewusster Deutscher, der mit der Geschichte lebt, sowohl Kriegsinitiator als auch Kriegsverlierer zu sein, ist Demut das einzig sinnvolle Gebot. Was soll all das Aufrechnen und Relativieren? Werden KZs schoener, nur weil es Gulags gab? Sollte man KZs nicht beklagen, wenn sich Russland nicht noch mehr fuer Gulags entschuldigt? Ich verstehe schlicht nicht, warum sich deutsche Politiker weniger ehrenvoll schuldbekennend demuetig verhalten sollten, nur weil das im Ausland nicht genauso vorbildlich nachgemacht wird. Sollten wir warum auch immer schlechter werden?

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RE: Nachtrag

#12 von kjschroeder , 31.01.2013 11:54

Zitat
Sollten die Russen oefter betonen, dass ihre Armee beim Einmarsch in Deutschland wenig human vorging?


Ich glaube nicht, daß es weihrauch um "die Russen" oder allgemeiner um die Alliierten hier geht,sondern um die Art, wie WIR bzw. Teile UNSERER Gesellschaft mit unserer Geschichte umgehen. Weswegen er als Beispiel ja auch keinen Russen, sondern Guido Knopp erwähnte.

Gruß
Klaus

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RE: Nachtrag

#13 von kurt02 , 31.01.2013 12:12

#8 von weihrauch , 29.01.2013 15:16

Wenn Sie vergleichen: Was war unmenschlicher, die Aktion T4 oder Bad Nenndorf?

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RE: Nachtrag

#14 von kjschroeder , 31.01.2013 12:12

Zitat
aber mit Vollstrecker meinte ich damit die Alliierten, die Gewalttaten an den Deutschen verübten


Da läuft bei mir eine Differenzierung ab. Was die Kriegshandlungen angeht, gilt bei mir das genauso schlichte wie brutale Motto: Wer gesät hat, muß mit entsprechender Ernte rechnen.

Auf einem anderen Blatt steht, was mit taktisch-operativen Kriegszielen nicht zu begründen ist. Der Luftangriff auf Dresden fällt für mich in diese Kategorie. Das Thema "Rheinwiesen" genauso wie die Übergriffe auf die deutsche Bevölkerung NACH dem Krieg in Polen und Tschechien. Und auch die zahllosen Vergewaltigungen.

Daß mein Onkel an der Oderfront fiel, hingegen nicht: Das war Ergebnis von Kriegshandlung, auch wenn es natürlich eine "Gewalttat" war. Aber daraus mache ich keinem russischen Soldaten einen Vorwurf.

Das ist die eine Ebene, die der "Aktionen", um es allgemein zu formulieren.

Dann gibt es ja noch die Ebene der nachträglichen "Bewertung" ebendieser Aktionen, und mir scheint, daß das bei Ihnen eine fast genaso große, wenn nicht größere Rolle spielt. Also die Darstellung unserer Geschichte in Medien durch uns selber.

Da stimme ich Ihnen insofern zu, daß da insbesondere die uns Deutsche betreffenden Aspekte von Verfolgung und Leid zuwenig Erwähnung durch unsere eigenen Eliten finden. Ich schätze, hier kann nur die Zeit für eine ausgeglichenere Haltung sorgen, die zum einen nicht in Revanchismus umschlägt und zum anderen sich auch nicht dieses Verdachts erwehren muß. Ich nehme an, daß dafür die Zeit noch nicht reif ist.

Gruß
Klaus

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RE: Nachtrag

#15 von kjschroeder , 31.01.2013 12:25

Wieder haben Sie den falschen Adressaten erwischt. ;-) Ich empfehle Ihnen wirklich die Baumansicht. ;-)

Denn warum sollte ich irgendwas vergleichen?

Gruß
Klaus

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RE: Nachtrag

#16 von huhngesicht , 31.01.2013 12:51

Ich glaube nicht, daß es weihrauch um "die Russen" oder allgemeiner um die Alliierten hier geht,sondern um die Art, wie WIR bzw. Teile UNSERER Gesellschaft mit unserer Geschichte umgehen. Weswegen er als Beispiel ja auch keinen Russen, sondern Guido Knopp erwähnte.

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Das sehe ich nicht anders, aber deshalb frage ich ja immer wieder nach, um zu hoeren, worum es ganz genau geht. Ich bin auch nicht der Ansicht, dass der ernsthafte Wunsch besteht, dass sich zB die tuerkische Regierung ewig und drei Tage entschuldigt, weil ein paar Spinner einem Soldaten in zivil einen Sack uebergestuelpt haben. Ich habe eher den Eindruck, dass all diese vermeintlichen Unterlassungen im Ausland Anlass sein sollen, dass Deutschland, unsere Gesellschaft und unsere Politiker anders mit der Geschichte und mit rassistischen Vorfaellen usw umgehen. Und da frage ich mich warum. Was ist falsch und schlecht daran, wenn man weiterhin Verantwortung uebernimmt, sensibel auf Fehlverhalten gegenueber Auslaendern reagiert und mit Demut die Geschichte betrachtet? Die einzig nachvollziebare Erklaerung ist die, dass man Nationalismus durch die Hintertuer einfuehren will. "Vergessen wir mal diese bloeden alten Geschichten und erheben stolz unser deutsches Haupt. Endlich wieder ein bisschen hoeher als das von Kanacken oder Spaghettifressern, schliesslich koennen wir doch stolz auf Deutschland sein. Wir sind die Reichsten, die Fleissigsten und sowieso die Tollsten." (Disclaimer: Das ist nicht meine Meinung, sondern eine ueberspitzte Formulierung hypothetischer Gedanken von Nationalisten.)
Letztenendes kann da meiner Ansicht nach jeder wollen, was ihm gefaellt, aber dann soll er es auch sagen. Erst wenn jemand sich zu diesem rueckstaendigen infantilen Nationalismus bekennt, der so gut zur Globalisierung passt wie Jeans in die Oper, dann kann man das auch angemessen kritisieren.

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RE: Nachtrag

#17 von kjschroeder , 31.01.2013 13:05

Zitat
Ich habe eher den Eindruck,.... hypothetischer Gedanken ... aber dann soll er es auch sagen


Ihnen ist schon klar, wie sehr sich Ihre Argumentation auf Motiv-Verdächtigung stützt? Damit ist niemandem geholfen.

Zitat
Erst wenn jemand sich zu diesem rueckstaendigen infantilen Nationalismus bekennt, der so gut zur Globalisierung passt wie Jeans in die Oper,


Diese Denkweise "mehr wirtschaftliche Globalisierung = mehr gedankliche Globalisierung = weniger Nationalismus" geht mit der Realität nicht konform. Tatsächlich erleben wir - nicht zuletzt in Form von Umfragen belegt - eine Wiederbelebung des bei Ihnen verkürzt als "Nationalismus" dargestellten Nationalstaates als Kulturkreis bei fortschreitender Globalisierung. U.a. zu beobachten an den immer stärkeren Vorbehalten gegenüber der EU. Und teilweise auch an der Migrantenpolitik. Siehe auch USA und Frankreich in diesem Zusammenhang.

Wir haben es also hier nicht mit zwei parallel verlaufenden Entwicklungen zu tun, sondern mit Entwicklungen, die auch gegenläufig zueinander verlaufen können: je stärker die außen sichtbare Globalisierung desto stärker der innere Rückzug in den jeweils eigenen Kulturkreis.

Gruß
Klaus

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RE: Nachtrag

#18 von huhngesicht , 31.01.2013 14:41

Ihnen ist schon klar, wie sehr sich Ihre Argumentation auf Motiv-Verdächtigung stützt? Damit ist niemandem geholfen.

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Ich habe niemanden individuell verdaechtigt. Aehnliche Aussagen liest man immer mal wieder von unterschiedliche Personen. Ich habe gezwungenermassen zu spekulieren begonnen, weil niemand meine konkreten Fragen nach der Motivlage beantwortet.
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Diese Denkweise "mehr wirtschaftliche Globalisierung = mehr gedankliche Globalisierung = weniger Nationalismus" geht mit der Realität nicht konform.

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Ich bin mir dessen bewusst und kritisiere eben deswegen ja die Gefahr, die von diesem neuen Nationalismus ausgeht. In Deutschland ist das (noch) kein Problem, aber in vielen Laendern Europas nutzen rechtspopulistische Parteien die Aengste der Einfaeltigen aus.
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Tatsächlich erleben wir - nicht zuletzt in Form von Umfragen belegt - eine Wiederbelebung des bei Ihnen verkürzt als "Nationalismus" dargestellten Nationalstaates als Kulturkreis bei fortschreitender Globalisierung. U.a. zu beobachten an den immer stärkeren Vorbehalten gegenüber der EU. Und teilweise auch an der Migrantenpolitik. Siehe auch USA und Frankreich in diesem Zusammenhang.

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Ich stimme ihnen vorbehaltlos zu. Man sieht hier aber keine positive Entwicklung. Es geht ja nicht mehr darum, dass sich der Almoehi sein Schuhplattlern bewaren will und angst vor dem Mohren hat. Die Angst der Menschen vor Veraenderung und Fortschritt wird politisch von Gestrigen missbraucht, um Separation, Rassismus, Dorfdeppentum und Kleintierzuechtervereinsdenken zu befoerdern. Ich waehle so deutliche Worte, weil man diese Gefahr nicht unterschaetzen sollte.
Das geht so weit, dass Deutsche den Islamisten ihre fragwuerdige Ehre und den Nationalstolz neiden. Wenn die Currywurst angst vor dem Doener hat, dann laeuft etwas schief.


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RE: Nachtrag

#19 von JoG , 31.01.2013 16:38

Obwohl ich Ihnen vollständig zustimmen würde, dass man Straftaten auch dann ahnden sollte, wo sie in unübersichtlicher Lage ausgeführt wurden, glaube ich nicht, dass es sehr sinnvoll ist aus Deutschland heraus über Geschehnisse gar gegen Deutsche der letzten Kriegstage und der frühen Nachkriegszeit öffentlich zu klagen. Alles, das die Gewinner taten ist nämlich nichts gegen das, was die Deutschen mit ganz wenigen Ausnahmen mit verantworteten. Und es scheint dem neutralen Beobachter etwas wehleidig, dummdreist und ein Marker schlechten Charakters der Deutschen, solche Wehklagen zu hören.

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RE: Nachtrag

#20 von weihrauch , 31.01.2013 18:31

Zitat von kurt02 im Beitrag #13
#8 von weihrauch , 29.01.2013 15:16

Wenn Sie vergleichen: Was war unmenschlicher, die Aktion T4 oder Bad Nenndorf?


Ich gehöre nicht zu den Leuten, die Mord oder Totschlag klassifizieren, sondern verabscheue jede Tötung.
Das macht übrigens die BRD-Deutschen so unglaubwürdig, weil sie die Opfer in wichtig oder minderwertig aufteilen - und minderwertig bei den Deutschen sind die eigenen Landsleute.
Darum erübrigt sich auch die Frage nach menschlich oder unmenschlich.

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RE: Nachtrag

#21 von weihrauch , 31.01.2013 18:40

Zitat von JoG im Beitrag #19
Obwohl ich Ihnen vollständig zustimmen würde, dass man Straftaten auch dann ahnden sollte, wo sie in unübersichtlicher Lage ausgeführt wurden, glaube ich nicht, dass es sehr sinnvoll ist aus Deutschland heraus über Geschehnisse gar gegen Deutsche der letzten Kriegstage und der frühen Nachkriegszeit öffentlich zu klagen. Alles, das die Gewinner taten ist nämlich nichts gegen das, was die Deutschen mit ganz wenigen Ausnahmen mit verantworteten. Und es scheint dem neutralen Beobachter etwas wehleidig, dummdreist und ein Marker schlechten Charakters der Deutschen, solche Wehklagen zu hören.


In der Tat ist das Ereignis von Bad Nenndorf ein etwas anderes als üblich.
Jahrzehntelang wurden einzig und allein die Russen und Polen der Grausamkeiten bezichtigt, während Engländer und Amerikaner als "gute und anständige" Besatzer dastanden.
Ich selbst hatte Anfang der 70er Jahre auch ein vollkommen anderes Bild von Tommys und Amis.

Bei den Amis hätte die meisten schon bei Hiroshima und Vietnam aufwachen sollen - bei den Engländern spätestens seit dem Irakkrieg.

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RE: Nachtrag

#22 von weihrauch , 31.01.2013 18:43

Zitat von kjschroeder im Beitrag #12

Zitat
Sollten die Russen oefter betonen, dass ihre Armee beim Einmarsch in Deutschland wenig human vorging?

Ich glaube nicht, daß es weihrauch um "die Russen" oder allgemeiner um die Alliierten hier geht,sondern um die Art, wie WIR bzw. Teile UNSERER Gesellschaft mit unserer Geschichte umgehen. Weswegen er als Beispiel ja auch keinen Russen, sondern Guido Knopp erwähnte.

Gruß
Klaus



Vollkommen richtig.
Bei "unseren" Politikern habe ich den Eindruck, daß sie die Inkarnation von Deutschlands Feinden der letzten 200 Jahre verkörpern.

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RE: Nachtrag

#23 von Rocco-Müller , 01.02.2013 18:19

Zitat von weihrauch im Beitrag #1


Ich persönlich finde es schlimm, wie grausam und mitleidslos die deutsche Bevölkerung mit ihren Soldaten und Kriegsgefangenen umgeht.

http://www.focus.de/magazin/kurzfassunge...aid_901701.html


Schlimm war der Vernichtungskrieg, den Nazi-Deutschland grundlos vom Zaun gebrochen hat und schlimm war die industrielle Ermordung von Millionen von Menschen durch die Nazi-Schergen.

Mitleid für die Täter in diesem Vernichtungskrieg ist fehl am Platze. Unser Mitleid sollte besser den Opfern des Nazi-Terrors gelten.

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RE: Nachtrag

#24 von kjschroeder , 01.02.2013 20:21

Zitat
Ich habe gezwungenermassen zu spekulieren begonnen, weil niemand meine konkreten Fragen nach der Motivlage beantwortet.


Vielleicht gibt es ja keine konkrete Antwort darauf. Und sind Motive entscheidend? Sind nicht vielmehr Ergebnisse relevant?

Zitat
Ich stimme ihnen vorbehaltlos zu. Man sieht hier aber keine positive Entwicklung. Es geht ja nicht mehr darum, dass sich der Almoehi sein Schuhplattlern bewaren will und angst vor dem Mohren hat. Die Angst der Menschen vor Veraenderung und Fortschritt wird politisch von Gestrigen missbraucht, um Separation, Rassismus, Dorfdeppentum und Kleintierzuechtervereinsdenken zu befoerdern. Ich waehle so deutliche Worte, weil man diese Gefahr nicht unterschaetzen sollte.
Das geht so weit, dass Deutsche den Islamisten ihre fragwuerdige Ehre und den Nationalstolz neiden. Wenn die Currywurst angst vor dem Doener hat, dann laeuft etwas schief.



Das ist Ihre subjektive Sichtweise und natürlich auch Ihr Recht. Ich frage mich nur, warum Ihre Meinung derart vorgefestigt ist. Nach Ihrer Logik wüerde jeder EU- und Euro-Gegner dem Dorfdeppentum fröhnen. Halten Sie es wirklich für zielorientiert Millionen von Europäern auf diese Weise für blöd zu erklären? Ich glaube diese Art Denke führt den Irrtum, in dem wir uns bewegen, nur immer weiter.

Meiner Ansicht nach ist ein anderer Denkansatz hier dringend vonnöten - dieser: Wieso wird vergessen, daß das 20. Jahrhuindert das Jahrhundert der Nationalstaaten war? Das Habsburger Reich, das Osmanische Reich - alles ging mit dem WKI den Bach runter. Das 3. Reich folgte ein paar Jahrzehnte drauf. Das englische Empire desgleichen. Was folgte waren Nationalstaaten. Mit 5 Jahrzehnten Verspätung auch in Osteuropa. Die letzten auf dem Balkan vor gerade 20 Jahren. Warum wohl? Weil die Menschen es so wollten.

So gesehen, ist die "EU" historisch ein Riesen-Rückschritt, weil damit wieder die alten Konstellationen zu neuem Leben erwachen bzw. erwachen können. Wer das so sieht, ist für Sie ein Dorfdepp?

Gruß
Klaus

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RE: Nachtrag

#25 von JoG , 01.02.2013 21:13

Nun weichen Sie zwar in der Hoffnung aus, vermutlich weil Sie Ihren ursprünglichen Vorwurf nicht aufrecht erhalten können noch dies argumentieren können. Daher wäre es eigentlich unsinnig auf so durchsichtige Nebelkerzen zu reagieren.
Sie haben aber interessante Themen mit Hiroshima und Vietnam gewählt. Sie ähneln sich zwar nicht eigentlich, aber in beiden Fällen gab es sehr gute Gründe so zu handeln, wie man es tat. Im Falle Vietnams hätte man sogar vermutlich härter vorgehen sollen. So wäre es schon wichtig, wenn Sie sich nicht dem hiesigen Paradiga ergäben und sich darauf verlassen wollten, dass man sich durch den Unsinn, den dieses Paradigma aus der Logik der 68er beinhaltet überfahren lässt, sondern tatsächlich Ihre Kritik formulierten.

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